Wer ist Shade?

Ich stand vor der Tür zum Badezimmer. Dahinter hörte ich sie. Sie lockte mich. Doch Ich widerstand. Eigentlich war es kein Widerstand. Ich versuchte nur mir selbst meine mangelnde Courrage und meine Ängste zu verschweigen.
Vor eineinhalb Jahren, war ich zuletzt hier. Alles war ihre Schuld. Ich träumte von ihr. Zum ersten Mal. Ich wusste, dass sie Shade hieß. Ich wusste es einfach. Ihre meterlangen schwarzen Haare wanden sich um sie und verdeckten mit dem flatternden schwarzen Gewand, Gesicht und Körper. Ihre Stimme war wie das Quietschen von Nägeln auf Glas, gepaart mit Zischlauten einer Schlange.
Ich wachte auf. Ruckartig. Ich zitterte. ‚Wer ist Shade?’ fragte ich mich. Ihr Bild verblasste schon. Dann wurde mir schlecht. Ich schaffte es gerade noch ins Bad, bevor sich meine Nahrung wieder meldete. Und plötzlich stand sie hinter mir. Ihre Haare glitten wie Schlangen über den Boden und umschlossen meinen Rücken, Tentakeln. ‚So ist es gut’ zischte sie.
Ich war krank. Lebensmittelvergiftung. Wegen zwei Eiern. Ich konnte nie richtig schlafen und immer wen mein Mageninhalt aus Tageslicht begab, stand sie hinter mir und sprach mir gut zu. ‚Ich bin deine einzige Freundin, Ich helfe dir nur’
Als ich wieder genesen war, spukte Shade nicht mehr in meinen Träumen herum. Doch sie war immer noch anwesend. Immer wen ich im Badezimmer stand, war sie plötzlich da. Sie versuchte mich zu zwingen, doch ich wollte nicht. ‚Nur noch eine Woche’ redete ich mir ein und mied das Badezimmer, so oft es ging. Doch manchmal musste es sein. Ich beeilte mich immer. Doch zuletzt zog sie mich doch in den Schatten.
Ich war zurück. Das Badezimmer hatte ich zurückgelassen. Doch Shade konnte überall auftauchen. Sie lies mich nicht mehr los. Irgendwann war mir das egal. Und mit der Zeit mochte ich sie. Heute würde ich das als Stockholm-Syndrom bezeichnen, oder etwas ähnliches. Auf jeden Fall, konnte ich jetzt nicht mehr verstehen, wie ich sie damals gemocht haben konnte.
Am Anfang bemerkte es niemand. Aber sie bemerkten nicht, dass ich mich gut fühlte. Und auch nicht das ich schön war. Sie merkten nur, dass ich Gewicht verlor. Shade flüsterte mir dann immer ein, sie seien eifersüchtig.
Aber gegen sie war Shade zu schwach. Sie brachten mich in ein anderes Zuhause. Das sperrte Shade ein. Nicht schlagartig, aber langsam. Die Klinik tat mir gut.
Ich war von der AuĂźenwelt abgeschnitten. Aber es war gut so, weil ich so ĂĽberlebte. Die Psychologen sagten, das es was mit dem seelischen Zustand von mir nach der Scheidung zu tun. Aber ich wusste es besser. Ich war einfach nur schwach gewesen. Zu viele Menschen hatten ihre Probleme auf mir abgelegt. NatĂĽrlich auch die Scheidung, aber das war der kleinste Teil.
Jetzt war ich zum ersten Mal wieder draußen. Ich hatte mich entschieden Papa zu besuchen. Ihn hatte ich länger nicht gesehen. Da stand ich wieder vor der Tür. Nur diesmal würde ich nicht hindurchgehen. Es war ja nur ein Tag. Shade tobte. Doch ich mochte sie nicht mehr. Der Respekt und die natürliche Angst, ließen sie mit jedem Besuch leiser werden. Sie ist nie ganz verstummt, aber ich konnte wieder stärker als sie sein.
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