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Die Leiden des jungen Werther - Goethe

Bild von A Flair For The Dramatic

CoverCoverInformationen zum Buch
Titel: Die Leiden des jungen Werther
Autor: Johann Wolfgang Goethe
Genre: Roman
Ersterscheinung: 1775
Verlag: Reclam
ISBN: 978-3-15-000067-0

Klappentext
»Es ist interessant zu sehen, mit welchem glücklichen Instinkt alles was dem sentimentalen Charakter Nahrung gibt, im Werther zusammengedrängt ist; schwärmerische unglückliche Liebe, Empfindsamkeit für Natur, Religionsgefühle, philosophischer Kontemplationsgeist, endlich, um nichts zu vergessen, die düstre, gestaltlose, schwermütige Ossianische Welt. Rechnet man dazu, ... wie von aussen her alles sich vereinigt, den Gequälten in seine Idealwelt zurückzudrängen, so sieht man keine Möglichkeit, wie ein solcher Charakter aus einem solchen Kreise sich hätte retten können.«
Schiller

Über das Werk:
Eine Inhaltsangabe lässt sich relativ schnell geben. Werther zieht auf's Land, verliebt sich unsterblich in Lotte, die leider schon verlobt ist und geht daran schlussendlich zu Grunde.

Der Roman wird von einem fiktiven Verfasser eingeleitet, sowie auch beendet, während der Zwischenteil in Briefform geschrieben ist. Werther der in der Zeitspanne von etwa anderthalb Jahren Briefe an seinen Freund Wilhelm schreibt, dem er sein ganzes Leben und seine Probleme schildert.

Der Schreibstil ist sehr zeitgemäss. Goethe leitete mit dem Werther den Sturm & Drang ein, welcher durch enorme Emotionalität charakterisiert wird. Jedes Gefühl wird zelebriert und in vollem Ausmasse beschrieben, sodass ein jeder lesen kann, was in diesem Mann vorgeht.

Eigene Meinung
Den Briefroman des jungen Werthers habe ich wohl wie viele andere bloss gelesen, weil es Schullektüre ist. Da ich selbst nie ein grosser Fan von Goethe war, hätte ich ihn wohl nie freiwillig gelesen. Folglich war ich ehrlich gesagt auch nicht besonders positiv der Geschichte gegenüber eingestellt, Ehe ich überhaupt den ersten Satz gelesen hatte, hatte ich mir bereits eine Meinung darüber gefertigt. Mag ich nicht.
Ich gebe zu, womöglich war das falsch. Aber ich habe mich dann wirklich bemüht. Ich habe mich bemüht zu versuchen mich mit dem Buch anzufreunden.
Doch bereits nach den ersten Seiten war mir die Person des Werthers unsympathisch. Auch wenn ich eigentlich immer Charaktere mag, die Künstler sind, fand ich ihn unglaublich arrogant.
Jeder einzelne Augenblick wird unglaublich von ihm zelebriert. Geht es Werther gut, ist alles wunderschön und traumhaft und unbeschreiblich schön. Doch an Beschreibungen mangelt es natürlich nie. Geht es Werther schlecht, ist es noch schlimmer. Es sind immer alle anderen Schuld, nie sieht er das Problem bei sich. Er ist ein Ignorant und ein Feigling, der immer davonläuft. Doch das einzige Mal, dass er meiner Ansicht nach zum ersten Mal etwas wirklich tut ist am Ende, doch auch dieser letzte Akt bei dem er seinen oft geäusserten Wunsch in die Tat umsetzt ist bloss wieder eine Inszenierung seiner Selbst. Seiner Person, die ja so unglaublich toll ist...
Obwohl ich eigentlich gerne »ältere« Werke lese und an der Sprache stets etwas Schönes finde, konnte ich mich mit Goethes Schreibstil nicht anfreunden. Er hätte mir gefallen, hätten mir die Sätze mit ihrer Länge nicht gedankliche Atemnot verschafft. Die Sätze ziehen sich problemlos über mehrere Zeilen hinweg und oft hatte ich am Ende bereits den Anfang des Satzes vergessen und musste nochmal nachschauen, wo das Subjekt nochmal war.
Werthers »zu-Tode-betrübt-sein« finde ich einfach zu dramatisch, ich bin einfach überhaupt kein Fan von ständig heulenden Männern.
Die Handlung lässt doch sehr zu wünschen übrig, da sie so gut wie gar nicht vorhanden ist. Auf den gut 150 Seiten kann man die Haupthandlung meiner Ansicht nach auf die letzten dreissig Seiten reduzieren, davor dümpelt die Geschichte so bisschen vor sich hin und die Seiten werden mit Gefühl über Emotion gefüllt, ohne wahre Aussage.
Das einzige, was ich Goethe für ein Kompliment machen könnte wäre dasjenige, dass er einen Charakter geschaffen hat, den ich zumindest leidenschaftlich hassen konnte, das ist auch eine Leistung. Theoretisch hätte er mir auch egal sein können, doch ich verspürte ihm gegenüber solch eine Abneigung, dass ich mich über ihn aufregen musste und nicht einfach drüber hinwegblicken konnte.

Allerdings muss man zum Schluss beachten, dass Goethe dieses Buch nicht für uns geschrieben hat, die moderne Jugend des 21.Jahrhunderts.
Nach der Aufklärung bei der man stets über Vernunft schrieb und sich nicht vom Herzen leiten liess, kam mit dieser Emotionalität des Werthers etwas völlig neues. Nie hatte man in Büchern über so viele Emotionen geschrieben. Der Werther wurde zu so etwas wie dem »Twilight« seiner Zeit. Die Leute konnten sich damals identifizieren und viele sahen in ihm so etwas wie ein Vorbild.

Fazit
Man muss beachten, dass der Roman für ein anderes Zeitalter geschrieben wurde. Goethe schuf mit dem Werther einen Menschen, den man damals verstehen konnte, auch wenn das heute zum Teil schwer vorstellbar erscheint.
Das Buch würde ich also nur jemandem empfehlen, der sich für deutsche Literatur interessiert, der sich gerne in überspitzer Emotion verliert oder die Fähigkeit besitzt sich in Menschen einzufühlen, die im 18. Jahrhundert lebten.
Jedem der diese Punkte nicht erfüllt würde ich von diesem Buch abraten oder einfach empfehlen die Leidenschaft im Hass für fiktive Personen zu üben, sollte man doch im Deutschunterricht zu dieser Lektüre verdonnert werden.


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