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GRAVEMINDER

Bild von Nazena

Rebekkah kehrt in die Stadt Claysville zurück. Vor Jahren ist sie gewissermaßen geflohen: vor ihrer Familie, vor dem Selbstmord ihrer Schwester Ella, vor der Liebe zu Byron, Ellas Freund. Nach Ellas Tod kamen sie zusammen, doch Rebekkah wurde nicht mit ihren Schuldgefühlen fertig.
Jetzt wurde ihre Großmutter ermordet und Rebekkah fühlt den inneren Drang, die ganzen kleinen Rituale auszuführen, die diese durchführte: die Gräber zu pflegen, den Toten Nahrung und Alkohol zu bringen und auf dem Friedhof zu ihnen zu sprechen. Byron ist der Nachfolger seines Vaters und Totengräber, wodurch sich die beiden zwangsläufig wieder näherkommen.
Byron spürt, dass etwas nicht stimmt: an dem Mord und an der ganzen Stadt. Als sein Vater ihn endlich in das Geheimnis einweiht, kann er es nicht fassen. Doch es ist seine Pflicht als Undertaker den neuen Graveminder zu beschützen: Rebekkah, die sich um die Totenruhe zu kümmern hat- und darum, dass die Toten tot bleiben. Zusammen müssen sie ihre Stadt schützen und die Morde aufklären, sonst könnte es bald keine Menschen mehr geben, die Schutz nötig hätten...

Neben Vampiren, Werwölfen und diversen Schauergestalten hat Melissa Marr mit Graveminder gewissermaßen etwas Neues geschaffen. Man könnte die beschriebenen Wesenheiten in Graveminder als Zombies bzw. Geister klassifizieren, doch sie unterscheiden sich grundlegend von der zurzeit gängigen Horrorliteratur.
Graveminder ist eine romantische Mysterygeschichte. Zwar kommen einige Krimi- und eventuell auch Horrorelemente vor, aber ein Grundelement der Handlung ist die Beziehung zwischen Beks und Byron. Ich persönlich mag es nicht besonders, wenn Charaktere füreinander bestimmt sind und praktisch keine Wahl haben, aber jedem das seine.
Rebekkah und Byron werden als Charaktere zwar gut beschrieben, blieben mir aber trotzdem etwas fern. Byron akzeptiert sein Schicksal unerschütterlich, während Rebekkah sich zuerst unwissend schnell in ihre Rolle einfindet und trotzdem gegen Byron sträubt. Sobald sie die Hintergründe erfährt, ist sie plötzlich übermenschlich, voller Mitgefühl mit den "armen Toten" und verfällt vollends ihrer neuen Stellung. Auch wenn ein Grund dafür genannt wird, ging es mir doch bei beiden viel zu schnell.
Das Buch war aufgrund neuer Ideen interessant zu lesen. Man konnte nicht genau vorhersehen, was geschieht (auch wenn mir die Identität des Bösewichtes schon nach den ersten paar Kapiteln klar war) und weiß am Ende immer noch nicht, wer welches Spiel spielt und wer lügt. Es werden einige Fragen beantwortet, viele bleiben für die Fortsetzungen offen.
Was mich ein wenig störte: der Klappentext verrät praktisch das halbe Buch. Der Leser und die Charaktere werden lange im Ungewissen gelassen, was mir im letzten Fall völlig unverständlich ist. Einige Unbeteiligte kennen alle Hintergründe, aber Byron, der keine andere Wahl hatte, wird von seinem Vater praktisch ins eiskalte Wasser geschmissen und muss plötzlich ganz allein mit den ganzen Problemen fertigwerden, obwohl er zu Beginn keinen Schimmer von gar nichts hatte. Warum? Weil sein Vater ihn schützen wollte. Typischer Denkfehler sehr vieler Fantasyromane- mit einem solchen Verhalten schützt man die Kinder nicht, sondern bringt sie um.
Wegen oben genannter Schwächen gebe ich 4 von 5 Sternen, kann das Buch aber insgesamt weiterempfehlen, wenn man eine Weltgestaltung etwas abseits des Mainstreames lesen möchte, auch wenn die Liebesgeschichte sehr stereotyp ist.


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