Ohnmachts-Mousse au Chocolat und andere Katastrophen

Bild von Mimimaus

Innerer Kurzschluss. Gefühlschaos. Meine inneren Männchen im Gehirn suchen nach brauchbaren Informationen, mit der Sache fertig zu werden.
Doch das einzige was sie finden
sind "Zitterattacken", "hysterische Schreianfälle", "Der Drang meinem Ex das Mousse au Chocolat über den Kopf zu schütten", oder "Ja. Ich will." zu rufen.
Wobei ich das letztere ausschließen kann.
ICH bin doch nicht so dumm IHM eine zweite Chance zu geben.
Ich meine: Hallo? Er hat mich betrogen mit einer von Typ "Oberzickige Blondine" und als die keine Zeit mehr für den kleinen Jungen gehabt hat, ist er bei mir angekrochen.

Nein. Emma. Das musst du dir nicht antun!
Aber was sollst du sonst machen?
Ihm das Mousse au Chocolat über den Kopf schmeißen?
Nein. Da sprechen viele Dinge dagegen..
Zitterattacken bekommen?
1. Habe ich das schon
2. Bringt mich das auch nicht weiter

Dann bleibt noch "hysterischer Schreianfall".
Gut. Emma. Die Idee ist doof, aber vielleicht klappt es ja.

Hoffentlich reicht mein "Schauspielerisches Talent" dazu aus.
"Ich glaub.." nuschle ich so glaubwürdig wie möglich vor mir hin.
So. Jetzt kommt es auf dich an, Emma.
Ich halte mir die Hand vor den Mund, versuche langsam auf die Seite zu kippen, und kippe meinen Kopf nach vorne zum Tisch hin.
Hoffentlich denkt er, dass ich Ohnmächtig geworden bin. Bitte!
Langsam senke ich meinen Kopf und..
lande genau in der Mousse au Chocolat.
Na lecker!
"Emma? Emma, was ist denn los mit dir?" ruft der, dessen Namen ich nicht mehr nenne mir zu.
Ich höre Schritte, die auf mich zu kommen und spüre eine Hand, die mich heftig durchschüttelt.
Aua!
Ich hab' auch noch Gefühle, auch wenn das nicht so aussieht!
Na ja..
Immerhin hat mein Ex mir das abgekauft, das ich ohnmächtig bin, auch wenn ich dafür im Mousse au chocolat baden muss.
"Krankenwagen! Ich brauche einen Krankenwagwagen!", höre ich wieder eine Stimme.
WAS?!
Ich glaube, dass ich langsam wirklich ein Hörgerät brauche.
Hat da jemand KRANKENWAGEN gesagt?!
Ich bin doch gar nicht krank!
Ich will keine tausend Spritzen in mich hinein gestochen bekommen.
Ich will nicht in einem Bett wo die alten Omis reinge..
Uah! Da denk' ich leiber gar nicht dran!

Aber wenn ich jetzt aufstehe und so tue, als wäre alles wieder in Ordnung..
Dafür spricht:
-Ich brauche nicht ins Krankenhaus geliefert werden.
-Mein Ex steht vor den anderen wie ein Idiot da.

Dagegen spricht:
-Ich stehe dann auch wie ein Idiot da.
-Ich darf den ganzen Abend lang mit Mousse au Chocolat im Gesicht durch die Gegend laufen.
- Meine Eltern werden die ganze Zeit "Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht" sagen.

Ich glaub ich werde doch lieber..
"Achtung. Lassen sie mich bitte durch!" ruft ein Mensch in die Menge hinein.
Sind das die..?
"Nein", schreie ich und richte mich blitzschnell wieder auf.
Ich schaue mich um.
Die ganze Menschenmenge, die sich in diesem Nobel-Restaurant versammelt hat starrt mich an.
Inklusive meinem Ex, meinem mit gläserigen Augen guckenden Vater, und dem Personal des Nobel-Lokals.

Das Beste:
Es sind gar keine Leute mit Krankenwagen da, nur ein Kellner, der das Mousse au Chocolat, was auf den Boden getropft ist aufwischt.

Ahhhh!
Cut! Stopp!
Ich will die Szene wiederholen.
Das ist soooo peinlich!
"Ähm. Mir geht es schon viel besser." stottere ich verlegen mit rot-angelaufenem Gesicht los.
Der, dessen Namen ich nicht mehr nenne fängt plötzlich an zu lachen.
Was gibt es denn da zu lachen?
Sieht man etwa sogar durch das Mousse au Chocolat wie rot ich bin?
"Emma. Du brauchst dich doch nicht halb tot zustellen, nur um mir zu sagen, dass "aus" ist." er stockt und wird immer leiser "Ist schon klar. Wahrscheinlich bist du doch noch in diesen Roman verknallt.."
"Ähm. Ähm. Ähm. Ich meine.."
Los Emma!
Sag was Sinnvolles! Kein "Ähm"!
"Ich bin nicht mehr in Roman verliebt!"
"Und wieso willst du nicht mehr mit mir zusammen sein?"
"Ich. Ich hab schon einen Freund. Also.. und außerdem hast du mich betrogen.." plappere ich weiter.
Super. Emma! So wie du hier rumstotterst kauft dir das noch nicht mal ein Kleinkind ab.
Sei energisch!
"Ich bin in einen aus meiner Schule verknallt. Der kann viiiiieeel besser als du tanzen, sieht gut aus und würde mich niemals betrügen!" schreie ich meinem gegenübersitzenden früher-Traumprinz entgegen.
So. Jetzt hast du's ihm aber gezeigt, Emma!

Ich schaue mich um. Die Leute gucken uns zu.
Manche schütteln mit dem Kopf, andere nicken mir anerkennend zu.
Hah! Emma! Du hast sogar schon ein paar Fans.
Mach weiter! Da kannst du bestimmt noch einen draufsetzen.
"Ich habe sogar schon ein Lied für ihn geschrieben! Das würde ich für dich nie machen!" versuche ich Philipp (ich habe seinen Namen gesagt. Kaum zu glauben!) weiter einzuschüchtern.

Plötzlich merke ich wie der Kellner, der das verschüttete Mousse aufgewischt hat, hochkommt, mich mit einem breitem Grinsen anschaut und: "Es ist ja alles schön und gut was du hier erzählst, aber wenn du nicht allzu viel Ärger mit meinem Chef haben möchtset, würde ich dir raten schnell abzuhauen."
sagt. Danach geht er los und fügt noch ein"Du hast übrigens einen sehr guten Geschmack." hinzu.

Meine Kinnladen fallen runter, ich bekomme das Gefühl bald wirklich umzufallen.
Aber...
Das geht doch nicht.
Wieso passiert das immer mir?
Das..das ist Mein Tänzer gewesen.
Nebenberuflich als Kellner angestellt.
Und der hat alles mit angehört.
Bestimmt denkt der jetzt ich bin total dumm. Verrückt.
Oder, noch schlimmer: Er weiß jetzt, dass ich in ihn verliebt bin.
Nein!

Mit Tränen in den Augen gehe ich zu meinem Vater und frage ihn: "Können wir jetzt nach hause?"
Aber irgendwie hört er mich nicht.
"Was? Ist der neue Freund von deiner Mutter wirklich so toll? Was hat der, was ich nicht habe?" gibt er nur als Antwort von sich und nippt an seinem Bierglas.
Besoffen!
Mein Vater ist tatsächlich besoffen!
Das war er seit dem meine Eltern sich getrennt haben nicht mehr...

Wie sollen wir denn jetzt nach hause kommen?
"Papa? Wie viel Geld hast du noch?" frage ich ihn.
"Was? 100 Euro und ein paar Münzen. Wieso?"
"Können wir ein Taxi nehmen um nach hause zu kommen?
Und.. Können wir Philipp hier lassen?"
"Alles was du willst. Aber der Junge muss mit." gibt mein Vater als Antwort hervor.
Schade. Wenn er schon mal besoffen ist, kann er Philipp doch auch hier lassen.
Dann muss ich wohl doch noch länger bei ihm bleiben, als gewollt.
Nach zehn (!) Minuten hat mein Vater endlich seine Jacke angezogen und wir gehen los.
Endlich!
Doch was mich da erwartet:
Sirenengeheul, tausende von Kameras und Journalisten.
Oh Gott!
Was ist denn passiert?
"Können sie uns berichten, was mit der Person passiert is? Schwebt sie in Lebensgefahr?" kommt plötzlich eine Journalistin auf mich zugestürmt.
"Wie? Was? Wer ist tot?" stammel ich vor mich hin, worauf die Journalistin "Sie ist gestorben? Die Arme" antwortet und sich irgendetwas auf ihren Notizblock schreibt. "Ist sie an Herzinfarkt gestorben? Wieso ist sie umgekippt?" redet die Frau weiter.
"Ich weiß es nicht..."
"Lassen sie mich durch! Bitte! Nein. Für Fragen sind wir später bereit." höre ich eine Männerstimme.. Die wissbegirigen Leute mit ihren übergroßen Kameras und Mikrophonen weichen zur Seite und eine Gruppe aus Sanitätern tritt zum Vorschein.
Eilig gehen sie ins Restaurant und machen sich auf dem Weg, mit dem Chef zu reden.
Ah! Na klar! Wieso bin ich denn da nicht selber drauf gekommen!
Vorhin, im Restaurant, als ich "umgekippt" bin, da hat doch jemand nach einem Krankenwagen gerufen!
Aber...
Was ist..? Wenn ich jetzt wegen "Vorspielung falscher Tatsachen" ins Gefängnis komme?

Die Kameraleute schauen hoch und ein "Oh" "Ah" und "Na endlich!" ist zu hören.
Gebannt schauen sie zu den Sanitätern, welche sehr finster in meine Richtung schauen.
"Sie da hinten. In dem roten Kleid. Kommen sie her! Es ist ernst!" ruft der eine mir zu.
Mit zittrigen Knien setze ich meine Beine in Bewegung.
Komme ich jetzt ins Gefängnis?
Oder in eine Erziehungsanstalt?
Ich sehe schon die Schlagzeile: "Armes Mädchen wegen vorspielen falscher Tatsachen zur Totesstrafe verurteilt worden!"
Na gut.
Es ist vielleicht etwas übertrieben...aber man weiß ja nie...