Von Pferde-T-Shirts, Schmachtblicken und Blamagen in der Tanzschule

Bild von Carla

Anna und ich betreten unbekanntes Land.

Das erste was ich sehe ist…Parkett. Überall Parkett. Und auf diesem endlos scheinenden Parkett stehen endlos toll aussehende Jungen und Mädchen. Die Jungen tragen fast schon in den Kniekehlen hängende Baggypants – okay, das sieht nicht so toll aus, eher affig – lange T-Shirts und irgendwie zu groß geratene Sneakers. Die Mädchen dagegen tragen hautenge T-Shirts und kurze Hosen.

In meiner alten ausgeleierten Sporthose und dem grünen Pferde-T-Shirt komme ich mir plötzlich vor, wie das fünfte Rad am Wagen. Total fehl am Platz. Hilfe!
Plötzlich sehe ich auch Mr. … Alex in einer Ecke stehen, obercool und umringt von einem Haufen lässiger Mädchen, die grinsend auf ihn einreden. Seufz!

Ich, immer noch wie angewurzelt am Boden stehend und Anna fröhlich mit anderen Teilnehmern kommunizierend, erschrecken uns fast zu Tode, als Julian plötzlich den Ghetto Bluster einschaltet und uns die dröhnende Musik um die Ohren knallt. Einige Kniekehlen-Jungs fangen wie automatisch an komische Laute in ihre Hände zu pusten, was irgendwie total bescheuert aussieht. „Guck mal! Die machen Beat Box!“, raunt Anna mir zu und schaut schmachtend umher. Oh Mann!

„So, Leute!“, ruft Julian in den Raum „Wir fangen jetzt erst mal mit Freestyle an, damit ihr euch ein bisschen aufwärmen könnt!“ Einige der Mädchen fangen freudig an zu kreischen, dass erinnert mich irgendwie an die (Ex-)Freundin des Hamburgers!
Nachdem ich ein paar Mal unsicher rum gehopst bin, höre ich auf einmal Anna neben mir leidenschaftlich seufzen. Ich folge vorsichtig ihrem Blick, der bei Julian am Ghetto Bluster endet. Das ist doch nicht ihr ernst… „Emaaa… Der Typ ist ja so was von süüüß!“, quiekt sie und lächelt dämlich in Richtung ihres Schwarms. Selbst ein Blinder würde merken, dass ihre Hormone Salsa… Na ja, wohl eher Hip-Hop tanzen.

„Jetzt machen wir mir unserer Choreographie weiter!! Wir waren bei Teil 3 der Choreo angekommen, wo ihr auf dem Boden sahst und… Ach ja, wir haben zwei Neue! Das sind sie!“ Lächelnd zeigt Julian auf uns. Alle (obercoolen) Leute glotzen uns an. Boden tu dich auf!
„Ähm… Alex, erklärst du den beiden bitte noch mal unsere Choreographie, damit sie später besser mitkommen?! Keine Sorge, Mädels. Ihr werdet Alex mögen, er ist hier unser Supertänzer!“, Julian zwinkert. Wenn der wüsste, wie sehr ich Alex mag.

Nachdem Alex sichtlich genervt zu uns rüber geschlurft ist und uns mit kurzen Sätzen die Tanzschritte erklärt, sollen Anna und ich zeigen, was wir drauf haben.
Anna beginnt mit den Bewegungen. Hocke. Hoch. Rechts. Links. Hocke. Arm hoch. Arm runter… Und sie stellt sich noch nicht mal ganz so blöd an. „Und, wie war ich?“, fragt sie Alex und keucht . „Gut.“, Alex nickt und fordert mich auf loszulegen.
Okay, wie war das noch mal? Hocke. Hoch. Rechts…. Nach den ersten Bewegungen passiert es dann auch schon. Mein schlimmster Alptraum. Ich stolpere volle Pulle über meine eigenen Füße und kralle meine Nägel aus Schreck in Alex’ Schultern, um ihn dann mit mir runter zu reißen. Aus meiner Kehle entweicht ein schrecklich hysterisches Kreischen, bevor ich auf den Boden fliege.

Nachdem Alex und ich uns einigermaĂźen wieder aufgerappelt haben, bemerke ich auf einmal, dass alle Blicke der Teilnehmer auf mich geheftet sind. Aaaah!
„Alles in Ordnung?“, fragt Julian und ich merke ganz genau, dass er sich das Lachen verkneifen muss. Ich nicke… Und renne im nächsten Moment aus dem Raum hinaus, auf den Flur. Wie konnte ich nur so doof gewesen sein, und hier überhaupt auftauchen? Ich habe doch von Anfang an gewusst, dass ich mich hier blamieren würde.

Ich sitze immer noch ziemlich niedergeschlagen im Flur, als plötzlich Anna und Julian an dem Tanzraum kommen.
„Anna, können wir nach hause gehen?“, frage ich meine Freundin und schaue sie hoffnungsvoll an. Sie nickt und hilft mir hoch.
„Nicht verzweifeln!“, grinst Julian. „Bis nächste Woche!“
Als wir um eine Ecke gegangen sind, schaue ich Anna geschockt an. „Wie jetzt, bis nächste Woche?“, frage ich sie.
„na, ich hab schon mal die nächsten fünf Tanzstunden für uns zwei klar gemacht.“
„Anna! Ich will nicht mehr!“, sage ich aufgebracht.
Anna zwinkert. „Emma, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!“, lacht sie und steuert den Ausgang an.