Hunters - First Danger *Zoey 18*

So ein verdammtes Arschloch. Am liebsten hätte ich Adrián noch mehr bestraft, doch ich durfte ja nicht. Scheiß Adrián, scheiß Gamon. Wütend starrte ich die Decke von meinem Bett aus an. Ich hatte noch immer große Lust auf irgendetwas ein zu prügeln, obwohl schon zwei Tage seit dem Zwischenfall vergangen waren. Mein Auge war blau geworden und jetzt stapfte ich mit einem Veilchen durch die Gänge, doch niemand sprach mich darauf an, dafür schien ich wohl viel zu Angsteinflößend. Adrián und Gamon war ich aus dem Weg gegangen. Gamon hatte mir zwar einen Zettel an die Tür geklebt, auf dem stand, dass er mich wieder um Mitternacht in der Trainingshalle sprechen wollte, wohl um es nochmal mit der Taktikbesprechung zu versuchen, doch ich war einfach nicht hingegangen, hatte es eben ignoriert. Stattdessen hatte ich mein Kleid geschneidert und mich zum ersten Mal in meinem Leben gefreut, dass wir einen Ballzwang hatten und ich deswegen nicht trainieren musste. Jetzt hatte ich ein tolles Kleid, passende Schuhe und einen neuen Lidschatten, doch immer noch überhaupt keine Lust auf diesen Ball zu gehen. Aber ich musste ja.
Also stieg seufzend von meinem Bett und ging ins Badezimmer, um zu duschen. Das heiße Wasser lies ich wieder mal eine Ewigkeit auf mich hinunter rieseln, es konnte mir aber auch nicht helfen: So stieg ich letztendlich wieder aus der Dusche. Ich legte ein wenig Make-up auf, schminkte mir dunkle Smokey Eyes und zog mein Kleid an. Es passte perfekt: Das Mieder lag nah am Körper und war Schulterfrei, der Rock fiel locker bis auf den Boden hinab. Alles in einem dunklen Mitternachtsblau, das perfekt zu meinem Haar passte. Mein Haar hatte ich zu einem kunstvollen Knoten gesteckt, und meine Lippen lies ich, wie sie waren. Insgesamt konnte ich wohl zufrieden sein, aber auch das machte mir keine Lust auf den Ball.
Lustlos streifte ich die hohen Sandaletten über und machte mich auf den Weg zur großen Halle. Auf dem Flur begegnete ich vielen anderen Mädchen, meistens in Begleitung eines Jungen, und natürlich war auch Amy unter ihnen.
„Wood.“, brüllte sie mir zu und ich wusste, dass gleich eine neue Beleidigung kommen würde. „Hast wohl keinen mehr abbekommen, was?“
„Ach, wenn man so viele wie ich hatte, kennt man schon alles.“, erwiderte ich mit verächtlicher Stimme. Ein Wortgefächt mit Amy konnte lustig sein, aber nicht, wenn man in so eine dunklen Stimmung wie ich war. „Verzieh dich Amy, oder ich verpass dir ein blaues Auge.“
Und Amy verzog sich tatsächlich. Ich musste wirklich, wirklich sauer aussehen, wenn nicht einmal Amy genug Verachtung aufbrachte um sich gegen mich zu stellen. Augenblicklich hob sich meine Laune ein wenig und mit etwas weniger schwerfälligen Schritten ging ich weiter zur Halle.
Die großen Flügeltüren standen offen, alle bewunderten die Halle, denn dieses Mal war sie Blutrot und silbern, mit wenig Licht erfüllt, so dass alles sehr schummrig und geheimnisvoll aussah, doch ich musste einen Würgereiz unterdrücken. Die Halle sah diesmal wirklich ganz ok aus, doch der Prunk war immer noch zu viel für mich. Und dann stand da natürlich Gamon als Aufseher. Diesmal nicht in der Halle sondern davor: Er sollte die Schüler untersuchen, damit nicht wieder Alkohol auf den Ball geschmuggelt wurde.
Mit unterdrückter Wut stellte ich mich an der Schlange an und wartete auf meine Inspektion, inständig hoffend, dass mich der andere Mentor untersuchen würde. Doch es kam wie es kommen musste, und ich sollte von Gamon überprüft werden. Also stapfte ich zu ihm hinüber und funkelte ihn mit solch einem Hass an, dass er einfach zusammenschrumpfen musste. Gamon war jedoch Gamon und verzog das Gesicht nur zu einem leisen und schiefen Lächeln, dass noch immer so ungewohnt für mich war. Der frühere Gamon hätte mich niemals angelächelt.
„Hola, Zoey.“ Ich lies mich nicht zu einer Antwort herab, breitete nur die Arme aus und lies mich von ihm abtasten. Zum Glück ging alles sehr schnell und ich trat schon bald einen Schritt zurück, um Gamon noch einen verächtlichen Blick zuzuwerfen und dann in die Halle zu gehen, wo ich, bei meinem Glück, natürlich sofort in Adrián hinein rannte. Seine Arme schlossen sich um meine Hüften, um nicht hinzufallen, doch sie bleiben einige Sekunden zu lange dort, sodass ich mich von ihnen befreien musste. Ein arrogantes Lächeln saß auf seinem Gesicht.
„Wen haben wir denn da?“, fragte er mich mit einem anzüglichen Blick.
„Lass den Schieß. Vergnüge dich mit einer anderen.“, zischte ich ihm giftig an und ging an ihm vorbei. Dieser Ball kotzte mich schon jetzt mehr an, als jeder andere vor ihm.
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