Juwelenjagd am Jordan (Überarbeitung) - Kapitel 6: Doppelt gestraft, Teil 1

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Kapitel 6: Doppelt gestraft - Teil 1
Die Ausgrabungsstätte lag etwas außerhalb von Camp Arad. Die Fahrt dorthin dauerte nur rund fünf Minuten – und trotzdem fühlte sich Jo wie nach zwei Stunden im Backofen. Es war zwar erst Morgen, doch bereits jetzt brannte die Sonne unerbittlich auf die Negev herab. Selbst die alte Baseballkappe half nicht darüber hinweg, dass die Hitze ihm den Kopf verbrannte. Der Fahrer des Jeeps weigerte sich, das Verdeck zu schließen, da ihm sonst die Luft zu stickig würde. Normalerweise hätte Jo die Sonne gar nichts ausgemacht, doch die beinahe schlaflose Nacht hatte ihn deutlich lichtempfindlicher werden lassen.
Als die Karawane aus Jeeps schließlich an der Grabungsstätte ankam, stellte Jo fest, dass sein Martyrium gerade erst begann.
Die niedrigen Häuserruinen und umgestürzten Säulen, die sich vor ihm in einer Senke auftaten, die wiederum an der Seite einer hohen Felswand lag, boten nur wenig Schutz vor der bevorstehenden Mittagssonne. Jo sah sich schon als knallrotes Hähnchen am Bratspieß.
Professor Gruber führte die Teilnehmer zu einem Unterstand, der dem Team als Koordinationsstelle diente. Hier entdeckte Jo auch Chelsea wieder. Sie war auch nicht schwer zu erkennen, da sie sich dreist und mit selbstverliebten Argumenten vordrängelte, um in den Schatten zu gelangen. Heute hatte sie auf ihren Strohhut verzichtet, stattdessen trug sie einen teuer aussehenden Sonnenschirm mit sich. Jo musste sich ein Lachen verkneifen, als er ihrer schweren Wanderstiefel entdeckte. Man konnte nur vermuten, ob sie ihre Lehre aus dem Vorfall gestern gezogen oder einfach nur Angst bekommen hatte.
Als alle Teilnehmer versammelt waren, erhob Gruber das Wort und erklärte das Tagesprogramm: „Sie werden sich nun in Gruppen zu je drei oder vier Personen aufteilen und in verschiedenen Teilen der Anlage den Archäologen bei der Arbeit zusehen und ihnen assistieren. Zu ihrer eigenen Sicherheit wiederhole ich noch einmal: Bleiben Sie immer bei ihrer Gruppe und hören Sie auf Anweisungen Ihres Betreuers.“ Er hielt ein Klemmbrett hoch und fügte hinzu: „Ich werde jetzt herumgehen und die Gruppen einteilen. Dann bleibt mir Ihnen eigentlich nur noch viel Spaß zu wünschen.“
Spaß... Bei diesem Wort drehte sich Jo der Magen um. Er hatte andere Vorstellungen von Spaß – die hier leider niemand mit ihm teilte. Zugegeben, die letzten Ereignisse im Lager waren recht interessant gewesen, aber hier draußen konnte er nur raten, wer ihn zuerst umbrachte: Die Sonne oder die Langweile.
Da kam Professor Gruber auf ihm zu, mit einem milchgesichtigen Assistenten im Schlepptau. Er war auf sein Klemmbrett fixiert, als er sagte: „Hallo Hannes. Ich habe mir die Freiheit genommen, dich unter meine Aufsicht zu stellen.“ Mit einem Kugelschreiber setzte er einen Haken und fuhr fort: „Mal sehen, dann fehlen noch... Herr Gunnarsen und Fräulein McFinnigan.“
Erik in seinem Team zu haben, verschaffte ihm etwas Erleichterung, aber der zweite Name traf Jo wie ein Knüppelhieb: „Was?! Doch nicht diese... diese...“
Da hörte er schon wieder ihre süffisante Stimme hinter sich: „Was denn? Ich höre.“
Genervt schluckte Jo jegliche Beleidigung unter, die ihm gerade in den Sinn kam und presste zwischen den Zähnen hervor: „Bringen wir es hinter uns.“
Erik klopfte ihm aufmunternd auf die Schultern. „Sei doch nicht so ein Miesepeter.
„Wo geht’s hin, Professor?“ fragte Chelsea mit einem strahlend weißen Lächeln und ignorierte die Jungs einmal mehr.
Gruber zeigte auf die Felswand auf der andere Seite der Stätte, die durch eine schmale Schlucht gespalten war. „Unser Gebiet ist der östliche Teil der Anlage nahe dem Felsen. Beschafft euch Arbeitswerkzeug und dann gehen wir los.“
Erik war der Erste, der sich Schaufel, Spatel und diverse andere Utensilien von einem der Jeeps holte. Widerwillig schloss sich Jo ihm an. Als er Chelsea teilnahmslos neben der Ladefläche stehen sah, steckte er ihr einen Spaten direkt vor die Füße.
„Was soll ich denn damit?“ fragte sie angewidert und betrachtete sich das Werkzeug unter der Sonnenbrille hindurch.
„Dich an der Arbeit beteiligen, was sonst?“ gab Jo zur Antwort. „Wir sind hier, um die Herrn Archäologen zu unterstützen, und selbst du bist da keine Ausnahme.“
Chelsea drückte ihm den Spaten wieder in die Hand und erwiderte: „Ich beteilige mich sehr wohl an der Arbeit, Dummkopf.“
„Ach ja, und wie, wenn ich fragen darf? Ich sehe nämlich kein Werkzeug bei dir.“
„Ich führe Protokoll und dokumentiere die Funde“, sagte Chelsea und präsentierte ihren Laptop.
Jo hob mit einem schiefen Grinsen den Daumen. „Wow, Respekt, du leistest ja Schwerstarbeit. Hast du denn keine Angst, dass dir die Fingernägel abbrechen?“
„Trottel, einer muss das ja machen und außerdem bin ich nicht für körperliche Anstrengung geschaffen. Das ist so was von unter meinem Niveau. Ich wurde mit anderen Qualitäten geboren. Du hingegen scheinst wohl nichts von geistiger Arbeit verstehen, also macht ein Tausch von vornherein keinen Sinn.“
Mit diesen Worten drehte sie sich auf dem Absatz herum und stolzierte davon.
Wütend warf Jo den Spaten zu Boden, dass es nur so klapperte und knurrte: „Irgendwie habe ich das Verlangen, ihr kräftig wehzutun...“
„Das habe ich auch schon gespürt“, sagte Erik mit hervorgepresster Gelassenheit. „Dein Spaten ist auf meinem Fuß gelandet.“
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