Mein letzter Kampf

"Sie kommen, sie kommen!", das Kreischen war Panisch und voller Angst. Immer wieder wurde das Echo von den hohen Felswänden geworfen, die unser Dorf umgaben. Sie kommen, sie kommen. Um mich herum brach das Chaos los. Mein Vater packte sein Schwert und rannte aus unserer kleinen Hütte. Ich sprang aus dem Bett und rannte zu meiner kleinen Schwester. Mit großen Augen saß sie auf ihrem winzigen Bett und starrt mich angsterfühlt an.“Komm, du musst jetzt bei mir bleiben.“ Meine Stimme zitterte kaum merklich und ich hoffe, dass sie es nicht hörte. Ich reichte ihrer Meine Hand und sie klammerte sich daran als sei ich der Anker, der sie vor dem Ertrinken rettete. Mein Vater kam zurück. Ein Blick in sein Gesicht und ich wusste dass auch ich diesmal kämpfen müsste. Er warf mir ein Schwert zu. Ein großes, silbern und lang , das Schwert meines verstorbenem Großvaters.“Komm.“ Ich packte die Hand meiner Schwester fester und zog sie mit vor die Tür. Draußen schlug mir ein Gestank entgegen, der mir den Atem raubte. Überall rannten Frauen umher versuchten ihre kleinen Kinder.Männer sammelten sich in kleinen Gruppen um zu kämpfen. Ein kleines Mädchen, das bei der Panik um sie herum nieder getrampelt worden war lag als kleiner Blutfleck im weißen Schnee. Doch das Schrecklichste waren die vereinzelten große reptilienartige Gestalten, die umringt von Kriegern sich durch die Massen schoben. Mein Herz pochte mir bis zum Hals als ein Drache vorbei humpelte und eine panisch kreischende Menschenmenge mit seinen aus dem Mund quellende Flammen verbrannt. Nichts blieb übrig. Nur der Gestank von Tod. Etwas Bitteres kam mir hoch und ich musste mich übergeben. Meine Schwester weinte leise: „Er war dabei, oder Faya?“, ihre Stimme war verzweifelt und ihr Blick auf den Aschehaufen vor uns gerichtet. Ich nickte stumm. Es war als wäre mein Hals zugeschnürt und als ob ich nie wieder ein Wort sagen könnte. Meine Schwester liest meine Hand los und kniete sich neben den Aschehaufen. Alles um mich herum wurde still als ich mich neben sie hocke und auf den Staub schaute der einmal mein Vater gewesen war. Ein Wind lies meinen Vater aufwirbeln und auf einmal nahm ich wieder die Schreie, das Gebrüll der Drachen und das wimmern meiner Schwester wieder war. Ich packte den Griff des Schwertes fester. Mein Vater konnte ich nicht mehr retten, aber meine Schwester. Ich würde für ihr Leben kämpfen müssen. Ich war die nicht beste Kämpferin im Stamm aber ich würde sie beschützen. Mit beiden Händen nahm ich ihr Gesicht und drehte es zu mir, zwang sie mich anzusehen: „Hör zu Liah. Ich werde dich von hier wegbringen und du wirst machen was ich dir sage! Wenn du nicht tust was ich dir sagen, dann endest du so wie Vater! Du bleibst hinter mir und machst keine Dummheiten! Hast du mich verstanden?“, mit großen Augen sah sie mich an. Ich redete nie so mit ihr und meine Worte waren hart gewesen: „Ob du mich verstanden hast?“. Ängstlich nickte sie. „ Gut und bleib bloß hinter mich!“ Ich packte wieder ihre Hand und lief an die Hauswände geduckt los. Immer wieder musste ich Liah in eine Hütte stoßen, wenn ein Drache vorbei kam. Ich stieß mein Schwert in einen der schuppigen Panzer, wann immer ich konnte. Überall waren Rauch, Schrei und Blut. Meine Hände waren bald rot und klebrig, doch ich rannte immer weiter immer weiter an den Rand des Dorfes. Weg von der Gewalt, weg von meinem Vater und meine Schwester in Sicherheit. Am Rand des Dorfes machte ich halt und schaute zurück. Meine Schwester stolperte beinahe in mich herein und keuchte: „Ich kann nicht mehr Faya. Ich kann nicht mehr.“ Ihre Stimme war hoch vor Verzweiflung und Erschöpfung. Ich hatte Mitleid mit ihr und nahm sie auf meinen Rücken. Mit müden Schritten ging ich weiter ohne noch einmal einen Blick zurückzuwerfen. Nebel um waberte meine Beine und bald konnte ich nicht mehr sehen wo ich hinlief. Einmal rutschte ich beinah auf dem blanken Felsen aus, doch ich konnte mich wieder fangen. Plötzlich sah ich eine Bewegung im Augenwinkel und ich fuhr herum. Da stand er. Seelenruhig beobachtete er mich und das kleine Bündel auf meinem Rücken. Der Drache hatte große unheimliche Augen die in einem bedrohlichen gelb durch den Nebel funkelten. Das was ich erkennen konnte war die Gestalt eines Übergroßen Reptils mit schuppiger Haut und langen scharfen Krallen und Zähnen.Es war ein recht kleiner Drache und jeder Krieger in unserem Dorf wäre mit ihm fertig geworden, OB ich es schaffen würde....? Sein Maul war Blut verschmiert. Mit dem Blut meiner Freunde, meiner Nachbarn, meiner Verwandte, meinen Bekannten, alle hätten es sein können. Liah zitterte auf meinem Rücken und ich setzte sie ohne den Drachen aus den Augen zulassen aber beäugte jeder meiner Bewegungen und ich beäugte ihn. Aus den Mundwinkeln Zischte ich Liah zu: „ Lauf nach Norden. Lauf so schnell du kannst und warte nicht auf mich. Ich komme nach.“ Der letzte Satz war gelogen. Ich wusste nicht ob ich nachkommen würde. Doch sie vertraute mir und lief. Der Drache war inzwischen kaum merklich näher geschlichen. Er leckte sich genüsslich das Maul, dann sprang er mit einem Satz auf mich zu. Mein Herz tobte und mir rauschte das Blut in den Ohren. Mit einem Satz entging ich nur knapp den langen scharfen Krallen, die mich in Stücke geschnitten hätten. Dann drehte sich alles und meine Welt bestand nur noch aus Feuer, Rauch, Atem, Sprünge, Rollen, Schläge, Hiebe, sein Blut, mein Blut. Und dann lag er da. Mein Schwert in seiner verletzlichsten Stehle. Dem Herz-das man durch die durchsichtige Haut sehen konnte-unter seiner Kehle, durchbort von der scharfen Klinge. Zitternd Brach ich zusammen. Das Blut lief unaufhörlich aus meinem rechten Arm, dort wo mich die Krallen gestreift hatten. Ich ries ein Streifen Stoff von meiner eh schon halb zerfetzten Hose und wickelte ihn so fest ich konnte um meine Wunde. Es war dunkel und ich lauschte nach irgendwelchen Geräuschen .Nichts. Das Dorf lag zu weit hinter mir. Von dort hörte man nichts mehr. Absolute Stille. Ein Schrei. Voller Angst und Panik durch ries die Nacht. Entsetzt sprang ich auf. Ich hätte diesen Schrei unter tausenden erkannt und ich rannte ohne Nachzudenken mit dem blutverschmierten Schwert in der Hand darauf zu.Mein eigener Schmerz war vergessen als ich sie sah. Laut kreischte ich auf: „ Liah!“. Sie hatte sich an der Felswand zusammen gekauert. Ein Drache vor ihr. Bei meinem Ruf wirbelte er herum und sah mich gebleckten Zähnen an. Und da loderte etwas in meinem Inneren auf das mich mit einem Schrei auf ihn zustürmen lies. Hass. Hass darauf, dass er und seine Kameraden Jahr für Jahr unser kleines Dorf überfielen. Hass darauf, dass sie nahmen wen sie wollten und Hass darauf, dass sie meine Mutter, meinen Vater, meinen älteren Bruder und jetzt beinahe auch noch Liah genommen hätten. Mit voller Wucht rammte ich dem überraschten Drachen mein Schwert in die Kehle. Mit einem unheimlichen poltern kippte er um und lies den Boden erzittern. Seine großen leeren Augen starrten mich an. So plötzlich wie der Hass gekommen war verschwand er auch schon wieder und machte der Sorge um Liah Platz. Mit großen Schritten umrundete ich den massigen Leib des Drachens und eilte zu ihr. Ich kniete mich vor sie und musterte sie. Sie war vollkommen unverletzt. Vorsichtig als wäre sie zerbrechlich nahm ich sie in die Arme und strich ihr beruhigend über das Haar: „Alles ist gut Liah. Er ist weg. Er wird nicht wieder kommen. Wie ist das überhaupt passiert?“ Sie antwortete nicht. Ihr Blick war leer und mit schreckensgeweiteten Augen in die Ferne gerichtet. Ich folgte ihrem Blick und erstarrte. Der Nebel und der Rauch waren aufgerissen und man konnte den Himmel sehen. Zum ersten Mal im meinem Leben empfand ich wirkliche Angst. Der Himmel war über und über mit schlanken reptielartigen Siluetten bedeckt, die zum Landen ansetzten. Unzählige Drachen. Ich nahm Liah noch fester in die Arme und wandte den Blick ihren Haaren zu. Weg von der Aussicht nach dem Tod. Ich hatte alle Kämpfe in meinem Leben gewonnen, doch diesen würde ich verlieren. Mit einem Rumpeln landeten die ersten und als sie uns erblickte stürmten sie auf uns zu. Ich drückte Liahs Kopf an meinen Hals. Lange spitze Zähne. Dann wurde es dunkel und ich tauchte mit meiner Schwester in den Armen in die ewige Nacht.
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