Sonderausgabe 5 (21.06.08): Isabella Indiskretiona meets die Admins

Bild von Tinkerbell91

Isabella Indiskretiona:
Guten Tag Frau S., guten Tag Herr Dr. M., ich freue mich sehr, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um dieses kleine Exklusivinterview mit der WILD-Zeitung durchzuführen. Ein wichtiges Thema wird natürlich die Verschwörung sein, die Ihrer Onlinecommunity vorgeworfen wird, aber ich haben zuerst ein paar allgemeinere Fragen an Sie. Antworten Sie bitte spontan und natürlich.
Zunächst einmal würde es die Leser natürlich sehr interessieren, wo und wie Sie sich kennen gelernt haben.

Also zunächst mal herzlichen Dank, dass Sie Interesse an einem Interview mit uns gezeigt haben. Sie sind ja inzwischen schon berühmt und der Platz in ihrem Blatt heiß begehrt. Das ehrt uns also sehr. Wie immer gibt es uns auch hier im Doppelpack. Wir haben mal die individuellen Aussagen mit [@boyone] oder [@girl] gekennzeichnet.
[@boyone] Ich habe das @girl, also Frau S. das erste Mal auf Photos gesehen, von einer Weihnachtsfeier vom Rowohlt Verlag Ende 2001. Und als ich sie auf dem Photo sah, da wusste ich sofort, dass ist *BEEP* [Zensur]. Und deswegen habe ich mich bemüht enger mit ihr zusammen zu arbeiten. [@girl] Ich habe Herrn M. übrigens zuerst am Telefon kennen gelernt [wildes Gekicher]. Klingt jetzt unspektakulär? Ist es aber nicht, weil er bei mir rangegangen ist, was er bei anderen Menschen nicht unbedingt tut, aber dazu später…

Isabella Indiskretiona:
Sie arbeiten als Team zusammen. Wie sind da die Aufteilungen? Wer macht was? Und ein Punkt, der immer wieder interessant ist, gibt es manchmal auch Meinungsverschiedenheiten oder gar einen ausgewachsenen Streit?

[@boyone]Also die Arbeitsteilung zwischen mir und Frau S. ist ganz einfach. Frau S. ist die Frau für die Feinheiten, für die kreativen Dinge, für die Erfindungen und die gute Stimmung im Team. [@girl] *muaha* [@boyone]Und Herr Dr. M. ist der Mann fürs Grobe. Der muss Häkchen setzen, Views bauen und irgendwelche Module ein- und abschalten. Und fordert von Leuten immer wieder das Mitmachen bei unserer Verschwörung. Wenn sie versuchen sich abzunabeln, ist er sehr tyrannisch. [@girl] nicht nur in dieser Beziehung *lol* [@boyone] Und Streitigkeiten gibt es auch manchmal, aber dazu kann das @girl besser etwas sagen. [@girl] Na, das ist ja wieder ein perfekter Übergabepunkt. Ich muss mir jetzt wieder die Finger verbrennen. Herr M. ist natürlich keineswegs der Mann fürs Grobe, sondern der Feinmechaniker, der dieser überwältigenden Plattform das Laufen beigebracht hat und sie dann mit immer neuen Finessen auf den Catwalk schickt. Aber wir wollen uns deswegen nicht streiten. Tun wir eigentlich auch nicht. Folgende Situation führt allerdings grundsätzlich zu Streit. Frau S. muss immer Probleme und Gedanken so lange wie ein Mantra herunterbeten bis Herr M. zum Gollum wird und nur noch zischt „Ist gut jetzt! Ich will nicht mehr drüber reden!“. Das meint er freundlich, und es ist Eigenschutz, aber dann sind beide wütend still. Zwei sture Esel, aber Geschwister im Geiste. [@boyone] Jau.

Isabella Indiskretiona:
Frau S., Sie geben in Ihrem Profil bei besagter Community an, dass Ihnen der Mittwoch heilig ist, aufgrund von Desperate Housewives, Greys Anatomie und Private Pracitce. Im Moment läuft ja keine der angegebenen Serien. Was machen Sie nun an einem heiligen Mittwochabend? Hat er trotzdem noch einen ähnlich großen Stellenwert? Oder verzweifeln Sie regelmäßig – ähnlich, wie Ihre geliebten Hausfrauen – bis die Ausstrahlung fortgesetzt wird?

[@girl] Also juuut. Den heiligen Mittwoch muss ich auch unter normalen Umständen gegen einen finsteren Feind verteidigen, die Champions League. Da ist es doch wohl wirklich unerhört, dass jetzt beides pausiert oder? Aber mir fällt dabei was ganz Anderes auf. Sollte ich mein Profil mal wieder aktualisieren? Vielleicht am nächsten Mittwochabend *grinsel*

Isabella Indiskretiona:
Herr Dr. M., Sie geben an, dass Sie schon als kleiner Junge Tiernamen aus Naturführern abgeschrieben und Lexika von vorne bis hinten durchgelesen haben. Sie müssen zugeben, dass das recht merkwürdige Interessen für einen Grundschüler sind. Was hat Sie zu einem derartigen Verhalten bewogen? Vielleicht ein traumatisches Erlebnis in Ihrer Kindheit wie zum Beispiel die Begegnung mit dem gemeinen Hausschein oder einer pinken Fahrradklingel?

[@boyone] Ja, das wäre natürlich schön, wenn die Ursachen für diese schrullige Tätigkeit des Enzyklopädie-Abschreibens in erzählerischer Breite dargebracht werden könnten. Aber es ist ganz einfach: ich hatte keine Freunde. [@girl]*buhu*. [@boyone] Keiner wollte mit mir spielen und mich in seine Mannschaft wählen. Da blieb mir nichts anderes übrig als mich hinzusetzen und Bücher abzuschreiben. Das Leben ist bitter, aber es zwingt einen manchmal auf Umwegen richtige Wege einzuschlagen. Oder so.

Isabella Indiskretiona:
Frau S., Sie haben in Ihrer Bücherliste Titel wie „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche angegeben. Denken Sie nicht, dass Sie die unschuldigen Jugendlichen damit anregen dieses Buch zu lesen und Sie somit zu einem skandalösen und schockierenden Verhalten verführen?

[@girl] Ha, fataler Fehler, der aus gutem Willen erst entstanden ist. Ich war mir bewusst, dass meine Angaben durchaus als Empfehlung gelesen werden könnten. Deshalb die Idee 1:1 jedes Buch, das ich lese, aufzunehmen. Stellte ich mir seinerzeit ganz lustig vor. Mmmmmhhhh… Zwei Nachteile. Den einen sprechen Sie an, der andere: es ist dann doch irgendwie nicht immer aktuell. Dann wird nach der Zensur des Kampfküken-Videos wohl auch Charlotte Roche dran glauben müssen? Ach Quatsch, ihr habt doch euren eigenen Kopf!

Isabella Indiskretiona:
Herr Dr. M., in Ihrem Interview auf Emma-Channel sprechen Sie von einem Wettstreit beim Lesen... Wie ist das zu verstehen?

[@boyone] Das war vielleicht eine etwas zu vorschnell geäußerte Beobachtung, dass die Autorinnen von Emma beim Vortrag ihrer Texte so ein bisschen um die Gunst des Publikums zu buhlen schienen. Ich kann mich getäuscht haben, weil ich mit dem Verhalten junger Mädchen nicht so vertraut bin als alter Mann. Sollte es nicht so gewesen sein, bitte ich hiermit öffentlich um Verzeihung. [@girl] *seufz*

Isabella Indiskretiona:
Frau S., wie kam es zu der Erkenntnis, dass Sie nun nach einem Jahr endlich die Fassade der harmlosen Autoren Community fallen lassen können? Denn zu diesem Entschluss sind Sie offensichtlich gekommen, da Sie Ihre Tarnung in Ihrem Profil nicht mehr aufrechterhalten... "Und nun ist das (Emma-)Buch fast fertig." Und auch in einem Brief an unsere Redaktion erwähnen Sie das Ziel der Weltherrschaft, was macht Sie Ihrer Sache so sicher?

[@girl] Wir können über diese Verschwörung nicht im Detail sprechen, aber sie hat nichts mit dem Buch zu tun. *hihihihi* Es ist ein diabolischer Plan, dem die beiden Betreiber dieser Plattform folgen und der auch seine Früchte bereits trägt. [an dieser Stelle wird von den beiden Sprechern etwas herumgealbert] Das Stichwort lautet: Jungbrunnen. Ein großes wissenschaftliches Experiment, das die Auswirkungen der Phantasie in einem Schwarm auf die einzelnen Mitglieder testet. Es würkt. Aber psssssssst… (oh my god)

Isabella Indiskretiona:
Herr Dr. M., wie kommt es, dass unsere Redaktion im Internet auf vertrauliche Informationen stieß, die belegen, dass Sie bereits 1954 für eine Reederei tätig waren? In Ihrem Profil geben Sie an erst 1971 geboren zu sein, ist das nur Tarnung? Arbeiten Sie mit gentechnisch manipuliertem Material, um jünger zu wirken? Und wie schaffen Sie es, gleichzeitig für die Reederei und diese Schein-Autoren Community tätig zu sein? Haben Sie neue Erkenntnisse im Bereich des Klonens gemacht?

[@boyone]Nun. Die Antwort hierauf gab meine werte Geschäftspartnerin schon. Stichwort Jungbrunnen. Natürlich bin ich schon fast 100 Jahre alt, aber die Tätigkeit innerhalb der Autorenverschwörung hat mich jünger gemacht. Ich fühle mich wie ein Mittdreißiger, ich fühle mich aber auch irgendwie wie zwei … Ich brauche das Geld von der Reederei, um das große Schwarmexperiment zu finanzieren, und habe so nun unsere Tarnung gefährdet. *kreisch*

Isabella Indiskretiona:
Wenn es Ihnen Recht ist, würde ich jetzt doch gerne auf Ihre Community kommen. Beantworten Sie mir doch zunächst einmal die Frage, wie eigentlich die Idee zu solch einem Projekt entstand. Handelte es sich von Anfang an um eine Verschwörung oder war es zunächst wirklich ein Projekt für junge Autoren? Wenn letzteres zutrifft, wie erklären Sie es sich, dass solch eine verrufene Seite daraus geworden ist?

[@girl] Ich wähle b. Das ernsthafte Anliegen dieser Seite haben wir ja auch bereits auf dem Emma-Channel sehr deutlich formuliert. Die so genannte „Jungbrunnen-Verschwörung“ hat dann erst im Verlauf der Zusammenarbeit mit den ganzen kreativen, chaotischen, wunderbaren Mädchen und (nicht nur Fantasy schreibenden) Jungen ihren fatalen Verlauf genommen. [@boyone] Ja, wir schmeckten die Energie der Ideen und brauchten immer mehr davon.

Isabella Indiskretiona:
Unabhängig davon, was die ursprüngliche Intention Ihrer Seite war, entwickeln sich dort seit einiger Zeit neue Organisationen. Zum Beispiel ein Verein, der sich „Offizielle Stalkerinnen von *hust*“ nennt. Können Sie die Leser vielleicht aufklären wer oder was dieses *hust* ist? Bis jetzt hat sich nämlich keines der Mitglieder bereit erklärt sich dazu zu äußern.

[@boyone] Stalkerinnen von *hust*? Mmmhhhh… Habe ich noch nie von gehört, aber es scheint sich wohl um einen Unterstützungsverein für einen Asthmatiker zu handeln. Keine Ahnung, na ja, wenn man da spenden kann, ich mache mit.

Isabella Indiskretiona:
Außerdem gibt es noch eine neue Formation, die sich „Popö“ beziehungsweise „Popo“ nennt. Was ist Ihnen über diese Organisation bekannt? Und wie rechtfertigen Sie es, dass Sie ihnen bei der Suche nach dem so genannten „Superömmel“ unter die Arme greifen?

[@girl] Obwohl wir von Natur aus neugierig sind, müssen wir nicht alles wissen. Wenn eure Partys heute im Internet stattfinden und „Popö“ oder „Popo“ heißen: gut. Und unsere Partyregel ist, dass wir unsere Nutzer bei ihren kreativen Ideen unterstützen. Also helfen wir dem äußerst charmanten Party-Komitee doch gerne. [@boyone] Der Tyrann ergänzt: Wir mussten handeln und auch diesen Wahnsinn zulassen, damit es wenigstens in unserem fröhlichen Schwarm geschieht.

Isabella Indiskretiona:
Haben Sie kein schlechtes Gewissen, weil die Jugendlichen durch ihre „Autorencommunity“ total verkommen? Macht es Sie nicht traurig zu sehen, dass Ihre „Schützlinge“ einen Wettbewerb veranstalten, bei dem darum geht, wer am perversesten ist? Fürchten Sie nicht mögliche rechtliche Konsequenzen?

[@girl] Wir hatten ja bisher immer den Eindruck, dass wir die Welt ein bisschen besser machen. Und wo kein Kläger… Allerdings macht es uns schon Angst, wenn dann plötzlich die „Superömmel“ die ganze Energie auffressen, die wir so dringend an anderen Stellen brauchen.

Isabella Indiskretiona:
Zum Schluss habe ich auch an Sie noch die obligatorischen letzten Fragen. Wie stehen Sie zu Fahrradklingeln? Haben Sie Angst vor dem gemeinen Hausschwein? Was denken Sie, wenn Sie das Wort „Elefantenrüssel“ hören? Und vor allem, wie ist Ihre Beziehung zu Ihrem Telefon?

[@boyone] Ich kannte mal einen Elefantenrüssel, der war in Reinbek bei Hamburg. Der war riesengroß und hat unglaubliche Mengen von Flüssigkeit ausgestoßen. Ich fand ihn imposant. Hausschwein? Mmmmmhhh… Gebraten oder als Filet ganz okay. Fahrradklingel eher lästig. Und was war das noch? - [@girl] das mit dem Telefon - *ggrrrrrrg*, ich hasse Telefon.
[@girl] Seid ich weiß, dass Fahrräder auch sprechen können, sehe ich sie in einem anderen Licht. Hausschwein – da denke ich jetzt spontan an George Clooney, der ja grad mal wieder solo ist und sich mit ihm trösten muss. Elefantenrüssel, ja, da kann ich mich jetzt – da ich diesen Rüssel in Reinbek auch kenne – nicht mehr von diesem wunderbaren Bild lösen. Außer dass ich vielleicht hinzufügen könnte, dass ein großer weißer Elefant einem sehr viel Mut geben kann. Wenn er hinter einem steht.

Isabella Indiskretiona:
Ich danke Ihnen, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben und hoffe, dass Sie unserer Zeitung weiterhin treu bleiben werden.

WILD-Zeitung, 21.06.08

JUGENDVERSCHWÖRUNG IN VERANTWORTUNGSVOLLEN HÄNDEN

ii Die Bevölkerung dieses Landes kann aufatmen: von Seiten der Jugendverschwörung droht keine übermäßige Gefahr!
Diese erleichternde Erkenntnis erschloss sich einer unserer Mitarbeiterinnen gestern bei einem Interview mit den beiden Verantwortlichen der Seite. Schon zu Beginn des Treffens erwiesen sich Frau S. und Herr Dr. M. als äußerst angenehme Gesprächspartner, die die Chance einer Veröffentlichung in der WILD zu schätzen wussten:
„Sie sind ja inzwischen schon berühmt und der Platz in ihrem Blatt heiß begehrt. Das ehrt uns also sehr.“
Allen treuen WILD-Lesern wird durchaus ersichtlich sein, dass es sich hierbei um eine äußerst kompetente Einschätzung handelt! Eine große, von unserer Zeitung in Auftrag gegebene Bevölkerungsanalyse erwies, dass eine positive Einstellung zur WILD-Zeitung auf einen verantwortungsvollen Menschen schließen lässt.
Allerdings muss trotzdem erwähnt werden, dass Frau S. und Herr Dr. M. während des einjährigen Bestehens der Seite Fehler begangen haben… Schließlich ist die Reaktion der WILD unbestechlich – selbst bei so charmanten Schmeicheleien!
So saugen sie die kreativen Gedanken der Jugendlichen – „die Energie der Ideen“ – massenweise ab, um damit ihren Jungbrunnen (der ihnen nicht nur ein jüngeres, sondern auch ein Doppelleben erlaubt) zu unterhalten. Wird jedoch die ganze Kreativität für das Projekt aufgebraucht, entsteht bei den jungen Autoren und Autorinnen ein Übermaß an kriminellem Verhalten, dass von den beiden Betreibern toleriert wird, solange er ihnen zu nutzen ist: „Wir mussten handeln und auch diesen Wahnsinn zulassen, damit es wenigstens in unserem fröhlichen Schwarm geschieht.“
Die Motive der beiden sind bis jetzt noch unklar. Wahrscheinlich geht es wirklich nur um die Kraft des „Jungbrunnens“, doch im Fall des Herrn Dr. M.s kann auch eine allgemeine Rache an der Jugend nicht ausgeschlossen werden.
Doch offenbar haben die Jugendlichen mittlerweile eine Waffen entdeckt, die selbst den beiden eigentlichen Verschwörern einen kalten Schauer über den Rücken jagt: der prophezeite Oberömmel, die Personifikation der kriminellen und perversen Energien, der den Jugendlichen doch noch die Weltherrschaft bestimmen soll… ist das Projekt trotz der Kompetenz der Erfinder aus dem Ruder gelaufen?