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Edwards: Earth Girl

Bild von Nazena

Dank der Portaltechnik ist die Menschheit zu den Sternen aufgebrochen. Das Militär macht unbewohnte Planeten urbar, die schließlich von Siedlern kolonialisiert werden. Doch etwa einer von tausend hatte weniger Glück: ihr Immunsystem verträgt keine fremden Stoffe und sie müssen ihr ganzes Leben auf der Erde verbringen, wo mittlerweile fast nur noch "Behinderte" leben, die zwar von allen Welten großzügig unterstützt werden, doch allgemein als Affen, Neander oder schlichtweg Untermenschen angesehen werden.
Jarra ist solch ein "Affe" und voller Wut auf die Normalen (Exos). Sie will Historikerin werden und da es Vorschrift ist, dass alle Universitäten das erste Jahr im Geschichtsstudium auf der Erde verbringen müssen, schreibt sie sich nicht in einer Erden-, sondern in einer externen Uni ein. Während des Exodus ging ein großer Teil des Wissens der Menschheit verloren, welches jetzt mühsam und unter großen Gefahren aus den Ruinen der einstigen Großstädte geborgen werden muss.
Jarra hat bereits viel Erfahrung und will im Kurs akzeptiert werden, um schlussendlich allen im Kurs zu zeigen, dass ein Affe ebenfalls gute Leistungen erbringt und die anderen sie nicht als behindert erkannt haben. Doch sie verstrickt sich immer mehr in ihre Lügen und sie muss feststellen, dass sich nicht nur die Normalen mit ihren Vorurteilen gegenüber Behinderten falsch verhalten haben- sie hegt ebenfalls nur Vorurteile gegenüber den Exos...

Earth Girl hat mich positiv überrascht. Es ist eher ein All Age-Roman, spricht aber viele schwierige Fragestellungen an. Die Behinderten unterscheiden sich nur im Immunsystem von den Normalen, trotzdem spricht man ihnen Intelligenz ab und hält sie pauschal für minderbemittelt. Wer ein behindertes Kind zur Welt bringt, gibt es im Allgemeinen bei Hospital Earth ab und sehr viele Ehen zerbrechen, weil jeder dem anderen Partner die fehlerhaften Gene nachsagt. Außerdem gilt es als Schande innerhalb von Clans und Familien und wird häufig vertuscht, da die Eltern unter Umständen verstoßen werden können.
Die Menschen auf der Erde gehen unterschiedlich damit um: die meisten Kinder erhalten psychologische Betreuung und einen relativ hohen Unterhalt- sogar, wenn sie überhaupt nichts tun, keinen Job wollen und lieber den ganzen Tag auf dem Sofa liegen. Für die Kinder zuständig sind eine ProMum und ein ProDad, die sehr viel Verfügungsgewalt haben und jederzeit unter Berufung auf das Wohl des Kindes eingreifen können. Es gibt gute Ausbildungsmöglichkeiten in Geschichte und Medizin. In den Ausgrabungsstätten leben natürlich auch viele Teams von externen Universitäten, wobei die erfahreneren Historiker unter ihnen die Erdbewohner als Experten akzeptieren.
Das Buch ist spannend geschrieben und auch gut durchdacht. Man merkt, dass die Autorin viel über das System nachgedacht hat und sich auch mit den psychologischen Aspekten auseinandergesetzt hat. Als fast alle die Erde verließen, musste es zwangsläufig früher oder später zu einem Kollaps führen. Die Quote von 1 Behinderten auf 1000 Geburten fand ich allerdings sehr hoch: da die Menschen bereits viele verschiedene Sektoren und Planeten bevölkert haben, dürfte die Zahl der Menschheit insgesamt im mehrstelligen Milliardenbereich liegen. Bei den heutigen knapp 7 Mrd. Menschen wären es 7 Millionen Behinderte; auf der Erde sollten also immer noch sehr viele Menschen leben.
Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Zwar bleiben die meisten neben Jarra etwas schwach, mit Jarra selbst kann man aber gut mitfühlen. Sie fühlt sich verstoßen und will sich an den Normalen rächen, indem sie ihnen zeigt, dass sie als "Affe" mindestens genauso gut ist. Als sie später etwas zu sehr in ihrer Rolle aufgeht, kann man ihre Gründe nachvollziehen.
Insgesamt fühlte ich mich beim Lesen bestens unterhalten, ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.


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