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Sternwanderer

Bild von Stephie89

Inhalt
In England gibt es einen Ort namens Wall, benannt nach der hohen, großen Steinmauer östlich des Dorfes. In dieser Mauer gibt es eine Lücke, die permanent von zwei Wächtern aus dem Dorf Wall bewacht wird, denn diese Lücke ist der einzige Zugang zum Land hinter der Mauer: dem Feenland.
Nur einmal alle neun Jahre, wenn ein großer Markt auf der anderen Seite der Mauer stattfindet, werden Leute durch die Lücke gelassen. Ansonsten ist es niemandem erlaubt, diese Grenze zu überschreiten.

Genau das muss Tristran Thorn jedoch tun, damit seine Angebetete Victoria Forester ihm einen Wunsch erfüllt. Er soll ihr den Stern bringen, den sie eines Nachts gemeinsam haben fallen sehen und jener Stern ist weit hinter der Mauer hinunter gefallen.
Victoria hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass Tristran dies tatsächlich tun würde. Er hingegen macht sich sofort auf den Weg um den Stern zu suchen, zu finden und ihn zu ihr zu bringen. Mit der Hilfe seines Vaters schafft er es auch problemlos über die Mauer. Damit fangen die Schwierigkeiten allerdings erst an, denn der Weg ist weit und Tristran ist nicht der einzige, der den gefallenen Stern sucht. Außerdem birgt das Feenland viele magische Wesen und verschiedene Gefahren, denen Tristran sich auf seinem Weg stellen muss.

Durch die freundliche Hilfe verschiedener kleinerer oder größerer Wesen gelingt es ihm schließlich den Stern zu finden. Dieser ist jedoch kein lebloser Stein oder ähnliches, wie Tristran irrtümlicherweise angenommen hatte, sondern ein lebendiges Wesen, das nicht im Geringsten die Absicht hat, Tristran bei seinem Vorhaben zu unterstützen …

Kritik
Sternwanderer gibt dem Leser viel Zeit sich mit der Welt, in der die Geschichte spielt, vertraut zu machen. Zu Beginn beschreibt Neil Gaiman den Ort Wall und was es damit auf sich hat. Danach erfährt man erst einmal etwas über die Vorgeschichte von Tristran, nämlich wie sein Vater einmal im Feenland mit einem Mädchen zusammen war und neun Monate später ein Baby durch die Maueröffnung geschoben wurde.

Tristran selbst hat, trotz der Gerüchte über ihn im Dorf, zunächst nicht die leiseste Ahnung von seiner wahren Herkunft und hält die Frau seines Vaters für seine Mutter. Auch als er nach dem Gespräch seines Vaters mit den Wachen einfach durch die Mauer gelassen wird, ahnt er noch nicht, was sich dahinter verbirgt. Erst im Feenland merkt er mit der Zeit, dass er sich dort erstaunlich gut zu Recht findet und sich den Bewohnern dort irgendwie mehr verbunden fühlt, als den Einwohnern Walls.

Tristran Thorn ist eine liebenswerte und sympathische Figur, er ist aber, vor allem zu Anfang, auch sehr naiv. Für seine Geliebte Victoria würde er nahezu alles zu tun und bringt sogar sein Leben in Gefahr, ohne zu merken, dass sie nicht annähernd das gleiche für den von ihr nur so genannten Ladenjungen empfindet.
Auf der Suche nach dem Stern beweist er jedoch auch großen Mut und setzt schließlich sogar sein Leben aufs Spiel um Yvaine, den gefallenen Stern, zu retten.

Yvaine bzw. die Sternenfrau ist eine besonders interessante Figur. Allein die Idee, dass ein Stern keine Gaskugel, sondern ein sprechendes, menschlich aussehendes Wesen ist, das nachts auf die Menschen hinab schaut, ist sehr originell. Auch Tristran ist mehr als überrascht, dass es sich bei dem Stern um ein Mädchen wie Yvaine handelt.
Yvaine hingegen ist verständlicherweise weder von ihrem Sturz, bei dem sie sich auch noch das Bein gebrochen hat, noch von Tristrans Plan sie zu Victoria zu schaffen begeistert. Dass Tristran sie auch noch mit einer silbernen Kette an sich bindet, hebt ihre Laune natürlich nicht gerade an. Es ist also nicht verwunderlich, dass Yvaine bei der ersten Gelegenheit flieht.
Nachdem Tristran ihr jedoch das Leben rettet, ändert sich langsam ihr Bild von ihm. Er ist zwar immer noch naiv und blind vor Liebe, aber er hat ein gutes Herz und kommt ihr zur Rettung, obwohl sie ziemlich gemein zu ihm war. Von da an bleibt sie bei ihm, weil sie ihm deswegen zu großem Dank verpflichtet ist.

Auf ihrer gemeinsamen langen Reise durch das Feenland und zurück nach Wall, bei der sie sowohl Piraten als auch Hexen begegnen und viel zusammen durchmachen, entwickeln sie langsam Gefühle füreinander. Tristran bemerkt dies jedoch, im Gegensatz zu Yvaine, erst, als er Victoria wieder gegenüber steht.

Die Reise der Beiden ist an sich zwar durchaus interessant, aber leider nicht allzu spannend. Viele Probleme lösen sich entweder in Luft auf oder werden noch aufgeklärt, bevor es brenzlig werden kann. So gibt die Lilim, die Yvaine das Herz herausschneiden wollte um wieder jung zu werden, nach dem ersten Fehlversuch ziemlich schnell auf und taucht danach nur noch einmal am Ende kurz auf. Das gleiche gilt für die Tatsache, dass Yvaine die Mauer nach Wall nicht überschreiten darf, wenn sie nicht zu einem leblosen Stern werden will. Diese Information, die dem Leser schon bekannt ist, erhält Yvaine schon bevor sie sich über die Mauer begeben will, anstatt es etwas spannend zu machen und es ihr erst mitzuteilen, kurz bevor es zu spät ist. Dadurch gehen viele potenziell spannende Momente leider verloren.

Schade ist auch, dass Tristran der Sternenfrau Yvaine erst nach knapp der Hälfte des Buches begegnet. Dass die Beiden sich lieben kommt für den Leser ebenfalls etwas überraschend. Man hat eher das Gefühl, dass sie sich aneinander gewöhnt haben und Freundschaft füreinander empfinden.

Da sich die Probleme, wie schon erwähnt, von selbst erledigen, fehlt es auch an einem richtigen Höhepunkt, sodass das Ende ein bisschen vor sich hin plätschert. Tristran erfährt einfach noch, was es mit seiner Herkunft genau auf sich hat und lernt auch seine Mutter endlich kennen.
Im Epilog wird dann noch darauf eingegangen, wie es mit Tristran und Yvaine schließlich weiter geht und wie sie ihre restliche Zeit miteinander verbringen.

Das Ende des Buches ist also leider nicht so spannend, actionreich und romantisch wie in der gleichnamigen Verfilmung. Die Änderungen, die in diesem Fall vorgenommen wurden, sind also durchaus positiv zu bewerten.

Nichtsdestotrotz besticht Sternwanderer durch die originelle Handlung und die einzigartige Geschichte. Neil Gaimans flüssiger Schreibstil trägt ebenfalls zum Genuss der Geschichte bei und sorgt für ein paar interessante Lesestunden.

Fazit
Insgesamt ist Sternwanderer zwar nicht das spannendste Buch, aber dennoch ein schönes. Es macht Spaß die Welt zu erkunden, die Neil Gaiman sich für seine Geschichte ausgedacht hat, und seine originellen Ideen zu bestaunen. Der detaillierte Schreibstil, die schönen Beschreibungen und die liebenswürdigen Charaktere machen dieses Buch schließlich zu einem Roman, den man wirklich gern gelesen hat.


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