Hunters o2.o1

Ophelia kniff die Augen wütend zusammen. Warum musste es immer Leute geben, die aus der Reihe tanzten und dachten, sie könnten sich alles herausnehmen? Es machte sie ein ums andere mal wütend, wenn sie wiedereinmal vom Versagen ihrer Gefolgsleute oder ihrer Priesterinnen erfuhr. Aber wenn diese auf eigene Faust handelten, wurde sie mehr als nur wütend. Ihr Blick blitzte gefährlich auf, als der nächste Gegenstand mit voller Wucht gegen die Wand donnerte und in tausend Teile zersprang. Die Priesterin zuckte zusammen und wirkte ängstlich. Gut so. Wütend sah sie Daria an und verschränkte die Arme, um den Drang zu unterdrücken, noch etwas zu zerstören. Aber ohnehin würde sie demnächst die Chance bekommen, jemanden zu töten. Zu gut, dass ihr Opfer davon noch nichts ahnte. Und es stand direkt vor ihr, ahnungslos, hilflos und mehr als ängstlich. Man könnte fast schon meinen, dass so etwas wie Mitleid in dem schönen Gesicht der Vampirin aufblitzte. Aber das war ein Irrtum. Ophelia fühlte kein Mitleid. Mit niemandem. Damit hatte sie vor Jahren aufgehört, damals, als sie angefangen hatte so grausam zu werden. Sie war nicht von Anfang an so gewesen, nein. Sie war erst im Laufe der vielen Jahre so geworden, als sie gemerkt hatte, dass ihr diese Grausamkeit gefallen bereitete. Und seitdem nutzte sie jede Gelegenheit um dies auszuleben.
"Hast du irgendetwas zu deiner Verteidigung zu sagen, Daria?", zischte sie der Priesterin entgegen.
Die Augen eben jener wurden groß und sie begann zu stammeln. "Ich ... ähm ... e-es tut mir leid. Wirklich."
Natürlich. Es tat ihnen hinterher immer Leid. Zu schade dass dies nicht dass war, was Ophelia hören wollte. Die kindliche Vampirin drehte sich herum, starrte einen Moment auf die gegenüberliegende Wand. Es sah so aus, als würde sie überlegen. Aber eigentlich hatte sie ihre Entscheidung schon längst gefällt. Sie brauchte genauso lange um Entscheidungen zu fällen, wie um ihre Gestalt zu wechseln. Momentan steckte sie in einem kindlichen Körper, der kaum zwölf Winter alt war. In dieser Gestalt war sie am meisten anzutreffen. Die anderen Gestalten waren weitaus älter. Manche nicht einmal menschlich sondern viel mehr tierisch. Kreativität war bei so etwas gefragt und davon besaß sie sehr fiel.
"Das interessiert mich nicht", schrie sie dann, wirbelte herum und zeigte der Priesterin die langen Fangzähne. Sekunden später bohrten sich eben diese in den bleichen Hals der Priesterin, die daraufhin überrascht auf keuchte und versuchte sich gegen den Griff der Vampirin zu wehren. Was lächerlich war. Ophelia stieß ein Knurren aus und ihre Fangzähne bohrten sich tiefer in das Fleisch der Priesterin. Schon nach wenigen Sekunden waren die Gewänder der beiden Frauen voller Blut und nicht nur dort war es, denn es verteilte sich auch auf dem Boden und lief den Hals der Vampirin hinab.
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