Das ist meine neueste Geschichte :) dieses erste Teilkapitel dreht sich um Thrandol, das zweite dann um Merle (kommt noch). Viel Spaß beim Lesen - und Kommis nicht vergessen, mit Link mach ich auch gern Re's ..... ;)
Thrandol - Erwischt
Thrandol hastete durch die feuchten Gassen von Anadre, so schnell er konnte. Noch immer brauste der Wind um ihn, doch er konnte nicht stehen bleiben; die Schritte seiner Häscher polterten hinter ihm auf dem glitschigen Holz. Sein Bündel hielt er an sich gepresst, so fest er konnte; noch nie hatte er es verloren, und er hatte auch nicht vor, das zu tun.
Es waren die Hunde gewesen, machte er sich klar. Du wärst nicht erwischt worden, wenn die verdammten Hunde nicht gewesen wären, Thrandol, dachte er und verfluchte die Hunde und sich gleich mit, während er rannte.
„Bleib stehen! Dieb!“, schrie einer der Männer wutentbrannt; Thrandol machte sich nicht die Mühe, sich umzudrehen, sondern erhöhte sein Tempo weiter. Die Haare flogen ihm ins Gesicht, das eiskalt war wegen dem eisigen Wind, der ihm entgegenwehte.
Er schlitterte um eine weitere Ecke auf einen noch kleineren Steg - und blieb abrupt stehen, als er bemerkte, dass er auf einen kleinen Platz mündete. In dem Bündel klimperten die Münzen und Thrandol packte es fester. Wenn er seine Beute verlor und geschnappt wurde, konnte er den Tag vergessen.
Hastig sah er sich um; neben ihm stand ein Fahnenmast direkt vor den großen Häusern am Rand des Platzes. Mit einem kurzen Atemzug schwang er sich das Bündel über die Schulter, rieb sich die Hände, legte sie um das feste Holz und begann zu klettern.
In diesem Moment packte etwas seinen Knöchel und riss ihn zurück; mit einem lei-sen Aufschrei lockerte Thrandol für eine Sekunde seinen Griff, doch das reichte seinem Angreifer, um ihn zu Boden zu ziehen. Als er auf den Planken aufkam, wurde alle Luft aus seinen Lungen gepresst und einen Moment lang sah Thrandol Sterne, dann war alles wieder klar, und vor seinen Augen erschien das grobschlächtige, wütend verzogene Gesicht eines Rafallen. Als Thrandol ihn erkannte, stöhnte er leise.
Er holte tief Luft. „Tabios“, murmelte er dann mit einem tiefen Seufzen. „Hast du mich doch geschnappt, du bist schneller geworden.“
„Ja, Thrandol“, schnappte der andere. „Viel schneller seit der Zeit, als wir Kinder waren.“
„Du bist jünger als ich“, wandte Thrandol ein und beobachtete trotz seiner misslichen Lage amüsiert, wie die Gesichtsfarbe seines Gegenübers von normalem Rosa menschlicher Haut zu dem Rot einer Glutstelle wechselte. „Ich bin siebzehn, du erst sechzehn“, endete er fröhlich. Das Rot wurde noch tiefer.
„Ich wurde angenommen“, fauchte Tabios mit grimmiger Genugtuung. „An der Schule, an der du niemals angenommen werden wirst! Du Miststück von ...“ Er suchte kurz nach einem passenden Ausdruck. „Garfalsn-Abschaum“, fauchte er dann triumphierend.
Thrandol biss sich auf die Zunge, um sich das Schimpfwort zu verkneifen, das ihm auf der Zunge lag. Wer die Beherrschung verliert, verliert den Kampf, sagte er sich vor, wie ein Mantra. Faris‘ alte Weisheit.
„Ja, gut gemacht“, gab er gelassen zur Antwort. „Ich bin auch in die Lehre gegangen, weißt du?“
„Tabios“, murrte einer der anderen. „Schlag ihn bewusstlos und dann ab mit ihm, es ist verdammt feucht hier.“
„Schhht, Gard“, fuhr Tabios ihn zornig an. „Ich möchte das wissen!“
In dem Wissen, dass ihm nun Tabios‘ Aufmerksamkeit galt, fuhr Thrandol gemächlich fort. „Kennst du noch den Händler in der Vierten Gasse?“
Erneut ging in Tabios‘ Gesicht eine erstaunliche Farbänderung vor sich; war es zuvor tiefrot gewesen, wechselte es nun zu einem mit grün durchsetzten Wachsbleich. Zufrieden nickte Thrandol, soweit ihm das auf dem feuchten Boden möglich war. „Faris“, fügte er trotzdem noch hinzu. „Faris Dagten ...“
„Schon gut, ich erinnere mich!“, fauchte Tabios wütend. Thrandol gluckste. „Wundert mich nicht“, murmelte er. Mit einem gewissen Genuss erinnerte er sich an die Szene mit Faris, Tabios und dem Trank aus Froschhaut, doch dann riss er sich wieder zusammen. Darüber ist Faris hinaus, erklärte er sich mit Nachdruck, weit hinaus.
„Bei dem alten Hexer bist du in die Lehre gegangen?“, sagte Tabios ungläubig, und für einen Moment verschwand der grimmige Ausdruck. „Bist du von Sinnen?“
Thrandol zuckte nur lässig mit den Schultern. „Den Eindruck habe ich manchmal durchaus“, gab er zu. „Von ihm habe ich einiges gelernt“, fuhr er dann langsam fort und sah Tabios in die Augen, während er alle Muskeln anspannte.
Mit einem Mal riss er sich von Tabios los, kam auf die Füße und formte in seinem Mund die rettenden Worte, doch einer der Männer, Gard hatte Tabios ihn genannt, hatte sich aus seiner überraschten Starre gerissen, und so schnell er auch die Worte mit wachsender Verzweiflung und Lautstärke rief, er war nicht so schnell wie Gard.
Eine Faust traf ihn an der Schläfe; Blitze zuckten vor seinen Augen, doch noch hielt Thrandol sich aufrecht und sprach hastig weiter, obwohl seine Sprache etwas verschwommen wurde, dann schlugen nacheinander eine weitere Faust und ein Schlagstock auf seinen Kopf, und das war selbst für ihn zuviel.
Thrandol sackte zusammen, und während er bewusstlos wurde, empfand er vielerlei. Erstens, dass er fast soweit gewesen war, er hätte sich in wenigen Sekunden retten können. Zweitens Enttäuschung; die ganze Beute war verloren. Drittens furchtbarer Schmerz. Viertens, und dieses Gefühl war ihm ziemlich unbekannt - Furcht.
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