Zwei nasse T-shirts & eine neue Freundschaft

Ich lasse es geschehen, obwohl sie mit die Schuld daran trägt, dass ich die letzten fünf Wochen schlechte Laune hatte. Eine Freundin hier in Köln könnte ich jetzt wirklich gut gebrauchen, besonders unter diesen Umständen! Knutschende Mutter im Wohnzimmer! Wenn ich nur daran denke, wie der Typ ihr die Hand unter das T-shirt geschoben hat und sie leise gestöhnt hat.
Auch in mir kommen nun die Tränen hoch, ich fange ebenfalls an zu schluchzen und wir stehen eine ganze Weile einfach nur da und machen uns gegenseitig nasse Flecken auf die T-shirts.
Als wir uns einigermaßen beruhigt und voneinander gelöst haben, sehen wir beide aus wie gerade zum Leben erwachte Leichen. Verschmierter Lidschatten und verheulte Augen. Na toll! Anna starrt mich an und ich starre zurück.
„Guck nicht so blöd.“, will ich sagen, „Du siehst genau so aus!“, doch mir fällt rechtzeitig ein, das ich ja gerade dabei bin, mir außer meinem Fahrrad, was sich, wie es aussieht, wenig für mich zu interessieren scheint, eine weitere Verbündete in dieser schrecklichen, von heimlich Rumknutschenden nur so wimmelnden Welt, zu suchen. Stattdessen sage ich langsam:
„Du,…ich… also, das ist so…“
Noch immer schluchzend unterbricht Anna mich: „Es tut mir echt Leid, was da so in der letzten Zeit passiert ist, das ist anders als du denkst!“
„Ach ja?“, gebe ich jetzt doch etwas pampig zurück,
„Wie ist es denn dann?“
Anna druckst ein bisschen herum, bevor sie sagt: „Also, ich… Roman konnte dich nicht so gut leiden und ich… ich wollte ihm nicht widersprechen, weil… also ich finde ihn, naja, ich mag ihn eben!“
Beschämt mustert sie ihre Schuhspitzen und ich kann mir ein Kichern nicht verkneifen.
Anna und Roman als Pärchen? Ich muss lächeln.
Anna wid rot und entschuldigt sich nochmal fĂĽr die letzten Wochen. Sie sieht mich bittend an und kurzentschlossen
nehme ich ihre Entschuldigung an.
"Ach übrigens, Happy Birthday, Emma!", sagt sie und lächelt nun auch. Ich bemerke, dass sie dieselbe Augenfarbe hat wie ich.
Ich habe keine Lust mir weiter ĂĽber Mama und ihren Knutschpartner Gedanken zu machen, und auch Anna scheint es wieder ein wenig besser zu gehen.
„Kommst du mit auf ein Eis?“, frage ich.
Sie grinst mich an und nickt.
Geimeinsam schlendern wir zur Eisdiele und setzen uns dann mit unserem Eis auf eine Parkbank.
"Jetzt erzähl doch mal.", fordere ich Anna auf.
"Als ich heute nach der fünften Stunde nach Hause kam hab ich meinen Vater dabei erwischt wie er diese fremde Frau geküsst hat. Während meine Mutter bei der Arbeit ist, hintergeht er sie! Wie fies ist das denn? Ich bin direkt wieder abgehauen...", erzählt sie und beginnt erneut zu schluchtzen.
"Ich glaube wir haben etwas gemeinsam.", sage ich und muss grinsen, obwohl der Augenblich gerade ein bisschen unpassend ist. Das ist auch Anna aufgefallen und es hört sich etwas verletzt an, als sie sagt: "Was ist denn daran so komisch?"
"Naja", beginne ich, "Als ich heute nach der Schule nach Hause kam, habe ich meine Mutter dabei erwischt, wie sie diesen fremden Mann geküsst hat. Hört sich das nicht ziemlich ähnlich an?"
Jetzt muss auch Anna grinsen.
"Wir haben nochmehr gemeinsam!", sagt sie und lehnt sich zurück. Erst als ich sie fragend ansehe fährt sie fort: "Ich bin auch vor 4 Jahren aus Hamburg hierher gezogen!"
Jetzt ist es an mir verletzt zu sagen: "Und das sagst du erst jetzt?"
"Naja, du weiĂźt doch jetzt das ich Roman mag!"
"Du Fischkopf!", lache ich und füge hinzu: "Aber warte nur ab, für dieses Problem finden wir auch noch eine Lösung!"
Sie strahlt mich dankbar an und wir verabreden uns für den nächsten Tag wieder an der Parkbank, unserer Parkbank.
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben



