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Die Liebesangst

Bild von Stephie89

Inhalt
Die 38-jährige Ingunn ist sich ganz sicher, wie ihr Leben aussehen soll und dass es auch genauso ist, wie sie es will. Am wichtigsten ist ihr dabei, dass sie über alles die absolute Kontrolle hat, sowohl beruflich als auch privat. In ihren Beziehungen, die niemals allzu lange andauerten, äußert sich das vor allem daran, dass stets sie es ist, die den Mann verlässt, meistens per Telefon. Selbst wenn sie Gefühle für ihren Partner entwickelt hat oder ihn sogar liebt, kommt irgendwann der Moment, in dem sie mit ihm Schluss macht. Und das nur, um sicher zu gehen, dass sie auf keinen Fall von ihm verlassen werden kann, ob es dafür schon Anzeichen gibt, oder nicht.

Ihre Angst verlassen zu werden und als sitzen gelassene Frau betrachtet zu werden, sorgt schließlich dafür, dass Ingunn gar nicht erst richtige neue Beziehungen eingeht, sondern nur noch flüchtige Bekanntschaften zum Sex hat. Fast jede Nacht schläft sie, ohne Kondom, mit einem anderen Mann, den sie entweder irgendwo, z.B. während einer Geschäftsreise, kennen gelernt oder sich in einem Internetforum gesucht hat.

Genauso möchte die Musikjournalistin ihr Leben auch weiterhin führen: unbeschwert, frei und ohne Verpflichtungen. Im Gegensatz zu den anderen Frauen ihres Alters, insbesondere ihren Arbeitskolleginnen, fühlt sie sich nicht einsam, sondern genießt es, selbst über ihr Leben und ihren Alltag bestimmen zu können. Bis sie schließlich einem Mann begegnet, der eigentlich so gar nicht in ihr Beuteschema passt, der ihr aber einfach nicht mehr aus dem Kopf geht …

Kritik
Liebesangst ist ein ganz und gar anderes Buch, als das deutsche Cover und auch der Titel es zunächst vermuten lassen. Während diese beiden Elemente eine Liebesgeschichte suggerieren, sollte man es wohl eher als Erotikroman einstufen. Es geht zwar auch ein wenig um Liebe, aber dominiert wird die Handlung vor allem von den diversen Sexszenen.

Die Protagonistin Ingunn könnte man eigentlich schon als Nymphomanin charakterisieren. Während ihrer Phasen des sexuellen Auslebens, wie sie es selbst nennt, ist Ingunn nahezu jede Nacht mit einem anderen Mann im Bett. Dabei zieht sie, wie sie ebenfalls selbst sagt, jeden Mann ab 18 Jahren als potenziellen Sexualpartner in Betracht und ist auch sonst nicht allzu anspruchsvoll, vom Aussehen einmal abgesehen. Sie sucht sich die Männer in der Stadt oder noch lieber in verschiedenen Internetforen und Dating-Portalen, bei denen sie angemeldet ist. Hinzu kommt, dass sie grundsätzlich mit jedem dieser Männer Sex ohne Kondom hat, weil sie diese nicht ausstehen kann. Um nicht schwanger zu werden, hat sie sich eine Spirale einsetzen lassen, an Geschlechtskrankheiten denkt sie nicht so sehr. Außerdem hat sie beim Geschlechtsverkehr mit den unterschiedlichen Partnern das starke Bedürfnis, all ihre früheren Geliebten auszustechen.

Sie fühlt sich wohl, allein und in ihrer eigenen Wohnung, wo sie machen kann, was immer sie will. Sie kann auch überhaupt nicht nachvollziehen, wie ihre Arbeitskolleginnen mit deren Ehemännern zusammen bleiben können, wenn ihre Beziehung zur Gewohnheit geworden ist oder sie nur noch selten Sex haben. Für Ingunn gibt es eigentlich nichts Wichtigeres als Sex und jede Menge Abwechslung.

Das ändert sich erst langsam, als Ingunn dem Alleinerziehenden Tom zufällig begegnet und sich irgendwie in ihn zu verlieben scheint. Obwohl er so gar nicht wie die Männer ist, mit denen sie sonst verkehrt, kann sie ihn und sein Verhalten gegenüber seiner Tochter nicht mehr vergessen. Anfangs versucht sie mit aller Macht diese aufkeimenden Gefühle zu verdrängen, weil sie ihr bisheriges Single-Sex-Leben um keinen Preis ändern will. Doch mit der Zeit beginnt auch sie sich ein kleines bisschen nach Beständigkeit und Zweisamkeit zu sehnen und fragt sich, ob sie wirklich glücklich ist oder ihr nicht doch irgendetwas fehlt.

Damit ist Ingunn eine recht außergewöhnliche, aber auch interessante Figur, wenn man sich erst einmal an ihren ungewohnten Lebensstil gewöhnt hat. Wirklich verstehen oder sich gar mit ihr identifizieren, kann man sich allerdings nicht, sofern man nicht ein ähnliches Leben führt oder ihre diversen Ansichten über Männer und Sex teilt. Ihr Job als Musikjournalistin und ihre damit verbundenen Geschäftsreisen liefern dagegen jede Menge interessante Infos über diverse Musiker.

Zu Beginn des Romans geht es zunächst um Ingunns Vergangenheit, also ihre kurzen Beziehungen und Affären oder One-Night-Stands, die ihr besonders in Erinnerung geblieben sind. Die Sexszenen werden dabei jeweils recht detailliert beschrieben. Die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund und ihre Sprache kann man daher stellenweise durchaus als vulgär beschreiben. Einige Beschreibungen sind dagegen wirklich schwer vorstellbar, wie z.B. „Nie wieder würde sie […] spüren, wie seine Gesäßmuskeln auf und ab federten, als wären sie gefüllt mit kräftigen kleinen Tieren, die mit hängender Zunge keuchten.“
Die sehr kurz gehaltenen Kapitel sorgen dafür, dass die Handlung niemals langatmig wird oder Langeweile aufkommt.

Wenn man das gesamte Buch verstehen möchte, sind außerdem Fremdsprachenkenntnisse erforderlich. Ganze, teilweise sogar seitenlange, Dialoge sind an manchen Stellen auf Englisch, ohne jede Übersetzung. Für Leute, die der englischen Sprache mächtig sind, stellt das kein Problem dar. Davon kann man aber nicht immer ausgehen und Menschen, die nur geringe oder vielleicht sogar gar keine Englischkenntnisse haben, können der Handlung an diesen Stellen dann nicht folgen. Letzteren könnte dadurch die Freude an dem Buch stark getrübt werden.

Etwas verwirrend ist es ferner noch, dass es an einigen Stellen, wenn es um Ingunns Auto geht, so klingt, als würde es von selbst fahren und nicht etwa von ihr gesteuert werden: der Audi kennt den Weg, er hält, etc. Das könnte aber auch an der Übersetzung liegen.

Fazit
Insgesamt ist Liebesangst zwar kein schlechter, aber auf jeden Fall ein gewöhnungsbedürftiger Roman, der vermutlich nicht jedem Geschmack entspricht. Anne B. Ragde hat mit Ingunn eine sehr außergewöhnliche Protagonistin geschaffen, deren Lebensstil nicht unbedingt nachvollziehbar, aber durchaus interessant ist und somit für einige vergnügliche wie verblüffte Lesestunden sorgt.


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