15 Briefe Richtung Norden -11-

Hey!
Also Teil 11 ist da. Ein seeeeeeeeeeehr langer Teil- deswegen werde ich ihn 2-3 Unterteile aufteilen ..also ja.
Hier geht es dann um das Treffen von Sam und Finn. Viel Spaß!♥
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-11-
Finn,
weißt du, wo ich gerade bin? Warte, wieso frage ich das eigentlich andauernd? Du kannst mir eh nicht drauf antworten. Vielleicht wünsche ich mir einfach nur, dass du mir irgendwann eine Antwort gibst. Eine Antwort auf alle meine Fragen.
Ich sitze im Cafe. In dem Cafe, welches wir als letztes besuchten, nachdem wir schon eine ganze Reihe durch hatten. An dem Tisch, an dem wir saßen, sitzt jetzt ein älteres Ehepaar. Sie lächeln sich an, er hält ihre linke Hand fest. Ich sitze an dem Tisch dahinter. Erinnerst du dich? Damals, als wir uns trafen, da saß da ein Mann mit einem Tablett. Du hast ihn gefragt, ob du deine leere Espressotasse draufstellen kannst. Er nickte. Ich beobachtete das Geschehen, wie jemand, der nicht dazugehörte. Nicht zu dir gehörte. Danach hast du dir deinen Rucksack auf die Schultern gepackt und bist gegangen. Ich bin dir wie ein Hund nachgelaufen.
Halt, fangen wir von Vorne an.
Bevor ich dich am Dom treffen sollte, bin ich noch schnell in ein Klamottenladen und habe die hellblaue Hose, die ich am besagten 31. März mir Milena gekauft hatte, umgetauscht. Ich musste das noch machen, bevor wir uns trafen, weil sie zu klein war. Mir wäre es peinlich gewesen sie mit dir eine Nummer größer kaufen gehen zu müssen. Jetzt weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr wieso. Eine 36 war es, die zu klein war. Sie war nicht einmal zu klein, aber meine Mutter fand, dass sie zu eng saß. Sie hat generell ein Problem mit Röhrenjeans. Ich kaufte mir die selbe Hose also eine Nummer größer, 38.
Stopp, warte. Ja, schon wieder. Ich habe etwas vergessen. Bevor ich hier weiterschreiben kann, müssen wir noch einmal an den 1. April anknüpfen oder eher zum 2.
Ich war ja wie gesagt beim Friseur, aber das ist nicht das Entscheidende. Es geht um die Nachrichten, die du mir schriebst. “Fahren jetzt los.”
“Sind in zwei Stunden da.”
“ich freue mich so auf dich.”
“Das wird riesig.”
Das hat mir Angst gemacht, Finn. Ich habe mich auch wie verrückt auf dich gefreut, aber ich hatte wahnsinnigen Schiss davor, dich zu enttäuschen.
Ach, was ich dir noch erklären will; Ich habe auf drei Nachrichten nicht geantwortet, weil ich kein Guthaben mehr hatte. Ich musste es erst aufladen. Das war nichts Ungewöhnliches, weil seitdem ich mit dir schrieb, war mein Geld ständig weg. Und wofür? Dafür, dass ich am Ende nichts mehr hatte…
Egal, lass uns zurück zum 3. April, dem großen Tag(Darf ich mal lachen?) kommen. Finn, ich trinke gerade einen Espresso und beobachte das Ehepaar, dass so vertraut wirkt. Damals, bei unserem Treffen habe ich den ganzen Tag über nur einen Kakao getrunken. Ist dir das überhaupt aufgefallen? Und hier, in diesem Cafe gar nichts. Jetzt mache ich es dir gerade nach. Eigentlich wollte ich doch von Vorne anfangen, stimmt’ s? Tut mir Leid, ich bin so durcheinander.
Nachdem ich die Hose umgetauscht hatte, bin ich ganz schnell zum Dom gelaufen. Ich stand dann an unserem abgemachten Treffpunkt, doch du warst nicht da. Ich hatte erst angst, du wärst gegangen, weil ich über 10 Minuten zu spät dran war. Es war eine Viertelstunde, ich weiß. Ich rief dich an und du sagtest, du würdest bei einer Gruppe Straßenmusikern stehen. Ich folgte dem Klang der Musik, dann sah ich dich. Im ersten Moment war ich mir nicht sicher, ob das wirklich du bist, weil du gerade den Dom fotografiert hast und man dein Gesicht hinter der Kamera kaum erkennen konnte. Ich stand eine ganze Weile hinter dir, Finn. Unheimlich, was? Dann streckte ich meine Arme aus, und hielt dir die Hände vor die Augen. Es wäre perfekt geworden, hättest du dich in diesem Moment nicht umgedreht. Ich glaube, ich habe dir meinen Finger ins Auge gestochen. Wenn es so gewesen ist, dann tut es mir Leid. Du hast dich daraufhin ziemlich überrascht umgedreht, mich perplex angeschaut und dir ein Lächeln aufgezwungen. Ich habe gesehen, dass es gezwungen war. Dann hast du mich umarmt, was mich wiederum überraschte. Wir gingen los. Ich habe angefangen darüber zu jammern, wie neidisch ich auf deine Spiegelreflexkamera sei. Bin ich nicht wirklich, es war nur ein Vorwand um ins Gespräch zu kommen. Ich hatte Angst davor, dass die Stille uns irgendwann einholen könnte. Danach fragte ich, was du überhaupt in Köln machst.
“Mein Vater muss hier arbeiten und da ja eh Ferien sind, sind wir alle mitgefahren. Mama, Schwester, ich und natürlich Papa.” Ich nickte. “Ach so.”
“Wärst du nicht da, dann wäre ich jetzt auf der Baustelle bei Papa.”
“Und das wäre cooler?” ,fragte ich schärfer als gewollt, dann lachte ich um dies zu überspielen. “Quatsch”
“Sei ruhig ehrlich.” ,sagte ich, aber du hast darauf nicht geantwortet. War es dir zu blöd oder wolltest du mir nicht die Wahrheit sagen, weil du wusstest, dass sie mich verletzen würde?
Wir kamen im ersten Cafe an. Du bestelltest mir einen Kakao ohne Sahne. Erinnerst du dich, wie du mir über den Bauch gestrichen hast und “Abnehmen?” fragtest? Es war ein Scherz, ich weiß. Aber Finn, ich hasse Sahne, das hat nichts mit meinem Gewicht zu tun! Wir setzten uns nach Draußen, du hast deinen Kaffe, ich meinen Kakao getrunken. Ich kam mir ehrlich gesagt ziemlich kindisch damit vor, aber …ich mag Kakao halt. Du hast dir eine Zigarette aus der Schachtel gezogen und sie anschließend mir entgegengestreckt. Ich habe zugegriffen. Am Nachbartisch hast du den Mann, der bestimmt über 40 war, angequatscht. “Hey, hast du Feuer?” Aber du hast es mit einem Scharm gemacht, der mich überraschte und zum lächeln brachte. Er gab uns ein Feuerzeug und du hast meine Zigarette angezündet. Da saßen wir also, rauchten und tranken.
Später wolltest du, dass ich mich näher zu dir setze, doch ich habe darauf nicht reagiert. Nicht, weil ich nicht wollte. Eher weil ich nicht konnte oder …nicht verstand. Es war ernst gemeint, doch das wusste ich nicht. Und das war mein erster Fehler. An diesem Tag habe ich noch viele andere gemacht, die aus uns ein Du und ich gemacht haben. Falls wir je ein uns waren.
Sweet innocent child
With your open eyes
You've seen us through
we really are
And I know that there'll be tomorrow
So that hope can have its glory day
And I wish that this world would embrase you
From magic stars and mystery
My open heart
Why did we make it so hard
This life is so complicated
Until we see it through the eyes of a child
Why did we make it so hard
This life is so complicated
Until we see it through the eyes of a child
Ich brauche eine Pause, lege den Stift auf die Seite und trinke den Espresso auf Ex. Mir schmeckt er ganz und gar nicht, doch ich bestelle mir einen weiteren, während ich beobachte, wie das Ehepaar langsam aufsteht und Hand in Hand davon spaziert.
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