A new life Kapitel 2

Bild von Michii

So. :D Auch hier habe ich mal weitergeschrieben, hoffe, es gefällt euch! :)
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Kapitel 2

Ich hatte mich noch nicht entschieden, welche Rolle ich an dieser Schule einnehmen wollte. Aber Kilian hatte das schon.
In der zehn-Minuten-Pause zeigte er mir die Schule, das Gelände, seine Kumpel und die Sporthallen. Die ganze Zeit über redete er und erzählte mir eine Menge über die Schule. Wie die Lehrer waren, wie das Cafeteria-Essen war, was neu gebaut worden war, was schon vermoderte, welche Toilette man meiden sollte, wer zu den Schulschlampen gehörte, wer nett war, wer nicht, woran man die Schläger erkannte, einfach alles.
Ich sog alles auf wie ein trockener Schwamm und genoss es, dass nicht ich reden musste. Am ersten Schultag nicht dauernd Fragen beantworten zu müssen und einfach nur zuzuhören, war wie ein kleiner Segen für mich. Niemand löcherte mich mit Fragen.
Dafür wurde ich umso mehr mit Blicken durchbohrt. Alle schauten uns hinterher, wie Kilian mir alles zeigte und mich beschlich das Gefühl, dass ich mir den bekanntesten Jungen der Schule als Kumpel ausgesucht hatte.
Denn genau das war Kilian. Mein Freund. Ich wusste jetzt schon, dass ich ihm alles erzählen konnte. Er war ab jetzt immer für mich da und hörte mir zu, so wie ich ihm jetzt zuhörte und versuchte mir alles zu merken. Er war ein großer fester Fels im stürmischen Meer und ich klammerte mich an ihn. Hier kannte ich nur ihn.
Ein paar Mädchen, an denen wir vorbeigingen, fingen sofort mit dem Getuschel an, als wir an ihnen vorbei waren.
Ich unterbrach Kilian nur ungerne in seinem Redeschwall. "Kilian?"
"Hm?" Er schaute auf mich runter. Sein Kopf ragte etwa drei Handbreit über meinen hinaus.
"Ich glaube, dass ich beobachtet werde", flüsterte ich.
"Ich glaube, dass wir beobachtet werden. Und zwar schon die ganze Zeit", gab er leise zurück.
"Meinst du? Stört es dich?", fragte ich. Die meisten Leute nervte es, wenn sie andauernd wegen mir angestarrt wurden.
"Überhaupt nicht. Ich werde auch so angestarrt. Das liegt nicht an dir." Er ließ seine weißen Zähne aufblitzen. Ob sie wohl so glatt waren, wie sie aussahen?
"Warum wirst du angestarrt?", fragte ich, obwohl ich die Antwort längst wusste.
Er sah gut aus. Wahnsinnig gut. Wie konnte man ihn nicht anstarren? Er war nicht mein Typ, deswegen konnte ich neben ihm laufen, ohne ständig abgelenkt zu werden, aber stand wirklich jedes Mädchen auf ihn?
"Kannst du es erraten?" Er blieb stehen, fuhr mit seiner Hand durch die blonden Haare, lächelte mich verführerisch an und zwinkerte mir zu.
Ich konnte nicht anders und musste lachen. Auf mich wirkte es wie ein Werbespot für Haargel oder Zahnpasta. Wie war es für andere Mädchen?
Ich atmete tief ein. "Ich kann es erraten."
"Warum wirst du angestarrt?" Er ging weiter und ich stolperte hinterher, weil mein Schnürsenkel wieder auf war.
"Kannst du das erraten?", fragte ich und hoffte, dass er nicht den falschen Gedanken erwischte.
"Hm. Bleib mal stehen."
Ich folgte seiner Aufforderung und blieb stehen. Er schaute mich von allen Seiten an und ich wäre wohl rot geworden, aber zum Glück waren wir allein und niemand konnte uns sehen.
Er fuhr über meinen Arm, schaute sich meine Finger einzeln an, überprüfte meine Knie, meine Beine, meine Füße. Dann wandte er sich meinem Gesicht zu. Ich wich ein Stück zurück, weil ich nicht wirklich wusste, was um Gottes Willen er dort tat oder tun wollte.
"Hm", machte er erneut.
"Was? Bin ich krank?", fragte ich gespielt ängstlich.
"Hm. Das kann ich nicht sagen, aber ich würde sagen, sie starren dich an, weil du bei mir bist. Sonst fällt mir da nichts ein", sagte er ernst. Seine kleine Stichelei brachte mich zum Lachen.
"Du bist doof!" Ich versuchte ihn zu boxen, aber er wich aus, nahm meinen Arm und hob mich hoch.
"Was bin ich?", fragte er und lachte.
"Lass mich los!", quiekte ich, als er auch noch anfing mich zu kitzeln.
"Ihr seid ja recht vertraut miteinander", näselte eine Stimme hinter uns.
Schuldbewusst setzte Kilian mich ab und ich drehte mich sofort um, um zu schauen, wer gesprochen hatte.
Ein hübsches Mädchen in unserem Alter stand mit verschränkten Armen und einem Blick, der alles sagte, dort und beobachtete uns.
"Wer ist das, Kilian?", fragte sie.
"Hey Süße. Das ist Aurelie. Sie ist neu hier und ich habe ihr die Schule gezeigt", sagte er ruhig und hob meine Tasche vom Boden auf, die ich fallen gelassen hatte.
"Das sah aber nicht so aus!" Wütend starrte sie mich an.
"Ich... Es tut mir echt leid!", stammelte ich, als ich erkannte, dass diese "Süße" Kilians Freundin sein musste. Was hatte ich erwartet? Er sah viel zu gut aus, als dass er Single sein konnte.
"Ach ja? Sieht aber nicht so aus!", fauchte sie.
Da war sie.
Meine neue Feindin.
"Ines! Was ist denn los? Ich hab ihr doch nur die Schule gezeigt!", beschwichtigte Kilian sie.
Ines sah nicht so aus, als ob sie das glauben würde. Stattdessen drehte sie sich schnippisch um und stakste auf ihren wirklich hübschen Füßen, die in schicken Schnallensandalen steckten, davon.
"Deine Freundin?", fragte ich, obwohl ich es doch wusste.
"Ja." Seine Augen schauten ihr hinterher. "Seit zwei Jahren."
"Und wie lange bist du schon unglücklich mit ihr?", fragte ich. Gleich danach presste ich mir meine Hand auf den Mund. Das konnte ich doch nicht wirklich gefragt haben! Ich kannte ihn doch fast gar nicht!
Er runzelte die Stirn und wollte etwas sagen, doch ich kam ihm zuvor. "Das... Das tut mir echt voll leid, ich wollte das nicht fragen! Das war nicht nett, tut mir leid!"
Er lachte. "Du hast doch recht. Seit ungefähr drei Monaten geht sie mir auf die Nerven. Immer dreht sich alles um sie. Aber was rede ich eigentlich? Das interessiert dich doch bestimmt gar nicht-"
"Doch!", platzte ich raus. Es war die Wahrheit. Für ihn schlüpfte ich in die Rolle der besten Freundin, die ihm zuhörte und immer für ihn da war.
"Echt?", fragte er erstaunt.
"Ja. Wirklich. Wir können uns ja mal nach der Schule oder so treffen", schlug ich vor und machte mich auf einen Korb gefasst. Schließlich hatte er eine Freundin!
"Gute Idee, aber wenn du dich jetzt nicht beeilst, dann kommst du zu spät. Und ich auch!" Er zog mich hinter ihm hinterher.
"Was hab ich denn jetzt?", fragte ich und stolperte erneut über meinen Schnürsenkel.
"Sport. Du hast bei Frau Marut. Falls du die Abkürzung nicht weißt." Er zwinkerte mir zu. Dann blieb er stehen. "Du hast dort hinten Sport." Er wies auf ein großes, gelb angestrichenes Gebäude. "Am besten du bleibst in der Nähe von Bianca. Sie ist unglaublich nett. Nenn sie ruhig Biene, das wird sie dir sowieso vorschlagen. Sie ist die mit dem blauen Pulli und den langen braunen Haaren. Außerdem hat sie neongelbe Sportschuhe. Du kannst sie nicht übersehen!"
Ich versuchte mir alles zu merken und nicht später nach neongelben Haaren zu suchen oder sowas.
Ich rannte schon los, aber da fiel mir was ein. "Kilian?" Er stand vor einer großen Tür, wo er wahrscheinlich Sport hatte.
"Was ist?" Er blieb stehen und schüttelte seine Haare.
"Sehe ich dich später nochmal?" Er war der einzige, den ich kannte. Mit Ausnahme von Ines, aber die würde ich garantiert nicht nach dem Weg fragen.
"Wahrscheinlich schon. Wir haben Deutsch."
"Okay, bis dann!", rief ich und sprintete über den Pausenhof. Als letzte erwischte ich noch die zufallende Tür.
Die Mädchen-Umkleide war nicht schwer zu finden. Sie war rot angestrichen und es stand in großen schwarzen Buchstaben "MÄDCHEN" drauf. Gegenüber war eine hellblaue Tür für die Jungs.
Ich öffnete die rote Tür vorsichtig und linste hinein.
Ein stürmisches Mädchen begrüßte mich. "Heey! Du bist doch Aurelie, oder?"
Ich warf einen Blick auf ihre Schuhe. Dunkelrot mit silber Streifen. "Ja. Ich bin Aurelie. Und du bist...?"
"Hey, ich bin Kerstin. Schön dich kennenzulernen! Wo kommst du denn her?", fragte sie sofort.
Fragen. Fragen über Fragen. Immer das gleiche.
"Lass sie in Ruhe Kerstin! Nicht immer so viel fragen!", mischte sich ein anderes Mädchen ein.
Ein Mädchen mit neongelben Sportschuhen.
"Hey. Schön, dass du hier bist. Komm, ich hab dir einen Platz freigehalten." Sie fasste meine Hand und zog mich quer durch die Umkleide.

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