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Die unerschütterte Sklavin 12.4

von Dilaila
Erstellt 07/28/2012 - 19:26

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Ich kralle mich in Kaiels Hemd und kämpfe gegen die Erinnerung an.
Eine Schlacht tobt in meinem Kopf, allein für das Ziel die letzte Nacht einzufangen und in ein tiefes, kaltes Verlies in meinem Inneren zu verbannen.
Ich schmiege mich fester an Kaiel und noch immer haben meine Tränen keinen Halt, sie fließen unaufhaltsam auf ihn. Er gibt mir einen Kuss auf den Kopf und schließt seine Arme fester um mich, schenkt mir die Stütze, die ich brauche, ist für mich da und bewahrt mich vor der Einsamkeit.
Licht und Finsternis stoßen in meiner Seele aufeinander und liefern sich ein unbarmherziges Gefecht, wie sie es schon immer taten. Sie setzen ihre ganze Macht ein, doch ist das Streitheer der Finsternis größer, zahlenmäßig wird das Licht, die Hoffnung, in mir untergehen.
Ich beginne zu zittern und zu frieren, denn es schmerzt, wenn es sich wie eine endlose Schleife vor einem abspielt. Kaiels sanfte Art bringt mich nur noch mehr zum Weinen und lässt die Finsternis in mir an Stärke gewinnen. Seine Worte nehme ich kaum wahr, denn die meines Herren hallen in meinen Ohren wieder.
„Alles wird gut“ Eine Lüge, wie eine von vielen. Wie konnte ich nur seinen Worten Gewicht schenken? Durch meiner Naivität habe ich es ihm leicht gemacht!
Das Licht schlägt zurück und bringt eine menge Krieger seines Feindes zu Fall. Ein Krieger der Hoffnung, prescht in die Mitte des Streitheeres und schlägt ein tiefes Loch hinein. Sein Leben gab er für seine Kameraden, die ihren Feind um den Sieg bringen sollen. Schlachtgebrüll ertönt, die Heere treffen aufeinander und das Gemetzel beginnt. Köpfe rollen, Kameraden beenden ihr Leben und zum Schluss wird nur einer noch stehen. Schwarz hüllt Weiß ein, doch auch wenn das Licht mit weniger Kriegern in die Schlacht stürmte, hält es der Finsternis stand. Ihr Widerstand ist wacker und stark, ans Aufgeben denken die Kämpfer in weiß nicht. Sie kämpfen bis zum Ende, gehen in den Tod, nur um diesen langen Krieg wieder von Neuem zu beginnen.
Die Schlacht spitzt sich dem Ende zu. Noch immer ist die Finsternis in der Masse überlegen und drängt das Licht in den Abgrund.

Schwindel überfällt mich, doch die Tränen finden kein Ende. Ein stechender Schmerz beginnt in meinem Kopf, aber auch das wird mich nicht vom Weinen abhalten. Für eine Sekunde keimt ein Gedanke in mir auf, ein Ziel, dass ich mir vor langem gesetzt habe.
Das Blatt wendet sich. Auf dem Schlachtfeld liegen die Gefallenen der Finsternis. Eine kleine Handvoll der Hoffnung kämpft noch gegen ihren stärksten Widersacher. Ein weiterer Krieger des Lichts fällt unter die Klinge eines Dunkelritters. Der Gefallene bleibt nicht lange ungesühnt, denn sein Mörder wird zur Strecke gebracht. Langsam nimmt der Kampf ab, die Toten vermehren sich, die Lebenden schwinden unter den Klingen des Todes hin.
Nur noch zwei Krieger des Lichts schwingen ihre Waffen gegen die Finsternis. Ihre Gegner sind in der Überzahl und sie opfern einen ihrer Leute für den Untergang eines weiteren Krieger des Lichts. Nur noch einer hält das Schwert auf seinen Gegner gerichtet, doch auch er kämpft bis zum letzten Atemzug.

Meine Tränen werden weniger und eine Entscheidung bildet sich.
Das Finale wurde eingeläutet.
Erneut kommt in mir für einen kurzen Augenblick der Gedanke auf und verschwindet dann wieder.
Der letzte Kämpfer schlägt sich tapfer. Seine Gegner schwinden vor sich hin, bis ihm nur noch einer gegenüber steht. Die Stärksten ihrer Heere schwingen ihre Schwerter aufeinander, leisten sich einen unerbittlichen Kampf bis in den Tod. Klingen prallen auf einander, Blut quillt aus den Wunden, heftet sich an die Rüstung oder tropft auf den Boden, schränkt die Bewegungen ein und die letzte Energie wird gegeben. Stille bricht in den Kampf.
Eine Entscheidung ist gefallen.
Die Klinge wird auf den letzen Krieger auf den Boden gerichtet. Niederlage brach auf das Heer ein und nun wird der letzte Dunkelritter in das tiefste Verlies meines Inneren eingesperrt.
Das Licht, die Hoffnung, hat gesiegt und die Schlacht für sich entschieden. Nur wie lange wird dieser Sieg halten, bis sich die Finsternis zum nächsten Krieg erhebt?

Solange ich mir immer eines sage, wird die Dunkelheit mich nicht verschlingen können.
Ich werde nicht als Sklavin sterben! Niemals, werde ich mein Leben in einem Gefängnis geben!
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