Pastkeys [Kapitel 1.2]

Bild von Tau

So, hier der zweite Teil. ^^
Erster Teil!

Mary:
Jeli will ihres herausholen, muss aber feststellen, genau wie wir alle, dass unsere Handys nicht mehr da sind.
"Wer auch immer uns hierhergebracht hat, muss sie euch abgenommen haben. Moment, wenn jemand uns hierhergebracht hat, muss es auch jemanden geben, der auf uns aufpasst."Ela schaut nach oben und sucht die Decke nach einer Wanze oder Minikamera ab.
"Warum, weil der nette Mann sicher gehen will, dass uns auch ja nichts Schlimmes passiert?", fragt plötzlich der Junge ohne Namen spöttisch.
Alle Köpfe drehen sich in seine Richtung.
"Vielleicht ist der ‚Nette Mann‘ auch einfach wer, der gerne entführte Jugendliche beobachtet. Oder er will unsere Eltern erpressen“, antwortet Ela bissig.
Letztere Option ist auszuschließen, weil wir alle nicht so die reichsten Leute zu sein scheinen.
"Sie hat recht! Da oben ist eine und das ist bestimmt nicht die Einzige!", unterstütze ich sie, statt meine Überlegungen prei zu geben.
"Klar. Viel wahrscheinlicher, als dass sich irgendjemand einen verdammt schlechten Scherz erlaubt. Es muss gleich ein gewieftes Verbrechergenie sein.“
Wow, der Typ lässt sich durch nichts beeindrucken, wie mir scheint…
"Meinst du wirklich, dass irgendwer zehn Jugendliche aus Jux und Tollerei aus einer Disko bis hier hoch schleppt? Ich weiß ja nicht, ob du mal aus dem Fenster geschaut hast, aber es ist VERDAMMT hoch!"
Sie überlegen, ob es vielleicht ein Experiment ist, aber das ist es ganz bestimmt nicht!
Sierra will wissen, wie alt wir überhaupt sind. Jeli, Ela und ich sind alle sechzehn, Sierra ist neunzehn.
Nun wacht auch noch ein Mädchen auf, dass sie mir schon vom ersten Moment an als sehr eingebildet vorkommt.
Sie schreit wie am Spieß und drängt sich sofort in den Mittelpunkt.
Als Jeli fragt, was mit ihr los sei, fängt sie auch schon mit dem Rumzicken an.
"Was los ist? Du fragst ernsthaft, was los ist? Oh, gar nichts! Außer, dass ich mit den größten Langeweilern der Erde in einem widerlichen, schmutzigen Raum eingesperrt bin, hier nicht wegkomme und mich noch dazu von euch blöd anmachen lassen muss. Das ist los! Und überhaupt, wer von euch behinderten, armen Typen hat mein Handy gestohlen, sofort her damit! Könnt ihr euch nicht selber eins leisten?"
"Halt die verdammte Schnauze!", faucht der Namenlose mit finsterem Blick.
Wenn es eins gibt, was mich richtig aufregt, dann solche Leute.
"Erstens, du bist hier die Langweilerin, Blondi! Zweitens, dein Handy haben die Entführer oder was auch immer geklaut und drittens, das Letzte, was wir brauchen ist eine geldgeile, aufgeblasene Tussi, deren größtes Problem es ist, wie sie aussieht!"
Und das ist genau meine Einschätzung.
Aber statt die Klappe zu halten, fährt sie etwas ruhiger und zuckersüß fort: "Tja, erstens zu dir: Nicht jeder möchte so aussehen, das wäre ja auch schlimm. Und natürlich werde ich das Beste aus meiner Situation machen. Ich bin nämlich gleich fort hier! Meine Eltern haben bestimmt schon mehrere Kommissare alarmiert, die jetzt gerade schon nach mir suchen. Also mach dir keine Sorgen, in fünf Minuten bin ich weg! Dann müsst ihr keine Angst haben, dass meine Coolness auf euch abfärbt und ich muss mir diese Armseligkeit nicht länger anschauen."
Ich lache leise auf.
"Sag mal, geht‘s noch?! Du bist vielleicht drei Minuten wach, weißt nicht, was hier los ist und kommst uns so blöd?! An deiner Stelle würde ich mal aufpassen, was ich sage, es könnte jemand hören", warnt Jeli sie. Ihr Blick ist voller Verachtung. Klar, solche Menschen konnte sie noch nie leiden!
"Du nennst uns armselig? Du bist die Einzige, die hier armselig ist. Bitter wäre es, sich auf dein Niveau herab zu begeben. Du erfindest anderer Leute Schwächen, die du nicht einmal kennst, und nutzt diese um die Anderen fertigzumachen. Wenn ich morgens aufwache, würde ich nicht gern in ein geschminktes Barbiepuppengesicht schauen, dessen einziger Lebensinhalt es ist, Shoppen zu gehen, den neusten Klatsch und Tratsch zu wissen und über andere zu lästern und urzuteilen. Ist doch so, nicht?"
Wow, Sierra hat’s echt drauf. Ich bin total beeindruckt, wie sie ihre Worte wählt.
"Nicht jeder möchte so aussehen wie du, das stimmt!", antworte ich bissig.
"Und ich bezweifle, dass uns hier jemand findet. Da sind Wanzen, nur zu deiner Info. Und ich glaube nicht, dass deine Eltern an dich denken werden, so beschäftigt wie sie sein müssen, dir ein neues Handy zu besorgen."
Ich grinse sie hämisch an. Sie benimmt sich wie ein Kleinkind.
Niemand wird sie hier retten, das sollte ihr eigentlich klar sein.
Aber Sierra bringt Jeli und mich dazu, aufzuhören. Sie hat recht, wir sollten uns lieber vertragen.
Und dass sie recht hat, gebe ich nicht gerne zu.
Jeli klagt nun über Kopfschmerzen.
„Du Arme!“, rutscht es mir heraus. Meinte ich das jetzt ernst?
Aber sie versteht es als Trost, auch wenn er nichts hilft. Sie wirkt richtig verzweifelt.
Plötzlich knackt es wie bei einem Lautsprecher und ihre Stimme meldet sich.
"Hallo ihr Lieben. Herzlich willkommen bei meinem Spiel. Ihr habt alle eine Sünde begangen, ihr müsst nur nachdenken. Oder jemand ist an euch schuldig geworden, je nachdem. Hier habt ihr die Chance, rein davon zu werden oder zu sterben. Eure Sünden sind eure Schlüssel! Nehmt ihr den Anfangsbuchstaben des englischen Wortes eurer Sünde, so habt ihr einen von neun Buchstaben, die zusammen den Code ergeben, mit dem ihr hier rauskommt. Den müsst ihr nur da hinten in den Kasten an der Wand eingeben. Aber sollte er falsch sein, fliegt ihr alle in die Luft. Tja, jetzt hört sich das noch an wie eine reine Teamworkaufgabe, aber Vorsicht! Unter euch befinden sich zwei Personen, die nur darauf warten, dass ihr eure Schlüssel laut rumerzählt. Sie werden sie sammeln und den Code daraus in ein anderes Gerät eingeben. Dadurch fliegt ihr ebenfalls in die Luft.
Tja, ich wünsche euch dann mal viel Spaß beim raten!"
Die Türe, die eben verschlossen war, öffnet sich.
Es knackt wieder.
Totenstille.

Kapitel 2 ^^


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