Teil 6

Bild von Rahab

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Die letzte Woche Sommerferien ist rasend schnell vergangen und plötzlich ist es Montagmorgen. Kurz überlege ich, ob ich irgendeine Krankheit vortäuschen sollte, um nicht in die Schule zu müssen, verwerfe den Plan aber aus zwei Gründen wieder.
1. Würde ich irgendwann sowieso hingehen müssen und dass ich viel
Zeit haben würde mir das Schlimmste auszumalen, würde es auch
nicht besser machen und 2. würde Pa mich garantiert durchschauen.
Also versuche ich das Beste aus der Situation zu machen.
Stundenlang stehe ich vor meinem Kleiderschrank und überlege, was ich anziehen soll. Okay, es sind höchstens 10 Minuten, aber „stundenlang“ klingt einfach besser, oder etwa nicht?
Ich stehe also stundenlang vor meinem Kleiderschrank und überlege was ich anziehen soll. Immerhin ist es eine sehr wichtige Entscheidung.
Alle würden mich beurteilen und zwar erst einmal nach meinem Äußeren.
Das heißt, dass ich mir genau überlegen muss, wie ich rüberkommen will.
Streberhaft und nuttig scheiden auf jeden Fall schon mal aus.
Letztendlich entscheide ich mich für „cool“, oder für das, was ich darunter verstehe.
Ich ziehe meine Jeans Hotpants und dazu ein knallgrünes Tanktop an.
Weiße Ballerinas und mittelgroße Kreolen machen das Outfit perfekt.
Dann sind meine Frisur und mein Make-up an der Reihe.
Ratlos stehe ich vor dem Spiegel.
Mit meinen langen, braunen Locken und den braunen Bambiaugen komme ich, genauso wie Lolli eher nach Ma.
Pa hat blonde Haare und blaue Augen. Er sieht aus, wie Leon, nur in alt.
Angestrengt überlege ich, was ich mit meinen Haaren machen soll.
Wenn ich sie offen lasse, schwitzte ich mich wahrscheinlich halb tot und wenn ich mir einen Zopf mache, würde das mein ganzes Outfit ruinieren.
Schließlich entscheide ich mich dafür sie offen zu lassen. Frei nach dem Motto „Wer schön sein will, muss leiden“.
Ich habe keine Ahnung, wer sich das ursprünglich mal ausgedacht hat, aber er oder sie hat verdammt recht.
Schnell trage ich noch etwas Maskara und schwarzen Kajal auf, dann springe ich die Treppe nach unten und laufe in die Küche, wo Ma und Lolli schon auf mich warten.
„Mensch, Lu, beeil dich doch mal, oder willst du gleich an deinem ersten Schultag an der neuen Schule zu spät kommen?“, treibt Ma mich an.
Ich denke, ob ich zu spät kommen will, ist eine rethorische Frage, da sie mir gar keine Zeit zum antworten lässt, sondern an mir vorbei in ihr Schlafzimmer rauscht und irgendetwas von „der kann doch nicht weg sein“ murmelt.
„Sucht sie mal wieder ihren Autoschlüssel?“, wende ich mich grinsend an Lolli, die am Tisch sitzt und eine Schüssel voll Müsli isst.
Ich kann nicht verstehen, wie man so früh etwas essen kann. Vor 10 Uhr kriege ich nichts runter.
„Was denn sonst?“, reißt Lollis Antwort mich aus meinen Gedanken.
Schon wieder eine rethorische Frage.
Wenn man gar keine Antwort haben will, warum stellt man dann eine Frage? Das ist doch eigentlich voll sinnlos, oder? Ich meine...
Oh Shit, ich schweife schon wieder ab. Okay, zurück zu heute Morgen
Inzwischen ist es 7:30 Uhr und wir sitzen in Ma’s Auto und fuhren zur Schule. (Ihren Autoschlüssel hat sie übrigens nicht wiedergefunden, sondern einfach kurzerhand Pas genommen.)
Nach zwanzig Minuten sind wir endlich da und Lolli und ich verabschieden uns von Ma.
Dann zieht Lolli mich auf den Schuleingang zu.
Mit einem bangen Gefühl, folge ich ihr durch das grüne Eisentor und befinde mich auf dem größten Schulhof, den ich je betreten habe.

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