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*no name* Prolog

Bild von Luciax3

Vorab; Ja das Ding hat keinen Namen o: und ich wusste nicht wirklich welche Genre es ist oder noch werden könnte o.o Ich mag die Story, weiß aber nicht ob ich weiter schreiben werde, als sie momentan ist. Ich würde mich sehr über Meinungen und Verbesserungsvorschläge freuen.
Ich hab schon recht weit geschrieben, also werden wohl demnächst weitere Teile folgen :3
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Etwas lag in der Luft.
Es stank geradezu nach Veränderung. Und zwar wortwörtlich. Es roch nach Schinken, Spiegelei und frischem Orangensaft.
Ein Blick auf den Kalender bestätigte mein mulmiges Gefühl. Freitag. Natürlich war es Freitag. Gestern war mein gottverdammter, sechzehnter Geburtstag gewesen. Aber manchmal verließ mich einfach das Zeitgefühl. Eingesperrt zu sein ist nicht schön, aber ich sperrte mich selbst ein, also konnte ich mich nicht beklagen. Das einzige, was mir gezeigt hatte, dass zwei Jahre vergangen waren, war der Blick aus dem Fenster. Ich wuchtete mich gerne auf die Nische vor meinem Fenster und starrte auf die Straße, sah zu wie sich Liebespärchen trafen, Hundebesitzer mit ihren Tieren Gassi gingen und wie ach so wichtige Menschen hitzig telefonierend die Straße entlangeilten.
Ich sah wie sich die Blätter der Birkenallee im Herbst rostig verfärbten und zu Boden tanzten. Ich sah wie der Schnee sich im Winter sanft auf ihre kahlen Äste legte. Ich sah wie im Frühling die Knospen hoffnungsvoll sprossen und wie im Sommer die Blüten, eine schöner als die andere, sich öffneten.
Zweimal. Zwei Jahre lang. Vor einem Monat war ich das letzte Mal draußen gewesen. Weil Anna mich gezwungen hatte. Also war ich durch die Straßen gerollt und hatte ihr ein verdammtes Brot gekauft. Wegen einem Brot, hatte sich mich raus in die Kälte geschickt. Ich war den neugierigen, mitleidigen und vor Allem den verächtlichen Blicken ausgeliefert gewesen. Verdammt ich hatte nicht einmal das Wechselgeld von der Theke nehmen können, weil das meine Größe nicht zuließ! Dabei war ich überhaupt nicht klein. Gut, vielleicht war ich etwas kleiner als der Durchschnitt, aber nicht so groß, wie ein Grundschulkind.
Doch der süße Geruch von Pfandkuchen riss mich aus den Gedanken. „Willst du mich verarschen, Anna?“, knurrte ich wütend und wuchtete mich auf mein Gefährt. Die Räder hinterließen Schleifspuren auf dem Echtholz. Aber das machte eigentlich nichts, denn der Boden war sowieso total verzerrt. Unter größten Anstrengungen gelangte ich schließlich in die große Wohnküche. Oh wie ich sie hasste. Anna konnte sich keine Dreizimmerwohnung leisten, also war die Küche das Zentrum der Geschehnisse. Allerdings war sie durch meine nicht vorhandene Aerodynamik nicht sehr praktisch. Ich rollte mich an den lieblich gedeckten Tisch und betrachtete missmutig, wie Anna gutgelaunt an der Küchenzeile herumhantierte.
Womit hatte ich so einen Aufwand verdient? Gestern war mein Geburtstag gewesen oder hatte ich das geträumt? Seit wann klatschte sie mir nicht einfach eine Schüssel Musli vor die Nase, sondern bereitet ein ausgiebiges Frühstück vor?
Leicht genervt beäugte ich Anna, wie sie ein brutzelndes Spiegelei auf meinem Teller platzierte. Sie selbst schaufelte sich einen Berg Schinken auf und setzte sich. „Guten Morgen.“, begrüßte sie mich geradezu euphorisch. Doch – offensichtlich – gab es nichts Euphorisches zu sehen, dazu musste sie nur mal an mir runter schauen.
„Und? Gut geschlafen?“ Übermütig spießte sie sich ihr Frühstück auf und mamfte gutgelaunt drauf los. Ich antwortete ihr nicht. Vielleicht hatte ich ja das Sprechen verlernt, so wie ich das Laufen verlernt hatte. Doch von meinem Schweigen ließ sie sich nicht beirren und ich war nicht darauf aus nach ihrer guten Laune zu fragen und am Ende womöglich noch eine Konversation mit ihr zu führen, also aß ich einfach mein Ei und zwei Scheiben Toaste, um diese leckere Kombination mit frischem Orangensaft runter zu würgen.
Die Pfandkuchen wurden weder von mir, noch von ihr angerührt.
Wir schwiegen uns an. Ich frostig, Anna grinsend und mit wippendem Blondschopf.
Alles an ihr war schön. Ihre Nase war gerade und nicht so spitz wie bei mir. Ihre Lippen waren geschwungen und meinen im Vergleich zu ihnen geradezu eckig. Sie hatte grüne Augen und lange Wimpern, meine waren langweilig braun, von meinen Wimpern ganz zu schweigen. Außerdem waren meine Augen von einer großen, schwarzen Brille umrahmt.
Vor allem hatte sie diese wahnsinnigen Haare. Sie waren lang, gepflegt, hatten eine Farbe wie von der Sonne geküsst und, das war das schönste an ihnen, es waren schöne große Locken, die fröhlich auf und ab wippten.
Früher hatte ich genau die gleichen Haare gehabt und jetzt waren sie hellbraun und nur leichte Wellen erinnerten an die vergangene Zeit mit niedlichen Löckchen.
Ach ja. Und nicht zu vergessen ihre Beine; lang, schlank und vor Allem: bewegungsfähig.
Nur ihre Oberweite war wie meine nicht gerade beachtlich. Aber sogar in dieser Hinsicht war Anna mir überlegen.
Hinzu kam, dass sie größer war. Und zwar auch, wenn ich nicht ab der Hüfte in einen Stahlkäfig gesperrt wäre.
„Ähm… ich hoffe du hast heute nichts vor?“, setzte sie zögernd, aber immer noch fröhlich an.
Wut stieg in mir auf. Natürlich hatte ich was vor! Als Krüppel durch ganz Hamburg zu rollen und die mitleidigen Blicke zu sammeln? Klang das denn verlockend? Ich würde nie wieder auf die Straße gehen, nie wieder! Außerdem war ich nicht gerade darauf aus alte Bekannte zu treffen. Immer wenn Anna mich nach draußen schickte hatte ich Angst einen von ihnen zu begegnen. Am Anfang waren sie mich immer besuchen kommen, aber ich hatte abgeblockt und mich von ihnen abgewandt, solang bis sogar mein Freund mich verlassen hatte. Ja, Dennis war ein Idiot der besonderen Klasse gewesen.
„Kommt denn jemand?“, fragte ich uninteressiert. Vielleicht ließ Nele sich mal wieder Blicken? Eigentlich war sie ja meine beste Freundin gewesen, aber nach dem Unfall hatte sie sich verändert. Wie eigentlich alle. Immer wenn sie bei mir war, sah sie bedrückt aus. Sie wollte mich nicht mehr berühren und fühlte sich sichtlich unwohl. Und das machte mich rasend. Also hatte ich sie angeschrien und ihr klargemacht, dass ich ihr Mitleid und ihre Zwangsbesuche nicht brauchte. Dann war sie endlich abgehauen und hatte sich nur ab und zu blicken lassen. Zu meinem Geburtstag allerdings nicht. Da war aber auch nichts Großartiges passiert. Ich hatte die verdammten Geschenke ausgepackt. Im letzten Päckchen hatte sich eine schweineteure Hose befunden. Dunkel und eng geschnitten und aus einem angenehmen Stoff. Doch ich konnte mich über so etwas nicht freuen. Ich hasste es. Anna, wie mich provozierte, mir so etwas schenkte und entweder einfach zu dumm war, um zu bemerken, wie sehr mich so etwas verletzten konnte oder einfach wie so oft keine Rücksicht auf meine Gefühle nahm und mich einfach nur noch aus der Wohnung schaffen wollte. Das hatte mich auf die Palme gebracht. Anna und ich hatten gestritten, ich hatte mich im Zimmer eingeschlossen, geheult, geschrien und gehört wie sie stundenlang telefonierte.
„Ja“, sagte sie und nahm einen Schluck Kaffee. „Ähm.. ich hab einen neuen Betreuer engagiert.“
Die Wut raubte mir alle Sinne. Zornig versuchte ich Luft zu bekommen, doch das atmen fiel mir schwer. Etwas legte sich auf meine Lunge und drückte langsam, aber bestimmt, zu. Vor meinen Augen begann es zu flimmern und je länger es anhielt, desto stärker wurde der Druck. Ich wollte sie anschreien und ihr ordentlich die Meinung geigen, aber ich bekam es einfach nicht hin einen anständigen Satz zu formulieren.
„Ich…“, setzte ich an, schloss die Augen und holte zitternd Luft. Nicht vergessen zu atmen, nicht vergessen zu atmen. In meinem inneren Auge sah ich schon wieder einen dieser unausstehlichen Menschen, die so taten, als ob ich sie was kümmern würde. Ältere Leute die auf pseudo cool machten. Mich womöglich noch raus brachten. Meine Schläfen fingen an zu pochen und in meinem Bauch krampfte sich unangenehm zusammen. „Ich hasse dich!“, schrie ich aus voller Seele und so schnell wie möglich rollte ich in den Flur.
„Was?“, fragte Anna leise.
„Ich hasse dich, du hast es doch gehört!“, schrie ich zornig.
Ich wollte Türen zuschmeißen.
Ich wollte auf den Boden stampfen.
Ich wollte Dinge umstoßen.
Ich wollte auf die Straße rennen und erst nachts wieder nach Hause kommen.
Doch das konnte ich nicht. Meine Hilflosigkeit verwandelte sich wie immer innerhalb weniger Sekunde in unbändige Wut.
Wenigstens schaffte ich es, die Tür zuzuknallen. Aber es war keine Genugtuung. Ich kam mir kindisch und klein vor. Verletzlich und unwürdig.
Ich schaffte es auch die Tür zu meinem Zimmer dramatisch zuzuschlagen, abzuschließend und mich auf das Bett zu schmeißen. Ich schaffte es auch heulend immer wieder in das Kissen zu schreien. Ich schaffte es mich zu bemitleiden und gleichzeitig angewidert in meine Beine zu kneifen.
Aber ich schaffte es nicht sie in Bewegung zu setzen oder etwas zu fühlen.


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