Gefangene des Amuletts <3

Bild von mussdennallessoperfektsein

Also auch dieser Text ist schon bei einem Wettbewerb, aber meine Freundin bekniet mich seit ich ihn eingereicht habe, dass ich unbedingt weiter schreiben soll. Da dachte ich mir, ich frag mal euch (:
Viel Spaß bei Lesen <3

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Gefangene des Amuletts

Norditalien, 1771

Der Bote betrat wie vereinbart die baufällige Kirche. Gleich darauf fluchte er unterdrückt, da er eine Rattenfamilie bei ihrem Festschmaus gestört hatte und die widerlichen kleinen Nager nun aufgeregt um ihn herum liefen. Seine Augen, die sein junges Alter verrieten, versuchten den Beichtstuhl in der triefenden Dunkelheit auszumachen, aber alles was sie sahen war Schwärze.
Der Bote wurde immer unruhiger, während die Stunden verstrichen. Vielleicht verspätete er sich?
Unmöglich, er hatte sich noch nie verspätet. Nervös nestelte er an dem Beutel herum, den er seinem Auftraggeber geben sollte, und rückte seinen Hut zu Recht, ehe er sich besann, ihn abzunehmen. Er hatte furchtbare Angst, da er nicht die gewünschte Nachricht überbringen würde. Quälend langsam verstrichen die Stunden, die die Schönheit der Nacht altern ließen, und der junge Mann stand immer noch an Ort und Stelle, den Hut zwischen seinen unruhigen Fingern zerquetscht.
Als der Morgen nicht mehr fern war, packte ihn plötzlich ein starker Schatten. Der Bote kämpfte und wehrte sich, aber er war dem Fremden schutzlos ausgeliefert. Angst überkam ihn jäh, als der Angreifer ihn in einen der Beichtstühle zog und auf die unbequeme Bank drückte. Hektisch begann der junge Mann das Ave Maria nieder zu beten und um Gnade zu betteln. Er hörte wie die Tür des Beichtstuhls geschlossen wurde und begann angsterfüllt zu schreien. Er wollte nicht sterben.
„ Ave Maria gratia plena dominus tecum Benedicta tu in mulieribus…“, keuchte er angsterfüllt, während das Gitter, das die beiden Seiten des Beichtstuhls trennte, zur Seite geschoben wurde.
„Et benedictus fructus ventris tui – Jesus…“ .
„ Sage mir, wie alt bist du?“, ertönte eine tiefe Stimme von der anderen Seite des Beichtstuhls, die in allumfassende Dunkelheit gehüllt war.
„W…w..was?“ , der Bote schrak zurück, als er begriff. „ Wie alt bist du?“, die Stimme klang verärgert. Hastig betete er seinen angeblichen Namen herunter, der ihm in seinem letzten Brief genannt worden war, so dass sein Auftraggeber ihn erkennen konnte. Nachdem er geendet hatte, schwieg der junge Mann, wohlwissend, dass er nun gerügt werden würde.
„ Hast du die gewünschte Information?“
Stille. Der Bote war erstaunt, ob der ausgebliebenen Züchtigung, dennoch beeilte er sich zu antworten: „ Ja, Herr.“
„ Dann gib sie mir.“
Der junge Mann schluckte und begann seine einstudierte Rede: „ Den Trevante wurde ein Nachkomme geboren. Vor drei Tagen erblickte das Kind kurz nach Sonnenuntergang das matte Licht der Welt. Der Mutter geht es erstaunlich gut, da ihre drei Söhne sie eifrig versorgen.“
„ Und das Kind ist?“, während dem Sprechen hatte sich ein bedrohlicher Unterton in die immer noch ruhige Stimme des Mannes geschlichen.
„ Der Säugling ist gesund und munter und…“, er räusperte sich „ und…es ist ein Mädchen.“ Eilig streckte er der Dunkelheit den Beutel entgegen. Noch während ihn sein Auftraggeber nahm, verdünnte sich die Luft um den Boten herum und er konnte förmlich spüren, was nun passieren würde. Er begann panisch an der Tür zu rütteln und fuhr angsterfüllt fort, an die heilige Jungfrau zu beten. Dann versagte ihm der Atem und sein Leichnam sank mit schreckensweiten Augen zu Boden.
Der Mann auf der anderen Seite des Beichtstuhls heulte auf wie ein verwundetes Tier, dann zerknüllte er den Inhalt des Beutels und ließ ihn in seiner bloßen Hand verbrennen. Zuerst zündete er den Beichtstuhl an, dann das ganze Gebäude. Als die ersten Dorfbewohner das brennende Gotteshaus erreichten, war der Mann schon lange mit der Dunkelheit verschmolzen.

Venedig, 1787

Die beiden Bettgefährten ließen voneinander ab und starrten sie entsetzt an. Alessandra Trevante lächelte grimmig, während sie auf das zerwühlte Bett zutrat. Michael, ihr ältester Bruder, beeilte sich in seine Hosen zu kommen und dabei gleichzeitig seine neue Eroberung vor ihr zu verbergen.
„ Michael, willst du mir nicht die junge Dame in deinem Bett vorstellen? Also wirklich wo bleiben deine Manieren!“, Alessandra klang erheitert, aber Michael wusste genau, dass seine Schwester ihn gerade mit Worten zum Schlachter führte.
„ Ja…ja natürlich. Anna, das ist meine Schwester Alessandra.“, stammelte Michael und offenbarte Alessandra ein Mädchen, das nicht älter als 15 zu sein schien, und das nun mit geröteten Wangen und verstrubbelten blonden Locken vor sie trat.
„ Signorina Alessandra, mein Name ist Anna Zanolla, ich bin das neue Dienstmädchen.“, unter Alessandras strengem Blick, senkte das Mädchen beschämt die Augen.
„ Dann solltest du dich schnellst möglich in der Kochstube melden, um dort deinen offiziellen Dienst zu beginnen. Beeil dich!“, seufzte Alessandra, während sie das naive Mädchen mit einer unfreundlichen Geste hinausscheuchte.
Eine peinliche Stille trat ein, als das Rauschen der Röcke des Mädchens um die Ecke verschwunden war. Schließlich erhob Michael, der inzwischen fertig angekleidet war, das Wort: „ Ich weiß, was du sagen wirst.“
Alessandra erlaubte sich ein ungläubiges Schnauben, wobei sie seinen Blick suchte und ihn mit ihren dunklen Augen fixierte.
„ Immer Michael. Immer, aber nicht an Mutters ersten Todestag.“, voll gefährlicher Wut stürmte sie aus dem hochherrschaftlichen Raum, während sie versuchte, ihre Tränen, die ihr aus den Augen treten wollten, zurückzuhalten. Heute vor einem Jahr, war sie zur Vollwaise und zur einzigen Frau der Familie Trevante geworden, indem ihre Mutter ihrem Mann ins Jenseits gefolgt war. Alessandra hatte ihren Vater nie kennengelernt, er war zwei Monate nach ihrer Geburt einer Infektion zum Opfer gefallen.
Unwillkürlich tasteten ihre zitternden Finger nach dem Amulett, das ihrer Mutter gehört hatte. Es war unscheinbar und das Gold, das das Bild der jungen Frau darauf einfasste, war schon ganz angelaufen, aber dennoch liebte Alessandra die Kette.

Vor dem Hausportal blieb sie stehen und rückte ihr Kleid aus schwarzer Seide zurecht, atmete tief ein und pustete undamenhaft ihre Ängste und ihre Trauer aus ihrem Kopf. Dann gab sie dem Diener ein Zeichen und schritt heraus, wobei sie sich bemühte ihren Rücken gerade und ihren Kopf hoch erhoben zu halten, damit niemand ihre Unsicherheit erkannte. Enrico, ihr jüngster Bruder, bot ihr seinen Arm an und sie ergriff ihn dankbar, um in die bereitgestellte Kutsche zu steigen, die sie zur Trauerfeier bringen würde.

Alessandra streifte durch die Reihen des alten Friedhofs, ab und zu blieb sie stehen und berührte vorsichtig einen der verwitterten Grabsteine bis sie ihr Ziel erreicht hatte. „ Genevre Trevante geb. di Lauro, geboren 1. 12. 1745 Mailand gestorben 23.6.1786 Venedig, Gott hab sie selig Requiescat in pace“ . Nun quollen die Tränen doch hervor und rollten über ihre zarten Wangen. Alessandra konnte nichts gegen ihre aufwallenden Gefühle unternehmen, denn sie schaffte es nicht ihre unsägliche Traurigkeit zu vermindern.
„ Da wo sie jetzt ist geht es ihr gut.“, erschrocken fuhr sie herum und sah sich einem jungen Mann von vielleicht 20 Jahren gegenüber, der sie ungeniert aus seinen traurigen Augen musterte. Sie reckte sich, damit sie nicht zu ihm hinauf blicken musste und sprach mit einem ungewollten Zittern in der Stimme: „ Wer seid Ihr, dass Ihr darüber urteilen könnt?“
Der Fremde verzog seine Lippen zu einem wissenden Lächeln, wobei es ihm gelang ihre Augen an die seinen zu fesseln: „ Dies ist eine berechtigte Frage, Signorina, ich werde gewiss ein Andermal darauf zurückkommen.“
Verwirrt schüttelte sie den Kopf und versuchte, sich aus dem Machtbereich seiner Augen zu befreien. Sie scheiterte kläglich. Dann schnippte der Mann mit den Fingern und wohlige Schwärze hüllte sie ein, die sie in das Reich der Ohnmacht führte. Kurz bevor ihre Welt aufhörte sich zu drehen, war es ihr als hörte sie die Worte „ Es tut mir leid.“

Das stete Rattern der Kutsche begrüßte sie, als sie erwachte. Stöhnend rieb sie sich den Kopf nur um gleich darauf schmerzerfüllt aufzuschreien.
„ Signorina Trevante, ich sehe Ihr seid wach und mehr oder minder wohlauf.“, Alessandra fuhr zusammen, als sich ein Mann, der eine blutrote Maske trug, aus der Dunkelheit auf der anderen Sitzbank der Kutsche hervorlehnte und sie begutachtete. Ängstlich hob sie die Lider und begegnete seinem durchdringenden Blick, der auf ihrem Hals ruhen blieb. Hektisch richtete sie sich auf, wobei sie versuchte, den Fremden nicht aus den Augen zu lassen.
„ Wo bin ich?“, sie musste flüstern, um ihre trockene Stimme zu schonen, auch wenn sie sich so unterordnete.
„ In einer Kutsche, Signorina. Ach, Eure Stimme ist ja ganz schwach! Trinkt!“, erwiderte der Mann, noch während ein silberner Becher in seiner Hand erschien. Wie hatte er das gemacht?
Zögerlich griff sie nach dem Becher, doch kurz bevor die Flüssigkeit ihre spröden Lippen erlöste, stockte Alessandra und starrte den Mann an. Der begann zu lachen : „ Wenn ich Euch tot sehen wollte, wärt Ihr schon längst in das ewige Reich der Seelen übergegangen.“
Alessandra hatte immer noch Angst, doch mehr noch sie war neugierig. Vorsichtig ließ sie ein paar Tropfen in ihren Mund laufen. Als nichts geschah, trank sie hastig mehr, jedoch ohne zu zeigen, wie durstig sie war.
„ Nun meine Liebe,“ erhob der fremde Mann wieder das Wort „ wir werden demnächst in Padua eintreffen, wo Ihr die Möglichkeit haben werdet, Euch erst einmal eurem Schönheitsschlaf hinzugeben.“ Alessandra nickte und lehnte sich gegen die Rückbank. Sie hatte begriffen, dass es nichts nützen würde, Fragen zu stellen oder zu versuchen zu fliehen.

Anna stand unbemerkt in einem der unzähligen Schatten der protzigen Eingangshalle, während die drei Trevantebrüder sich förmlich an die Gurgel gingen, alle verrückt vor Angst um ihre kleine Schwester. Ihr Herr würde sehr erfreut sein, wenn sie ihm davon berichtete.
„ Verdammt Michael, warum musstest du sie so verärgern, dass sie weggelaufen ist?“, schrie einer der Drei, sie glaubte er hieß Federico. Jetzt begann also die Phase der Verleumdung und des gegenseitigen Beschuldigens. Mit gefährlich glänzenden Augen fingen Michael und Federico an, sich zu umkreisen. Enrico, der Jüngste, barg das Gesicht in den Händen und schüttelte den Kopf. Der Arme, er war ein guter Junge.
Gerade waren die anderen beiden dabei sich unansehnliche blaue Augen zu verpassen, als das große Eingangsportal wie von Geisterhänden aufgestoßen wurde und eine Gestalt, die in einen schwarzen Umhang gehüllt war, stand in der Halle.
„ Schluss damit! Das ist genau das, was sie wollen!“, eine wütende Stimme wehte aus der Kapuze hervor, wobei sie auch in Annas Ecke gelangte. Sie erschauerte fürchterlich, als sie die Aura über sie hinweggleiten spürte. Ein Retter, schoss es durch ihren Geist und sie wich panisch zurück.
Auch die drei Trevantebrüder waren erstarrt, dann fasste sich Michael, den sie verführt hatte, und sprach: „ Signore Angelosante ? Ihr habt es gehört?“
Der alte Mann lachte rau, wobei er wie zufällig seine Hand unter dem Umhang hervorhob, auf der ein schwarzer Granitring thronte. Das Zeichen der Retter. „ Davon erfahren? Ich habe eine Hiobsbotschaft erhalten.“, schnaufte Tommaso Angelosante der Führer der Retter, von dem Anna schon viele Geschichten gehört hatte.
„ Signore, wisst Ihr etwa, was mit Alessandra geschehen ist?“, fragte Enrico mit flehender Stimme.
„ Oh ja, und ich wünschte, es wäre anders. Wisst Ihr zufällig, ob sie heute das Amulett ihrer Mutter getragen hat?“
„ Natürlich! Es war ihr Todestag.“
Der alte Mann schüttelte beinahe verzweifelt den Kopf, dann hob er den Blick und begann zu erzählen: „ Alessandra wurde entführt.“
Die drei begannen hektisch auf ihn einzureden, aber er hob nur gebieterisch die Hand. Anna wagte kaum zu atmen.
„ Sie wurde von Anhängern des Gemmenzirkels auf ihre Hochburg gebracht. Dort wird man sie aufgrund widerrechtlicher Gründe ihres verzerrten Glaubens opfern.“
„ Aber warum? Was hat sie getan?“, rief Enrico verzweifelt.
„ Sie ist die Tochter Eurer Mutter.“, seufzte Angelosante. Auf die verwirrten Blicke der Brüder hin, erklärte er: „ Vor vielen Jahrhunderten lebte Maria Scipiosus , eine mächtige Magierin, die die Gilde der Retter bedrohte. In einem blutigen Kampf, bei dem viele von uns ihr Leben ließen, besiegten wir sie und verbannten ihre Seele in vier Gemmen, Amulette mit der Macht etwas in sich zu behalten. Diese vier Schmuckstücke gab der damalige Großmeister der Retter, Riccardo di Lauro, seinen vier Töchtern zur Obhut. Doch Maria konnte immer noch durch ihre Seele Kontakt zu Sterblichen aufnehmen. So überzeugte sie einige der Unseren, die schwach waren, von ihren verqueren Ideen, damit sie ihre Seele mit Magie aus den Gemmen befreien und ihr zu neuer Macht verhelfen.“
Michael begriff: „ Aber unsere Mutter hieß di Lauro.“
Angelosante nickte: „ Sie ist eine Nachkommin der ursprünglichen Familie di Lauro und somit eine Hüterin des Amuletts. Als sie starb ging diese Aufgabe an Eure Schwester über, ohne dass sie oder Eure Mutter davon wussten.“
Anna ballte wütend die Fäuste ob der verdrehten Version der Retter. Ihr Herr würde erbost sein, dass seine Feinde so schlimme Unwahrheiten verbreiteten.
Michael schnappte nach Luft: „ Deshalb seid Ihr nicht zu ihrer Taufe erschienen.“ Der Magier nickte: „ Ich war außer mir vor Sorge damals, als ich in Norditalien von der Geburt Eurer Schwester erfahren habe, aber seitdem habe ich versucht sie so gut zu beschützen, wie es geht, aber die Spione des Gemmenzirkels, das sind die Magier, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Maria zu befreien, sind überall.“ Wie Recht er doch hatte. Anna wollte sich gerade zurückziehen, als sich eisige todbringende Geisterfinger um ihren schmalen Hals schlossen und sie ins Licht der Fackeln zogen. „ Wie diese junge Dame hier.“, der Großmeister der Retter lachte grimmig und drückte zu, dann erläuterte er den Trevantebrüdern seinen Plan, wobei die Leiche des Mädchens zu seinen Füßen lag.

„Auf geht’s Signorina, wir gehen tanzen!“
Alessandra hatte gerade den schüchternen Morgen, der sich in seiner schläfrigen Vielfalt über dem See entfaltete, betrachtet und darauf gewartet, dass sich der blinde Nebel verzog, als der junge Mann fröhlich in ihr Zimmer gestürmt war. Sie hob erstaunt den Kopf, nur um sich ein weiteres Mal in seinen Augen zu verlieren. Seit er sie auf dem Friedhof entführt hatte, war Alessandra ihm noch drei Mal begegnet, wobei ihr immer eine gewisse Leichtigkeit und eine Sorglosigkeit an ihm aufgefallen war. Nun packte er begeistert ihre Handgelenke und zog sie mit sich. Alessandra war verwirrt, erst ließ man sie tagelang in diesem Zimmer einsperren, nur um sie nun zum Tanzen zu zwingen.
„ Signore, lasst mich sofort los! Ich wünsche nicht zu Tanzen!“, protestierend und kreischend lief sie ihm mehr oder minder notgedrungen nach.
„ Nicht bis Ihr den Tanzsaal gesehen habt, Signorina!“, in seinen Augen sah sie den Übermut aufblitzen und musste sich gleich darauf zusammennehmen, um nicht zu vergessen wer und wo sie war.
„ Wenn Ihr meint, Ihr könntet mir die Kunst des Tanzens näherbringen, sollt Ihr Euch nicht davor fürchten, Euch zum Gespött der Leute zu machen.“, Alessandra lächelte herausfordernd, obwohl sie sich unsicher und wütend ob des Schweigens über den Grund ihrer Entführung war, und nahm den ihr angebotenen Arm an. Der Jüngling lachte offen, wobei er sie mit einer eleganten Drehung in einen Saal hineindirigierte, der dem Dogenpalast in Venedig leicht zur Konkurrenz werden könnte. Ihr stockte kurz der Atem, als sie die vielen wertvollen Bilder, allesamt in Goldrahmen eingefasst, und Freski erblickte.
„ Wo bin ich?“, ein Flüstern entschlüpfte ihren leicht geöffneten Lippen.
Der junge Mann lächelte: „ Signorina Trevante, darf ich Euch den Sala da ballo di un migliaio di angeli, den Saal der tausend Engel vorstellen. Kaum einem war es je gewährt, diese heiligen Hallen mit seinen eigenen Augen zu betrachten, so müsst Ihr Euch glücklich schätzen, dieses architektonische Meisterwerk bewundern zu dürfen.“
„ Ich ziehe es vor, darin zu tanzen.“, Alessandra ließ sich von dem Jüngling in die Mitte des Saals führen, währenddessen einige Violinen ihre süße Melodie strichen. Geleitet von der Musik schwebten sie durch das architektonische Meisterwerk, wobei sie den Blick gesenkt hielt, um seinen Augen nicht zu begegnen.
Nach einiger Zeit begann der Fremde die bei solchen Tänzen erforderliche Konversation, die sie höflich erwidern musste. „ Nun, wie gefällt Euch Euer Domizil?“
„ Es ist zweifellos die beste Gefängniszelle, in der ich je residieren durfte.“ Alessandra hatte erwartet, dass ihr Tanzpartner sie erstaunt fragen würde, wie oft sie denn schon in den Genuss eines Gefängnisaufenthalts gekommen sei, doch stattdessen meinte er nur betreten: „ Ist es das, als was Ihr dies empfindet? Als eine Gefangenschaft.“
Alessandra schwieg. Sie spürte, wie die Hand des Fremden ihr Kinn umfasste und es sanft anhob. Er zwang sie, ihn anzusehen. „ Ist es das, als was Ihr dies empfindet?“
Unter seinem Blick drohte die Entschlossenheit ihrer Antwort mit den Klängen der Musik zu verklingen, dennoch besaß sie die Kraft zu sagen: „ Ich kann mich nicht erinnern, dass ich freiwillig mit Euch mitgegangen wäre. Ich kann mich noch nicht einmal erinnern, ob ich überhaupt gegangen bin.“
Nun war es an ihm, zu schweigen, obwohl er nicht den Blick senkte. „ Ja, mir wurde nicht einmal erklärt, was ich hier soll; noch nicht einmal Euren Namen weiß ich.“, fuhr sie mit feuchten Augen fort. Sie hatte Angst, dass sie zu weit gegangen war, dass sie den Mann mit der roten Maske erzürnt hatte und doch konnte sie nicht aufhören.
„ Valentin Carputo, Sohn von Leandro Carputo, Anführer des Gemmenzirkels. Im 20. Lebensjahr, somit 1767 in Padua geboren. Ihr befindet Euch in der Residenz meiner Familie in der Nähe von Campo San Martino, nordwestlich von Padua.“
Erstaunt ob der vielen Information zog sie sich in ihren Tanzbereich zurück. Sie hatte gar nicht bemerkt wie sie diese unsichtbare Linie zwischen den Tanzpartnern überschritten hatten. Nun fand sie sich erstaunlich nah Valentins Brust, ihre Hände fest verschränkt. Dieser Junge verwirrte und faszinierte sie gleichzeitig. Er war anders als alle Jünglinge, deren Werben sie je begegnen durfte und das waren nicht wenige. Obwohl es Alessandra unangenehm war, war die Schönheit der Trevantetochter in ganz Venedig bekannt.
„ Danke Signore Carputo. Ich danke Euch für Eure Ehrlichkeit, dennoch habt Ihr mir noch immer nicht den Grund meiner Entführung genannt.“, flüsterte Alessandra und drehte sich geschickt unter seinem Arm hindurch.
Ein schelmisches Lächeln erhellte seine schönen Züge: „ Alessandra, überlassen wir die unschönen Fakten doch der Realität und geben uns nun ganz der Musik hin.“ Mit diesen Worten zog Valentin Alessandra eng an sich heran, nur um sie gleich darauf wieder in einer schwungvollen Drehung von sich fort zu stoßen. Auch die Musikbegleitung veränderte sich nun, sie wurde fordernder, anzüglicher.
„ Was machst du?“, unbemerkt hatten sie den formellen Zwang verlassen. Valentin lachte offen: „ Eine junge Tanzart aus dem feurigen Andalusien. Dabei geht es um den Körperkontakt zwischen Mann und Frau.“
Alessandra wich unsicher zurück, doch der junge Carputo zog sie wieder an sich, woraufhin sie sich von ihm führen ließ.
„ Zurück zu unserer Konversation.“, scherzte Alessandra „ Wenn deine Familie so reich ist, wie es scheint, warum sieht man euch dann nicht an der Seite des Dogen, oder auf dem Hochzeitsmarkt?“
Mit unverkennbarem Spott legte Valentin beide Hände an ihre Hüfte, was sie empört nach Luft schnappen ließ und drehte sie in der Luft. „ Meine Familie hat noch selten Wert auf gesellschaftliche Zwänge gelegt. Sie stimmt nicht mit den Ansichten des Dogen überein, warum sollte sie sich also am Hof zeigen? Aber natürlich halten Diener auf dem Heiratsmarkt Ausschau nach einer geeigneten Gattin für meinen Bruder und mich.“
„ Und sind diese Diener schon fündig geworden?“, Alessandra erschrak vor ihren eigenen so forsch gesprochenen Worten, doch Valentin schien es nicht zu stören.
Er beugte sich zu ihr herab, legte seinen Kopf auf ihren Hals und hauchte in ihr Ohr: „ Eifersüchtig?“
Sie schwieg, da ihr auffiel, dass sie tatsächlich ein wenig Eifersucht verspürte. Mit großen Schritten durchquerten sie den Raum und drehten sich eng, die Augen nie von denen des anderen gelöst. „ Meine Diener berichteten mir, dass der jüngste Spross der Trevante ein außerordentlicher Blickfang wäre, doch deine Schönheit verschlägt mir geradezu den Atem.“, sagte er schließlich.
Alessandra schlug beschämt die Augen nieder, währenddessen eine Hoffnung in ihr aufstieg. Vielleicht war sie keineswegs aus niederträchtigen Gründen entführt worden, sondern aus einer Art Werben des Carputosohn heraus. Wenn dies so sein sollte, dann würde eine schwere Sorge von ihrem Herzen fallen, wie ein gerade flügge gewordener Vogel. Sie lächelte : „ Dafür redet Ihr aber ganz schön viel, Signore Carputo!“
Die Violinen verstummten, wobei sie sie sich der eisigen Stille anschlossen, die den Raum plötzlich überzog. Alessandras Blick fiel auf das Portal, in dem der Mann aus der Kutsche stand, den Valentin ihr als seinen Vater Leandro Carputo vorgestellt hatte. Er trug wieder seine rote Maske, die jedoch das wütende Funkeln seiner Augen nicht verdecken konnte. „Valentin!“ , schrie er und stürmte auf sie zu „ Was fällt dir ein mich zu hintergehen! Ich habe angeordnet, sie in ihrem Zimmer einzusperren! Das Gör ist gefährlich merkst du das nicht, du unnützer Bastard!“
Alessandra spürte, wie Valentin sie bestimmt hinter sich schob, während er ihre Hand fest umklammert hielt. „ Vater, ich bitte Euch um Entschuldigung. Aber Signorina Trevante ist keineswegs bösartig oder von ihren Listen zerfressen. Bitte Vater, ich habe ihr nichts verraten!“ Verwirrt und zugleich ängstlich, fragte sich Alessandra, was Valentin ihr wohl verraten hätte, wenn sie länger getanzt hätten. Ein Schauer lief ihren warmen Rücken hinunter, als sie erkannte, dass sie nicht für den Brautmarkt hier war. Sie war sich noch nicht einmal sicher, ob sie die Villa überhaupt jemals wieder lebend verlassen würde.
Eine unsichtbare Kraft packte sie am Hals und schleifte sie zu Leandro Carputo, der sie kalt musterte.
„ Sie vermutet zu viel! Lass sie vergessen!“
Alessandra hatte furchtbare Angst, was nun geschehen würde, die durch Valentins verzweifelten Blick nur noch verstärkt wurde.
„ Vater, wenn ich sie jetzt vergessen lasse, erinnert sie sich nicht an mich!“ Aber Valentins Vater war nicht bereit, seine Auffassung in dieser Sache zu ändern und so schubste er Alessandra zurück in die Arme seines Sohnes. Er fing sie auf und drückte sie eng an sich, wobei er ihr beruhigende Verse ins Haar flüsterte.
„ Vater, bitte!“
Doch Leandro war unerbittlich. Alessandra wollte nicht vergessen, sie wollte nicht wie ein gutgläubiges Schaf dem Schlachter vorgeführt werden, ohne davon zu wissen, was mit ihr geschehen würde. Nun erhob auch sie ihre zitternde Stimme: „ Bitte Signore, ich weiß nichts. Valentin hat nur von seinem Namen und der geographischen Lage Euer Residenz gesprochen.“ Sie begegnete seinen gefühllosen Augen und erschauerte, dieser Mann kannte kein Erbarmen. „ Mach es, Sohn!“
Alessandra wollte fliehen, sich wehren, aber seine starken Arme, die sie eben noch geschützt hatten, hielten sie unerbittlich fest. Wieder spürte sie Valentins Finger, der langsam und todbringend ihr Kinn anhob und ihren Blick dem Seinen begegnen ließ. In seinen Augen standen unglaubliche Trauer und Reue für längst Vergangenes, sichtbar für jeden, der sich ihrem Zauber nicht verwehrte. Wenn sie sich ihm doch nur hingeben könnte.
Unwillkürlich wanderten ihre schwachen Finger ihren Hals hinauf, bis sie das Amulett ihrer Mutter erfühlten.
Bitte, Mutter! Wenn Ihr einer der tausend Engel dort oben seid, dann gebt mir die Kraft, mich seinen magischen Fähigkeiten zu widersetzen.
Sie konnte eine kleine aber bestimmte Wärme und ein Pulsieren spüren, die von ihrem Erbstück ausgingen. Eine warme Stimme schlich sich in ihren Kopf und begann mit seidiger Freundlichkeit, ein wirres Netz aus silbernen Gedanken zu spinnen. Gebt Euch dem seligen Vergessen hin! Ihr werdet es nicht bereuen! Gebt nach und werdet glücklich!
Sie war so müde. Mit schläfrigem Blick hob sie ihre Augen und wartete, dass Valentin ihr Gedächtnis an diesen Tag löschen würde. Es war, als ob ein blickdichtes Tuch aus feinster Seide über ihre Gedanken gelegt worden wäre. Als das wohlige Unwissen einsetzte, war Alessandra schon längst ins Reich der Träume hinübergewandert
„ Verzeih mir!“, Valentin kauerte noch immer neben dem Körper des Mädchens, das ihn seit langem das erste Mal dazu gebracht hatte, wieder etwas zu fühlen, und trauerte. Er wusste nicht genau, um was er trauerte, doch er wusste, dass der Grund dafür grausam war.

Alessandra schrie angsterfüllt, als der Kronleuchter sich mit der Absicht von der Decke löste, sich auf sie stürzen zu lassen. Wie in Zeitlupe sah sie das Schmuckstück auf sich herabfallen, während sie mit schreckgeweiteten Augen nach oben sah.
Kaum drei Stunden zuvor hatte ein fein gekleideter Diener sie in ihrem Zimmer, das ihr mehr und mehr als Gefängniszelle erschienen war, aufgesucht, ein tiefrotes Ballkleid über dem Arm. Sie hatte ihn geflissentlich ignoriert, doch der Mann hatte das Kleid auf ihrem Kleiderschemel abgelegt, mit einem leichten Klatschen seiner Hände zwei junge Schneidermädchen hinter sich offenbart und ihr erklärt, dass Signore Carputo mit ihr zu speisen wünsche. Verzweifelt hatte Alessandra, die in den letzten Tagen immer unruhiger geworden war, da man sie nicht aufklären wollte, was mit ihr geschehen würde und warum die Carputos offensichtlich über mysteriöse Kräfte verfügten, versucht, den Bediensteten dazu zu bringen, ihr etwas über ihr Verbleiben zu verraten.
Der junge Mann hatte ihr jedoch dienstbeflissen mitgeteilt, dass sie früh genug erfahren würde, wonach sie strebte. Mit diesen Worten hatte er sie in ein nobel eingerichtetes Speisezimmer geführt, in dem Alessandra die neugierigen Blicke vieler Edelmänner ertragen musste. Sie hatte gezittert, als man sie neben Leandro Carputo gesetzt hatte.
Obwohl sie den Conte nicht kannte, wusste sie, dass sie sich vor ihm in Acht nehmen musste. Wie immer, wenn Alessandra aufgeregt und nervös war, spielte sie an dem Amulett ihrer Mutter herum, dass ihr in den letzten Tagen so viel Trost in der ewigen Einsamkeit geschenkt hatte. Doch diesmal blieb ihre Eigenart nicht unbemerkt, nein die Männer schienen ganz aufgeregt zu werden. Einer streckte sogar die Hand nach dem Schmuckstück aus, wobei ihm ein wenig Speichel in den weißen Bart tropfte. Was ging hier vor?
Alessandra schrak angewidert und verwirrt zurück, wobei sie sich fest in ihren Lehnstuhl drückte. Wie durch Zufall blieb ihr Blick an Valentin hängen, der scheinbar interessiert auf das Diamantglas vor sich starrte. Nach dem Mahl begaben sich die Herrschaften in den Saal der tausend Engel, um sich dort bei Tanz und Musik zu amüsieren.
Obwohl sie sich sicher war, den Saal das erste Mal zu betreten, hatte Alessandra das irritierende Gefühl, das alles hier zu kennen. Ja, sogar den Namen hatte sie geahnt, als wäre er die ganze Zeit verborgen durch die Gefilde ihres Geistes gespukt und erst in diesem Moment an die Oberfläche geschwommen. „ Signorina Trevante möchte uns sicherlich allen die Ehre eines Tanzes erweisen.“, erhob nun Leandro Carputo die Stimme, woraufhin die Herren wohlwollend nickten und den Musikern ein Zeichen gaben, von ihrer musikalischen Gabe Gebrauch zu machen.
„ Darf ich bitten?“, ein älterer Edelmann war vor sie getreten und verbeugte sich nun linkisch.
“NEIN !!!“ wollte Alessandra am liebsten laut schreien, doch stattdessen knickste sie höflich und ließ sich von dem humpelnden Mann auf die Tanzfläche führen. Angst wallte in ihr auf, als sich der eiserne Griff des Mannes um ihre Hüfte schloss. Sie wollte nichts mit diesen alten, gemeinen Männern zu tun haben.
„ Es tut mir Leid, wenn ich Euch zu fest anpacke, Signorina, aber als Jüngling wurde meine Hand im Kampf gelähmt, so dass sie nun leicht verkrampft. Wartet, ich werde Euer Empfinden lindern, wenn ihr erlaubt.“, bemerkte der alte Mann, während sie mehr oder minder elegant durch den Saal tanzten. Wie wollte er das machen? Es war unmöglich.
Und doch, nach ein paar gemurmelten Worten seitens des Herren, flaute der Druck an ihrer Hüfte merklich ab. Mit schreckensstarren Augen sah Alessandra zu ihrem Tanzpartner hinauf und keuchte leise auf. „ Was seid Ihr und Eure Freunde?“
Der Mann lachte kratzend: „ Was wir sind? Wir sind Magier, Menschen, denen die Gabe gegeben worden ist, die Welt zu sehen, wie sie ursprünglich war.“ Gerade wollte Alessandra erwidern, dass Magier und Zauberer nur in keltischen Ammenmärchen auftraten, als ihre Hand gepackt wurde und Valentin vor ihr stand.
„ Ich darf doch.“, bemerkte er scharf, währenddessen er sie schon fort von dem Magier geführt hatte. Er drehte sich mit ihr zur Musik im Kreis, wobei sein Finger sanft ihre Unterlippe streichelte, die unbemerkt zu zittern begonnen hatte.
„ Fürchte dich nicht! Wir sind Menschen wie du und alle, die du kennst. Nur dass Magier mit der Gabe geboren werden, Zauber auf ihre Umgebung zu wirken.“, flüsterte er besorgt. Alessandra wich panisch vor ihm zurück: „ Das heißt, du bist einer von ihnen?“ Er nickte. Sie quietschte überrascht: „ Das war es auch, was du auf dem Friedhof mit mir gemacht hast; und das mit deinen Augen.“
Plötzlich blickte er amüsiert: „ Nein, das mit den Augen ist eine andere Magie. Aber schau mich an, sehe ich etwa aus, als hätte ich einen Bund mit dem Teufel geschlossen?“ Er lächelte besonnen, als ob ihn diese Vorstellung erheitern würde. Alessandra schüttelte stumm den Kopf. Das alles war so neu und angsteinflößend für sie und sie wusste immer noch nicht, was diese Magier von ihr wollten.
Eine gewaltige Explosion erschütterte das Gebäude, die die Vasen klirren und die Wände beben ließ. Alessandra ging instinktiv in die Knie. Was geschah hier? Auch unter den Männern war Panik ausgebrochen, denn sie liefen alle wie wild durcheinander. Flammen züngelten an den Teppichen entlang und steckten Vorhänge und Gobeline in Brand.
Unbemerkt liefen Tränen ihr angstverzerrtes Gesicht hinunter, während Alessandra panisch nach Valentin, den sie in der Hektik aus den Augen verloren hatte, suchte. Nun stand sie in der Mitte des Saals, als der Kronleuchter direkt über ihrem Kopf zu wackeln begann.
Sie versuchte verzweifelt sich zu bewegen, und obwohl alle Stimmen in ihrem Kopf sich zu einem Chor bündelten, der ihr befahl sich zu bewegen, war es ihr unmöglich ihren Blick von der Lampe zu lösen. Wie gebannt stand sie da, unfähig auch nur mit der Wimper zu zucken. So würde sie also sterben. Eine seltsame Ruhe überkam sie.
„ Alessandra, nein!“, ein Schrei von naher Ferne, dann ein Körper, der sie von dem fallenden Gegenstand wegstieß. Als ob Alessandra von dem Grund eines tiefen Sees aufgetaucht wäre, schwappte die Realität über sie wie eisiges Wahrheitswasser. Sie keuchte. Neben ihr regte sich Valentin, der sie geschockt anstarrte. Eine Sekunde trafen sich ihre Augen und sie konnte unglaubliche Erleichterung in seinem Blick lesen. Dann raffte er sich hoch und hob sie auf: „ Komm, zu den Kutschen!“
Alessandra hing erschöpft in seinen Armen, während er verzweifelt einen Weg aus dem rauchigen Inferno suchte. Inzwischen leckten die gierigen Flammen bis zur Decke, die schon gefährlich wackelte. Kurz bevor sie den Ausgang erreichten, erblickte Alessandra vier ihr wohl vertraute Gestalten, die ihr Herz erstaunt höher schlagen ließen.
„ Alessandra!“, schrie Enrico, ihr jüngster Bruder, und versuchte durch den Rauch zu ihr zu gelangen. Neben ihm tauchten Michael, Federico und Tommaso Angelosante, ein strahlendes Zepter in der Hand, auf. Er war ein langjähriger Freund ihrer Familie, doch was er hier tat, war Alessandra ein Rätsel.
Valentin stöhnte auf: „Retterpack!“, dann verlagerte er ihr Gewicht auf seinen linken Arm, streckte seinen rechten aus und ließ die vier nach hinten schleudern. Alessandra schrie ängstlich auf.
Dann waren sie draußen. Mit einem gewagten Sprung, hechtete Valentin auf eine Kutsche zu, aus der ihnen sein Vater hektisch entgegenwinkte. Sobald sie sicher im Innenraum saßen, fuhr die Kutsche mit einem Ruck los, wobei Alessandra mehr lag als saß. Dicke Tränen fielen auf ihr Kleid, doch sie versuchte nicht sie aufzuhalten.
Ihre Familie.
Sie war so kurz davor gewesen, sie wiederzusehen. Unsägliche Trauer erfüllte ihr Herz, so dass es schmerzte und brannte. Aber war der Schmerz nicht äußerlich? Mit von Tränen verschleierten Augen sah sie auf ihre Brust hinab und erschrak sogleich. Das Amulett hatte sich tief in eine Stelle über ihrem Herz gegraben, von wo es ein beunruhigendes rotes Leuchten aussendete.
„ Alessandra? Was zum Teufel?“, keuchte nun auch Valentin.
„ Ich weiß es nicht. Es ist einfach so passiert.“, diese Aussage schien die beiden Carputomänner mehr zu bestürzen, als sie selbst.
„ Meinst du es ist Maria?“, fragte er seinen Vater, der die Stirn in unschöne Falten geworfen hatte und sich nun fast fahrig darüber strich.
„ Ich weiß es nicht, mein Sohn.“
Mit großen Augen sah Alessandra zu Valentin hinauf: „ Ich bin müde. Ist es jetzt vorbei?“
Er seufzte, dann fuhr er ihr übers Haar: „ Ich wünschte, das wäre es. Aber ich befürchte, dass es gerade erst angefangen hat.“

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Das erste Mal Latein ist das Ave Maria und dann kommt da noch " Requiescat in pace " --> das antike R.I.P Rest in peace
Der "Sala da ballo di un migliaio di angeli " ist der Ballsaal der tausend Engel ( zumindest sagt das Google Translate :D )


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