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Die Kaiserin des blauen Lichts

Bild von Stephie89

Inhalt
Bipa und Aer leben in einer Welt aus Eis. Vor langer Zeit hat sich die Sonne, die keiner von Beiden je zu Gesicht bekommen hat, verzogen und eine neue Eiszeit verursacht. Die Menschen und einige wenige Tiere haben sich in Höhlen und Tunnel tief im Erdinneren verzogen und fristen dort ihr Dasein, geschützt vor den kalten Schneestürmen in der Außenwelt. Etwas anderes kennen die Menschen nur durch alte, überlieferte Erzählungen und Legenden, an die Bipa allerdings nicht glaubt.

Aer jedoch glaubt an all diese Legenden, zumal sein eigener Vater nicht zu den Höhlenmenschen gehörte und einst von weit her gekommen ist, ehe er wieder verschwand und nie mehr gesehen wurde. Die restlichen Höhlenbewohner sind fest davon überzeugt, dass Aers Vater draußen in der Kälte erfroren sein muss. Aer und seine Mutter glauben aber, dass er einfach dorthin zurückgekehrt ist, wo er her kam. Es muss also doch noch etwas anderes geben, ein Leben außerhalb der Höhlen. Er glaubt auch an die Legende vom Ätherischen Reich und seiner Kaiserin, wo die Menschen angeblich niemals frieren oder Hunger leiden. Aer ist sich sicher, dass diese Legende wahr ist und eines Tages macht er sich plötzlich auf den Weg dieses Reich zu finden.

Nachdem ein Suchtrupp erfolglos mehrere Stunden im Schneesturm nach Aer gesucht hat, wird er für Tod erklärt. Doch das ist er nicht und er kommt noch einmal wieder um Bipa zu beweisen, dass die Höhlen nicht der einzige Ort zum Leben sind. Dies war jedoch der einzige Grund, warum er überhaupt noch einmal zurückgekommen ist. Er bleibt nicht lange und macht sich erneut auf den Weg. Bipa fühlt sich schuldig, weil sie sich nicht genug bemüht hat ihn davon abzuhalten und macht sich allein auf die Suche nach ihm. Sie ist fest entschlossen Aer zu finden und ihn nach Hause zurück zu bringen, ob er will oder nicht …

Kritik
Die Kaiserin des blauen Lichts ist eine spannende, fesselnde und vor allem abwechslungsreiche Abenteuergeschichte, die aus der Masse anderer Jugendbücher heraus sticht.

Die Welt, die Laura Gallego Garcia erschaffen hat, steckt voller Überraschungen und es macht Spaß sie zu entdecken. Zu Beginn ist die Handlung noch sehr realistisch, die Fantasy-Elemente kommen erst im späteren Verlauf zum Zuge.

Bipa, Aer und die anderen Höhlenbewohner leben ihr Leben fast vollständig in den Höhlen und Tunneln um vor der Kälte geschützt zu sein. Nach draußen gehen sie nur äußerst selten. Sie leben von Pflanzen, die sie in den Höhlen finden bzw. anbauen können und kleinen Tieren, die sie dort ebenfalls hüten. Ab und an gehen die Erwachsenen auch tiefer in die Erde hinein um dort zu jagen, wohin sich die größeren Tiere und Insekten zurückgezogen haben. Jeder hat eine bestimmte Aufgabe, die er erfüllen muss. Bis auf Maga, die Schamanin, Heilerin und Älteste des Dorfs, kennt auch niemand etwas anderes, außer aus Erzählungen und Legenden.

Bipa ist sehr pragmatisch veranlagt. Sie glaubt nicht an die Legenden und Märchen. Sie hält sich sehr an die Realität und glaubt nur an das, was sie mit ihren eigenen Augen sieht. Für sie muss immer alles einen Nutzen haben. So kann sie auch nicht verstehen, warum jemand etwas herstellt, was nur hübsch aussieht, aber eben sinnlos ist.
Ihre Ansichten vertritt sie auch immer sehr direkt und sagt immer was sie denkt, auch Aer gegenüber, dem sie häufig klar macht, dass seine Ideen sinnlos oder sogar dumm sind.

Seinen Glauben an die Legenden, insbesondere die des Ätherischen Reichs und seiner Kaiserin, kann sie ihm jedoch nicht nehmen. Aer ist überzeugt davon, dass es mehr im Leben geben muss als die Höhlen und von klein auf hat er immer wieder gesagt, dass er dieses Leben eines Tages hinter sich lassen würde.

Zwischen ihm und Bipa, die nach einem Streit aus Kindertagen jahrelang kein Wort mit Aer gewechselt hat, entwickelt sich dennoch langsam eine Art Freundschaft. Solange Aer sie nicht von den Arbeiten abhält, die sie für wichtig hält, hört sie sich seine Fantasien immer geduldig an und sagt ihm ehrlich ihre Meinung, was er sehr an ihr schätzt.

Genau aus diesem Grund fühlt sich Bipa schließlich auch so schuldig und verantwortlich nach Aers zweitem Verschwinden. Die anderen Dorfbewohner wollten immer, dass Bipa ihn wieder zur Vernunft bringt und ihm sein Vorhaben ausredet. Sie hat das jedoch immer abgelehnt, weil sie Aer nicht zu sehr ins Herz schließen wollte, nur um ihn dann wieder zu verlieren.

Da niemand außer ihr Vater, der sich allerdings um Aers arme Mutter kümmern soll, bereit ist Aer zu suchen und dabei vermutlich sogar das eigene Leben zu riskieren, nimmt Bipa sich dieser Aufgabe an. Sie will ihn finden, ihm Vernunft einprügeln und ihn zurück nach Hause bringen, wo er hingehört. Dass sie noch mehr Gründe für die Suche nach ihm hat, weiß Bipa noch nicht oder will es sich zumindest noch nicht eingestehen.

Gut ausgerüstet macht Bipa sich also auf den Weg um Aer zu finden. Dabei muss sie nicht nur Schneestürme und lange Fußmärsche überstehen, sondern sich auch mit anderen Lebewesen auseinander setzen, von dessen Existenz sie bisher nicht einmal etwas geahnt hatte. Sie trifft auf ihrer Reise auf viele verschiedene Menschen, von denen fast alle den Wunsch haben zur Kaiserin des Ätherischen Reichs zu gelangen. Dazu muss man sich allerdings Wandeln, d.h. man muss sich Stück für Stück in einen Ätherischen verwandeln, also alle körperlichen Bedürfnisse und schließlich sogar den Körper selbst ablegen, damit man nicht mehr Sklave seiner Körperlichkeit ist. Dadurch können sie ewig weiter leben, verzichten aber, zumindest laut Bipa, auf alles, was das Leben erst lebenswert macht.
Im Gegensatz zu all diesen Menschen hat Bipa jedoch kein Interesse daran sich zu wandeln, wodurch sie auf Unverständnis, Ablehnung und sogar Feindseligkeit trifft. Sie möchte einfach nur Aer finden, ohne immer dünner, blasser oder gar durchsichtig zu werden. Sie versucht deshalb sich auf eigene Faust durchzuschlagen.

Das ist allerdings weit schwieriger als sie es sich vorgestellt hat und sie muss einen weiteren Weg gehen, als sie es je gedacht hätte, denn Aer ist schnell, und er wandelt sich.
Einen großen Teil der Strecke wird Bipa von einem Golem aus Schnee begleitet, den sie versehentlich zum Leben erweckt hat. Dies war aber ein großes Glück für sie, denn der Schneeriese, den sie schließlich Nevado tauft, rettet sie mehr als einmal aus einer gefährlichen Situation.

Bipas abenteuerlicher und beschwerlicher Weg ist aufregend und fesselt den Leser an die Seiten. Sie trifft interessante, aber auch gefährliche Menschen bzw. Lebewesen, die ihr nicht alle wohl gesonnen sind. Immer, wenn sie Aer ein Stück näher kommt, entfernt er sich wieder von ihr, wodurch die Spannung konstant aufrechterhalten wird. Mehrmals ist Bipa kurz davor aufzugeben, schöpft dann aber neuen Mut und neue Kraft, bis sie irgendwann schon so weit gekommen ist, dass sie einfach nicht mehr umkehren kann. Außerdem sorgt auch ein sehr trauriges und bewegendes Erlebnis noch einmal zusätzlich dafür, dass Bipa nun eigentlich gar keine andere Wahl mehr hat als ihr Ziel zu erreichen.
Des Weiteren entdeckt Bipa zum Schluss auch endlich den wahren Grund für ihre Reise und wird sich endlich ihrer Gefühle bewusst.

Der tolle Schreibstil trägt ebenfalls dazu bei, dass man die Handlung bis zum Schluss gebannt verfolgt und die Einstellung Bipas, dass sie stolz auf ihren Körper ist und nicht nur aus Haut und Knochen bestehen will, könnte man außerdem durchaus als Kritik an dem wachsenden Magerwahn interpretieren.

Lediglich das Ende ist ein wenig kritikwürdig. Es kommt ein bisschen zu schnell und überrumpelt den Leser fast. Außerdem wäre mehr Erklärung nötig gewesen um alles zu verstehen. So bleiben schließlich leider einige Fragen ungeklärt, wie z.B. was es nun tatsächlich mit der Kaiserin auf sich hatte, auf die man wohl nie eine Antwort erhalten wird.

Fazit
Die Kaiserin des blauen Lichts ist eine außergewöhnliche Fantasy-Geschichte, die einen auf eine abenteuerliche und spannende Reise mitnimmt, auf der man die verschiedensten Orte und Kreaturen kennen lernt, mit der Protagonistin mitfiebert und gebannt verfolgt, wie sie versucht ihr Ziel zu erreichen.
Nur das Ende ist nicht ganz zufrieden stellend, denn es fehlt an Erklärungen, sodass sich einige Zusammenhänge dem Leser nicht vollständig erschließen.


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