Advent, Advent, ein Herzlein brennt...

Ich drehe mich noch einmal im Spiegel und betrachte mich skeptisch. „Jana! So kann ich da nicht raus!“
„Man Kati! Stell dich verdammt noch mal nicht so an!“
„Aber auf den Bildern hat Maria immer schöne Kleider an und ich? Ich stecke in einem Sack!“
„Diese Darstellungen sind aufgrund Marias heutiger Stellung als Mutter Gottes alle hochgradig verfälscht!“
Überrascht drehe ich mich in Richtung Tür. Antonia! Klar, wer sonst! Streberin und Spaßbremse von Dienst!
„Gemäß der Überlieferung waren Maria und Josef arme Leute, weshalb dein Kostüm ihre soziale Situation authentisch widerspiegelt. Gesellschaftspolitisch hat die Weihnachtsgeschichte bis heute nichts an Aktualität eingebüßt, da die Kluft zwischen arm und reich auch…“
Womit habe ich das verdient? Sonntag, vierter Advent und ich schlage mir meine freie Zeit mit solchen Deppen um die Ohren! Nur, weil ich mir einbilde irgendwann in Hollywood zu landen, wenn ich in unserer Schultheatergruppe genügend Erfahrung sammle! Ich hoffe mal Orlando weiß, was ich für ihn durchmache…
Skeptisch schnüffle ich an meinem Kostüm. Es würde mich wirklich nicht wundern, wenn der Sack inzwischen wirklich 2000 Jahre alt ist. Das Teil stinkt nach Moder und Schimmel!
Ich wende mich wieder dem Spiegel zu und beobachte, wie Jana sich damit abmüht, meine widerspenstigen Locken unter einen Schleier zu zwingen, auf den modetechnisch Todesstrafe stehen müsste.
Ärgerlich schleudert Jana eine Sicherheitsnadel weg: „Ich geb’s auf!“
Ein anzügliches Pfeifen lässt mich wieder einmal zur Tür herumwirbeln. Wenn das Antonia war, dann ist mein Sack die neue Kollektion Lagerfelds…
Selbstgefällig drängt sich Markus an ihr vorbei und lehnt sich locker an den Türrahmen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass er selbst in den albernen Hirtenklamotten extrem gut aussieht.
„Etwas sackartig, aber trotzdem sexy!“
Es gibt Moment im Leben, in denen ich mir wünsche, dass Blicke töten könnten!
„Ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber das ist zufällig die Mädchengarderobe, also: VERSCHWINDE!“
Auffordernd deute ich auf die Tür.
Übertrieben besänftigend hebt er die Hände, doch das Grinsen verschwindet nicht aus seinen Augen. „Ich wollte bloß meiner Ehefrau einen Besuch abstatten. Ist das verboten?“
So viel zu meiner Behandlung durch das Schicksal: wer muss Josef spielen, ausgerechnet dieser verdammte, arrogante, bescheuerte, selbstgefällige, gehirnamputierte,…
Markus winkt uns noch einmal zu und verschwindet pfeifend.
„Na endlich! Da seid ihr ja!“
Völlig aufgelöst stürmt uns Hammerschmidt entgegen.
„Wir müssen anfangen! Morgen im Gottesdienst muss alles klappen! Alle auf ihre Plätze! Generalprobe!“
Markus erscheint plötzlich auf meiner Seite. „Wenn ich um deine Hand bitten dürfte, geliebte Maria!“
Ich fauche ihn nur wütend an und verschwinde in der Sakristei. Was bildet sich der Typ eigentlich ein?
Aus der Ferne höre ich die Stimme des Erzählers: „Es begab sich aber zu einer Zeit…“
Ich atme noch einmal tief durch und trete ich in die Kirche, Markus dicht auf den Versen.
„Du wolltest doch nicht etwa ohne mich gehen!“
„Genau das hatte ich vor!“ Ich beschleunige meine Schritte.
Neben mir ertönte ein leises Lachen; er ist nicht hinter mir zurückgeblieben. Aus meinen Augen schießen Blitze in seine Richtung, die Kirchenbänke fliegen fast an mir vorbei…
„STOP!“ Ein aufgelöster Hammerschmidt versperrt mir den Weg.
„Ihr könnt doch nicht durch die Kirche rennen! Maria und Josef sind seit Tagen unterwegs! Sie sind erschöpft und müde!“
Ich funkle Markus noch einmal wütend an, um anschließend langsam in Richtung Altar zu schreiten, meinen Blick streng nach vorne gerichtet.
„Halt! Katharina! So geht das nicht! Maria ist glücklich! Du siehst aus, als würdest du gerade einen Mord planen!“
„Aber wir wissen doch gar nicht, ob Maria überhaupt glücklich mit Josef war! Vielleicht war Josef ein arroganter, selbstgefälliger Schnösel und das ganze war so eine Art Zwangsheirat!“
„Aber…“
Markus Grinsen wird noch breiter. „Ich denke, das widerspricht der historischen Überlieferung! Josef wird stets als verständnisvoller, bescheidener und intelligenter Mann dargestellt!“
„Dann liegt hier eindeutig eine Fehlbesetzung vor!“
„Aber…“ Fassungslos sinkt Hammerschmidt auf einer Kirchenbank zusammen.
„Ich denke, da hast du Recht! Ich bezweifle, dass Maria so widerspenstig war!“
Unverschämt grinst er mich an und bevor ich weiterreden kann, nimmt er meinen Kopf in seine Hände. Ich will laut aufschreien, doch über meine Lippen kommt kein Laut. Langsam beugt er sich zu mir rüber, das Funkeln noch immer in seinen Augen, und drückt mir einen Kuss auf den Mund. Etwas in mir bricht in lautes Protestgeheul aus. NEIN! Nicht er! Aber seltsamerweise wird es von etwas anderem überlagert. Bewegungsunfähig starre ich ihn an, wie er sich selbstgefällig wieder zurückbeugt.
Plötzlich höre ich aus der absolut stummen Menge ein albernes Kichern: „Kati und Markus!“
Ich spüre, wie mir die Röte ins Gesicht schießt. Ich und der Idiot? Was bildet der sich eigentlich ein? Er kann doch nicht einfach rumgehen und Leute küssen! Vor allem wenn ihn diese Leute hassen!
Wütend springe ich auf, meine Hand holt aus und knallt auf seine Wange. Fassungslos blickt er zu mir hoch, das dämliche Grinsen ist ihm endlich vergangen. Ich spüre die neugierigen Blicke der anderen und höre, dass Hammerschmidt drauf und dran ist zu hyperventilieren. Ich drehe mich um und stürze aus der Kirche. Raus! Alles, nur weg hier!
Ich renne über den Kirchhof… Verdammter Falschküsser! Wütend hole ich mit dem Fuß aus, um einen faustgroßen Stein aus meinem Weg zu kicken - einen kurzen, wunderschönen Moment lang stelle ich mir vor, dass es sich dabei um seine grinsende Visage handelt… Ein dumpfer Aufprall ertönt, ein stechender Schmerz fährt durch meinen Zeh… Verdammt! Wütend blicke ich mich um. Was mache ich überhaupt hier draußen? Fröstelnd lege ich die Arme um mich. Das ist alles SEINE Schuld! Schließlich habe ICH nicht einfach irgendjemanden geküsst! ER hätte wegrennen müssen! Entschlossen drehe ich mich um und stapfe zur Kirchentür. Meine Hand greift nach der Klinke, doch bevor ich sie überhaupt berühre, fliegt die Tür auf wundersame Weise auf… und rast in einem beängstigenden Tempo auf meinen Kopf zu…
Aus der Ferne höre ich einen entsetzten Aufschrei. Mühsam öffne ich ein Auge und blinzle nach oben. Ein Kopf schiebt sich in mein Blickfeld. Schnell schließe ich die Augen wieder. Na danke, Schicksal!
„Kati? Geht’s dir gut?“
Sehe ich etwa so aus?
„Kati!“ Unsanft rüttelt er mich am Arm. Widerstrebend beschließe ich meine Augen zu öffnen, schon allein, weil ich blind ziemlich geringe Chancen habe seine andere Backe zu treffen.
Der Blick in seine haselnussbraunen Augen trifft mich absolut unvorbereitet. Mein Mund klappt auf.
Kati, verdammt! Reiß dich zusammen! Der Typ ist dein Feind!
Zum Glück scheint er meinen kurzen Zustand geistiger Umnachtung nicht wahrgenommen zu haben.
Energisch wische ich seine Hand beiseite und versuche mich aufzurichten.
… alles dreht sich… ich fühle mich, als hätte ich ein paar Gläser zu viel intus… tja, Kati, da kann man nur hoffen, dass du morgen keinen Kater hast! …der Boden nähert sich in beängstigender Weise meinen Augen…
„Kati! Halt! Leg dich sofort wieder hin!“
Unsanft werde ich zurück auf den Boden gedrückt.
„Es tut mir so leid, Kati!“ Es tut ihm leid? Was tut ihm leid? Moment… bis jetzt hatte ich noch keine Möglichkeit darüber nachzudenken, WARUM ich eigentlich nicht mehr geradeaus gehen, geschweige denn stehen, kann! ER!
Wütend hole ich aus! Seine Hand greift blitzschnell nach meiner und lässt sie nicht mehr los.
„Stop! In deinem jetzigen Zustand ist das Risiko zu groß, dass du mir ein Auge ausstichst!“
Er zögert. Das selbstgefällige Grinsen verschwindet aus seinem Gesicht.
„Kati… ich… du… ach verdammt! Ich hab keine Ahnung, wie ich das jetzt sagen soll… Du musst mich für den größten Macho, Idioten, Loser, und was sonst noch unter der Sonne halten! Und das schlimmste ist: wahrscheinlich hat du recht! Gott, das hört sich jetzt wahrscheinlich bescheuert an! Aber ich… ich…“
Er ringt mit sich selbst. Plötzlich wird mir klar, welche Überwindung ihn dieses Gespräch kosten muss.
Vorsichtig streichen seine Finger über meinen Handrücken. Seine Stimme ist nur noch ein Flüstern…
„Dabei hatte ich nur Angst, dass du mich auslachst, wenn ich dir zeige, was du mir bedeutest!“
Zögernd, fast stockend nähert sich seine Hand meinem Kopf, vorsichtig streicht er mir meine Locken aus dem Gesicht.
Ein Schauer durchfährt mich. Stocksteif sitze ich auf der kalten Kirchentreppe und wage es nicht mich zu bewegen.
FEIND!
Aber irgendwie ist mir das auf einmal egal. Langsam beuge ich mich zu ihm hinüber und küsse ihn… und diesmal fühlt es sich absolut richtig an.
Markus strahlt mich an. „Kati… ich… ich…“
„Liebe dich?“, helfe ich ihm auf die Sprünge.
Er nickt, seine Ohren glühen.
Und endlich, wahrscheinlich das erste Mal in dieser Woche, bin ich es die lacht: „Jungs! Ungefragt Leute küssen können sie, aber „Ich liebe dich!“ ist zu viel!“
„Du musst zugeben, dass das auch ungleich schwieriger ist!“ Und diesmal beugt er sich zu mir hinüber…
Hinter uns ertönt Applaus. Grinsend kommt Jana die Treppen hinunter.
„Ich will euch ja nicht stören, aber es besteht die Gefahr, dass Hammerschmidt gleich einen Herzstillstand hat, wenn seine Hauptdarsteller nicht wieder auftauchen…“
Besorgt mustert mich Markus. „Geht es deinem Kopf gut oder soll ich dich nach hause bringen?“
„Mir geht es gut!“ Das fehlte noch! Entschlossen stehe ich auf und gehe in Richtung Kirche.
„Dann sollten wir Hammerschmidts Gesundheit nicht riskieren!“ Lächelnd legt er mir einen Arm um die Schulter. „Sonst könnte er auf die Idee kommen, dass wir für Hauptrollen nicht verantwortungsbewusst genug sind! Und das, wo er im Sommer „Romeo und Julia“ aufführen will!“
Lächelnd lehne ich meinen Kopf an seine Brust.
„Und du bist wirklich sicher, dass es dir gut geht? Nicht, dass du mich nachher noch mit Hammerschmidt verwechselst und versuchst ihn zu küssen! Ich glaube nicht, dass der arme Mann das überleben würde…“
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so, nachdem euch und mir mein erster text nicht so wirklich gefallen hat, hab ich noch was anderes versucht... ich weiß nicht, ob die krippenspielidee schon da war, aber ich kann euch garantieren, dass ich eure text noch nicht gelesen hab (versuch ich jetzt noch alles nachzuholen! also, wenn ihr einen kommi wollt, dann meldet euch bitte möglichst bald!)
wär supernett, wenn ihr mir eure meinung über meinen text schreiben könntet! *knuddel*
glg
ps: den titel hab ich jetzt einfach mal mangels Kreativität beibehalten, aber vllt hab ich noch ne bessere idee...
20.1.: der anfang ist größtenteils gleichgeblieben, das ende ist komplett neu:
-aus karl wurde antonia, damit keine unklarheiten mehr aufkommen, wieso nicht beide rausgeworfen werden
- nicole ist gestrichen
- aus kathy wurde kati (nochmal sry @cathy! mit c ist's wirklich besser und so spar ich mir jedesmal einen buchstaben! =)
- kati weint nicht mehr
- kein kerl ist mehr gezwungen "ich liebe dich" zu sagen!
- 9990 zeichen *stolz*
ok, ich weiß nicht wirklich, ob der text jetzt besser ist... wär nett, wenn ich mir da helfen könntet. thx und *knuddel* an alle kommischreiber!
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