Black Tear vol. 1 [Part 5]

Freaks in Space
Er schreckte auf.
Robert lag nur mit Shorts bekleidet auf seinem Bett. Jeder Muskel, jeder Knochen tat ihm weh. Doch viel schlimmer war der Schmerz in seinen Augen. Die Sonne, die sein Zimmer mit ihrem Licht durchflutete, war wie ein Gift für ihn.
Er rappelte sich mit geschlossenen Augen auf und bewegte sich behutsam durch seine Wohnung in Richtung des Badezimmers. Dort angekommen, schloss er die Tür hinter sich und öffnete allmählich die Augen.
Obwohl er sonst in der Dunkelheit nichts hätte sehen können, kam es ihm so vor, als hätte er das Licht im Badezimmer eingeschaltet. Zudem sah er aber auch, dass in den Fugen der Duschen sich langsam Schimmel bildete, dass im Kamm einige seiner Haare einen rötlichen Schimmer hatten, und dass in der Ecke des Zimmers eine kleine Spinne hockte und auf Beute wartete.
Das, was sie mir gespritzt haben, muss wohl dafür gesorgt haben, dass ich jetzt besser sehen kann als vorher.
Robert besah sich im Spiegel. Auch seine Augen waren nun - wie die von Tamara - komplett schwarz und dort wo die Träne gestern Nacht herablief, hatte sich die Haut schwarz gefärbt.
Ich kann so unmöglich vor dir Tür gehen.
In einer kleinen Schublade im Badezimmer fand Rob ein Pflaster, dass er sich über die schwarze Stelle im Gesicht klebte.
Irgendwo in der Wohnung habe ich auch noch eine Sonnenbrille liegen.
Unbeholfen schlich Robert durch seine Wohnung, wobei er alle möglichen Plätze seiner Sonnenbrille vorsichtig abtaste. Nach mehreren Stößen am Kopf und angeschlagenen Zehen, fand er schließlich die Brille. Auch wenn seine Augen immer noch im gedämpften Licht schmerzten, so musste er nun nicht mehr völlig blind durch seine Wohnung stapfen.
In der Küche machte er sich erst einmal ein Frühstück und sah dabei ein wenig fern, da er sich erhoffte über den gestrigen Vorfall mehr erfahren zu können.
*Gestern Nachmittag fand ein Überfall im Bezirk Nr.3 statt. Mehrere bewaffnete Männer haben ein Café gestürmt. Außerdem berichteten Augenzeugen, dass einige der gerade anwesenden Passanten entführt wurden. Leider können wir ihnen noch nicht sagen, um wen es sich dabei handelt und wie viele Geiseln die Männer genommen haben. Die Polizei geht momentan jeder Spur nach.
Ein weiterer, sehr merkwürdiger Vorfall beschäftigt die Einwohner von Sunbroke City. In der gestrigen Nacht hat die Polizei eine weibliche Leiche in einer Seitengasse im Stadtzentrum gefunden. Es handelt sich dabei um die 23 Jahre alte Tamara Wellington. Die Todesursache sowie das Motiv sind noch unklar, man geht aber von einem Mord aus.*
Robert war geschockt, als er den Leichnam von Tamara im Fernsehen sah. Es war ein unerträglicher Anblick sehen zu müssen, wie die Eltern neben ihrer Tochter knieten und um sie trauerten. Und es war alles seine Schuld.
Während Robs Blick starr vor Entsetzen war und er ihn nicht von der schrecklichen Szenerie im Fernseher abwenden konnte, sah man im Hintergrund - hinter den Eltern von Tamara und der gerade abtransportierten Leiche - mehrere bewaffnete Männer in schwarzen Uniformen, die den Abtransport genau beobachteten und koordinierten.
Wäre ich doch nur nicht mit ihr dorthin gegangen.
*Die CrystalEYE Corporation ließ heute in einem kurzen Interview verlauten, dass ihr neues Mittel zunächst nicht auf dem Markt erscheinen wird, da unerwartete Nebenwirkungen aufgetreten sind.*
In dem Moment kam Robert ein Verdacht.
Was ist, wenn die CrystalEYE Corp. hinter dem steckt, was mir und Tamara gestern widerfahren ist?
Es passte für Rob alles zusammen. Denn wer sonst hätte die Mittel dazu gehabt, ihm ein Serum zu injizieren, welches seine Sehkraft verbesserte?
Die CrystalEYE Corp. macht also nicht nur Versuche an Tieren, sondern auch an Menschen.
Robert schaltete den Fernseher aus, zog sich frische Klamotten an und verließ seine Wohnung. Sein Weg führte ihn zum Institut, wo er auf das Shuttle wartete, mit dem er auf schnellstem Wege ins Stadtzentrum gelangen wollte.
Seine Augen schmerzten unter der Sonnenbrille und er musste sich des Öfteren verkneifen vor Schmerz aufzuschreien. Er kam sich sowieso schon recht albern vor mit dem Pflaster im Gesicht.
Nach einigen Minuten der Warterei kam das ersehnte Shuttle und hielt vor ihm und einigen anderen, wartenden Passagieren an und ließ sie eintreten.
Robert beschäftigte nur ein Gedanke: Er wollte die CrystalEYE Corp. zur Rede stellen, für das was sie ihm und vor allem aber Tamara und ihrer Familie angetan hatten. Er wusste noch nicht wie er es anstellen wollte, aber ihm war klar, dass er handeln musste. Würde er zur Polizei gehen, würde man ihm kaum glauben, denn wer wäre schon so dämlich und lege sich mit dem mächtigsten Konzern des Sonnensystems an? Zudem war Rob der festen Überzeugung, dass die CrystalEYE Corporation gute Beziehungen zur Polizei von Sunbroke City hatte, was das Ganze nicht einfacher machen würde.
Sein Plan war es, irgendwie an ein hohes Tier der Corporation zu gelangen und zu versuchen ihn zu überzeugen, sei es auch mit Gewalt.
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