♥Geschichten aus Lavé - Beginn eines Neuanfangs (2.Akt)

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Geschichten aus Lavé
Beginn eines Neuanfangs
[Charakter: Sandro]

Am nächsten Tag wachte Sandro schon um 4 Uhr auf. Er hatte sich dazu entschlossen von Lavé wegzugehen.
Seine Gedanken waren ständig bei seiner jüngeren Schwester. Er fragte sich, was wohl aus ihr werden würde, wenn er weg wäre. Dann schossen ihm grausame Gedanken durch den Kopf. Sandro schluckte kurz und verdrängte diese wieder.
In einen kleinen Lederbeutel packte er die wichtigsten Dinge ein, wie zum Beispiel das Armband seiner verstorbenen Mutter und den Ehering seines ebenfalls verstorbenen Vaters - zwei Habseligkeiten, die Sandro sehr viel bedeuten.
Fast kam ihm eine Träne hoch, als er die geliebten Gegenstände in den Lederbeutel warf. Betrübt lief er dann aus dem Zelt, warf - mit den Gedanken an seine Schwester - noch einen letzten Blick zurück und ging anschließend einen Waldweg entlang.
Um ihn herum erwachte langsam der Wald und wurde immer lebendiger. Es dauerte nicht mehr lang, bis die Sonne blass am Himmel erschien und Sandros Weg ein wenig erhellte.
Müde rieb der Junge sich die Augen. Heute waren seine Haare nicht gestylt und er hatte sich bequeme Kleidung angezogen. Er sah anders aus als sonst.
Sandro seufzte. Er dachte sich, dass ihn eh niemand vermissen würde. In dieser Welt war er ein Niemand.
"Soll mich Mill doch umbringen oder nicht. Hier möchte ich auf keinen Fall mehr bleiben", murmelte er vor sich hin.
Er kickte immer wieder einen kleinen Kieselstein vor sich her. Dann schaute er auf und bekam ein unangenehmes Gefühl. Er fühlte sich beobachtet. Ohne es sich anmerken zu lassen, spazierte er weiter.
Plötzlich hörte er ein Rascheln. Es kam aus dem Gebüsch rechts von ihm. Danach begann es zu brennen und Sandro wich einen Schritt zurück. Die Flammen vergingen und hinterließen ein Loch in dem Busch. Anschließend kam eine junge Frau auf der Asche gehend auf Sandro zu. Der Werwolf erkannte sie und zeigte ein kleines Lächeln. Das Mädchen fuhr durch ihre dunkelbraunen, kurzen Haare mit einem leichten, roten Schimmer und stand lächelnd vor ihm.
"Mill hat mir erzählt, dass du Lavé verlassen willst", sagte sie.
Sandros Lächeln verschwand schlagartig.
"Woher weiß er es?", fragte er die junge Frau.
"Sandro, du kennst Mill. Er hört und sieht alles, was sein Rudel gerade macht."
Der Junge nickte betrübt. Er bekam langsam ein schlechtes Gewissen.
"Ich werde trotzdem gehen, Penelope", sagte er entschlossen.
Darauf erwiderte sie nichts. Eine Weile starrte sie ihn eindringlich an.
"Natürlich habe ich Zweifel wegen Fio. Aber ich muss mich für das entscheiden, was für mich wichtiger ist", erklärte Sandro und hoffte somit, dass sein Gewissen wieder rein wird.
Doch ganz im Gegenteil, es wurde immer schlimmer.
"Wichtiger als deine leibliche Schwester?", wollte Penelope wissen.
Zögerung trat auf und es dauerte, bis der Werwolf eine Antwort gab.
"Nein. Fio bedeutet mir alles, aber ich werde hier nicht glücklich. Und ich habe außerdem das Gefühl, dass sie mit mir nicht zufrieden ist. Ich möchte das ändern. Ich kann meine Aggressionen nicht zügeln und möchte ihr nicht weiterhin wehtun", erzählte Sandro mit dem Blick am Boden gefesselt.
Die beiden setzten sich am Wegrand ins Gras und diskutierten dort weiter.
"Das verstehe ich, aber warum musst du dafür gleich in die Parallelwelt?", fragte die junge Frau.
Nach diesem Satz nahm Sandro ihre Hand und blickte in ihre smaragdgrünen Augen.
"Dort kann ich mich nicht mehr verwandeln. Das wird mir helfen. Es tut mir leid, dass ich gehe, aber es muss einfach sein", sagte er.
"Aber du wirst zurückkommen, oder?", fragte Penelope ein wenig niedergeschlagen.
Sandro wusste keine genaue Antwort auf diese Frage. Doch um sie zu beruhigen, nickte er selbstverständlich.
"Mach dir um mich keine Sorgen", lächelte er sie an.
Sie strich mit ihren Fingern über seine Wange. Sandro zögerte erst ein wenig, doch dann nahm er ihr Gesicht in die Hände und zog sie an sich heran. Liebevoll küssten sie sich und als ihre Lippen sich wieder voneinander lösten, gab Sandro ihr noch einen kleinen Kuss auf die Stirn.
"Ich werde dich vermissen", flüsterte Penelope.
"Ich dich auch", erwiderte Sandro.

Ende Akt 2 *-*

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