Maskerade

Okay, dann werfe ich hier doch auch mal meinen Hut in den Ring! ;)
Viel Spaß mit dem Text!
glg
Cariba
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Überall wurde Musik gespielt, getanzt und gelacht. Auf den schmalen Bürgersteigen an den Kanälen entlang quetschten sich die Menschen in ihren prächtigen Ballroben, die Gesichter hinter Masken versteckt. Die Reichen hinter prunkvollen, fein bearbeiteten Holz – oder Schilplatt mit königlichen Pfauenfedern. Die Armen hielten sich einfache schmetterlingsförmige Schilder mit Hühnerfedern vor die Augen.
Der Lärm des Maskenballs war hier an den Hafenanlagen, ein paar Hundert Meter von der Stadt entfernt nur noch ganz schwach zu hören.
Ich stand auf der Kaimauer und wippte ungeduldig mit dem Fuß. Wo blieb sie denn?
Über den Dächern Venedigs zerplatzten Feuerwerkskörper, deren bunte, glitzernde Funken sanft nach unten rieselten. Der Maskenball hatte für heute Nacht seinen Höhepunkt erreicht. Ich rümpfte die Nase. Wir hätten einen anderen Treffpunkt ausmachen sollen. Nicht nur, dass ich hier viel zu weit weg vom Geschehen war um eingreifen zu können, nein hier stank es auch noch fürchterlich.
Gerade, als ich eine saftige Fluchtriade starten wollte, trat sie aus dem Schatten. Sie zog sich die rot-goldene Maske vom Gesicht und entblößte atemberaubend schöne Züge. Um ihre vollen Lippen, die die Farbe von Rosenblättern hatten, spielte ein amüsiertes Lächeln. Ihre grauen Augen funkelten, als sie sich eine braune Locke, die sich aus ihrer Hochsteckfrisur gelöst hatte, aus dem Gesicht strich. Mein Herz stolperte für mehrere Schläge aus dem Takt.
Noch ein Schritt aus dem Schatten heraus.
Ich hatte das Gefühl, dass tief in mir drin eine Feuerbrunst entfacht worden war. Sie trug ein enges, glutrotes Kleid, dass aussah, als wäre ihr Oberkörper hineingegossen worden. Darunter bauschte sich der dunkelrote Rock mit goldenen Schnörkeln über einer Vielzahl von Unterröcken. Das Amulett ruhte schwer in ihrem tiefen Ausschnitt. Wieder wurden Feuerwerkskörper über der Stadt gezündet. Die glitzernden Funken fingen sich in dem blank polierten Rubin und ließen geheimnisvolle, rote Schlieren über die makellose Haut der jungen Frau tanzen.
„Hallo Christian.“ Sie knickste übermütig.
„Hallo Cossette.“ Meine Stimme klang ungewohnt tief. Sie legte kichernd den Kopf schief und trat zu mir an die Kaimauer. Ich zog sie an mich und gönnte mir einen kurzen Moment der Ruhe. Gleich würde es noch turbulent genug werden. Cossette legte den Kopf an meine Schulter.
„Wer hat dir das Amulett überreicht?“, fragte ich und strich über die angelaufene Silberfassung.
„Kane. Abigail hat ihres von Mairae bekommen.“
Oh! Dem Göttergeschwisterpaar höchstpersönlich? „Wer hat die Fälschung?“
Meine Partnerin zuckte mit den Schultern. „Das haben sie uns nicht gesagt.“
Nachdenklich runzelte ich die Stirn. Ich wollte gerade etwas sagen, als ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm.
Ich schob Cossette sanft von mir. Sie hatte verstanden und zog sich wieder ihre Maske über. Ein letztes Mal lie0 ich meinen Blick über die Kaimauer schweifen, gönnte der Ecke nicht mehr Aufmerksamkeit als dem stinkenden Wasser, welches sich aus den großen Kanälen in die Lagune ergoss. Dann setzte auch ich mir wieder meine vergoldete Maske auf.
„Zwei, oder?“, wollte Cossette leise wissen und reichte mir ihre Hand.
„Drei.“; verbesserte ich und lief los. In den dunklen, engen Gassen stank es gewaltig nach faulendem Wasser. Im Schutz der Schatten huschten unsere Verfolger hinter uns her. Ohne das Tempo zu verändern oder Cossette loszulassen, zog ich meine Dolche.
Kurz bevor die dunklen Gassen in breitere Straßen übergingen wirbelte ich herum. Mein erster Dolch traf den Loreon-Dämon mitten in der Brust. mit einem entsetzten Aufschrei verpuffte er. Seine beiden Begleiter sprangen aus ihrer Deckung. Ich schob Cossette aus der Schusslinie und ließ meine verbliebene Waffe durch die Luft wirbeln. Die Dämonen waren gut, aber ich war besser. Innerhalb eines Wimpernschlages ging der Zweite in Flammen auf und der Dritte folgte kurz darauf.
Ich sah mich ein letztes Mal um, dann steckte in den Dolch wieder weg und strich mein Hemd glatt. Cossette hatte die Arme vor der Brust verschränkt und wartete ungeduldig auf mich.
Die Gasse ging in eine breite, mit maskierten Menschen vollgestopfte Straße über. Cossette und ich tauchten in die ausgelassene Menge ein. Wie beiläufig legte sie eine Hand über den roten Edelstein. Abigail und Jem stachen aus der Menge heraus wie zwei leuchtende Diamanten.
Sie sahen auf, als wir näher kamen. In Abigails Dekoltée ruhte ebenfalls ein blank polierter Rubin in einer angelaufenen Silberfassung. Die beiden Ketten waren identisch und doch hatte nur eine die Macht die Toten zurückzuholen und die Seelen der Menschen zu bannen.
Eine gefährliche Waffe in den falschen Händen. Jem nickte schweigend auf die Kathedrale, die sich hinter uns in den Himmel erstreckte.
Fast schon provozierend langsam erklommen unsere Frauen die Marmorstufen.
Als das prächtige Kirchenportal hinter uns zufiel, wurden wir von einer gespenstischen Stille empfangen.
„In einer halben Stunde treffen wir uns mit der Eskorte vor der Stadt.“, sagte Abigail leise. Jem horchte auf. „Wir bekommen Gesellschaft.“
„Na dann kann der Spaß ja losgehen. Wir sehen uns später.“ Cossette und ich stürmten durch das Mittelschiff der Kathedrale. Ich riss die nächstbeste Tür auf und schob meine Partnerin in den dunklen Gang.
Aus den Augenwinkeln sah ich Jem und Abigail durch eine Tür hinter dem Altar verschwinden. Um die zwanzig Lereon-Dämonen erschienen im Kirchenportal. Höchste Zeit zu verschwinden!
Cossette griff nach meinem Arm und zerrte mich weiter. Lautlos erklommen wir die steile Wendeltreppe.
Kratzgeräusche drangen zu uns hinauf. Ich hob eine Augenbraue. „Sie sind im Treppenaufgang!“
Cossette hetzte los, während ich meine Waffen erneut zog.
Seite an Seite stürzten wir auf das Dach hinaus. Oha! Eisiger Wind pfiff uns um die Ohren. wir standen unter einer grotesken Fratze eines Wasserspeiers, geschätzte zwanzig Meter über dem Boden. Die Dämonen kamen näher. Ohne zu Zögern packte ich Cossette am Arm und sprang. Sie quietschte erschrocken auf, als wir in die gähnende Leere fielen. Wir krachten durch ein rotes Samtdach und fielen mit einem dumpfen Aufprall auf die Holzdielen einer Gondel. Na dass nannte ich doch einmal ein Glück!
Ich reagierte blitzschnell. Bevor einer der verwirrten Männer reagieren konnte, hatte ich sie über Bord geworfen. „Hey Chris, das ist der Sohn des Dogen!“, rief Cossette. Ich drehte mich zu ihr um. Sie hatte Recht. Der kleine Schnösel saß wie versteinert am Bug der Gondel und hielt uns einen Beutel mit Gold entgegen. „Bitte verschont mein Lebe! Ich kann euch noch mehr geben, aber bitte nicht mein ...,“ Heulsuse! Seufzend packte ich den Kerl am Kragen und warf ihn kurzerhand zu seinen Männern in die dreckige Brühe.
„Er hat darum gefleht, dass wir ihn verschonen!“ Cossette klang empört, als sie sich auf die gepolsterte Bank setzte. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich wollte ihm nur einen Gefallen tun. So kann er etwas Schwimmen üben und verlernt dieses nicht.“
Sie schnaubte und verschränkte die Arme vor der Brust. „Du bist unmöglich!“
Ich griff nach dem Ruder und ließ die Gondel wieder anfahren. „Ich weiß!“
Kurz vor der Stadtgrenze wechselten wir wieder auf den Landweg. Im Gegensatz zum Stadtkern herrscht hier gähnenden Leere.
„Hier muss es sein.“ Cossette nahm wieder ihre Maske ab und schlang fröstelnd die Arme um ihren Oberkörper. Ich lehnte mich an eine Hauswand und ließ meinen Blick über den Kanal schweifen. „Du hast dein Hemd mit Blut eingesäut.“
Ich sah an mir herunter. Tatsache. Der schneeweiße Ärmel wies dunkelgrüne Sprenkel auf. Mist!
Abigail und Jem traten aus dem Schatten der Häuser. „Da seid ihr ja.“
Jem grinste breit und winkte ab. „Frag besser nicht.“
Ein greller Lichtblitz ließ uns verstummen. Drei Gestalten tauchten wie aus dem Nichts vor uns auf.
„Das Amulett bitte.“ Eine Frau in einem sehr kurzen Kleid und streng zurückgebundenen Haaren trat aus dem Licht und streckte uns fordernd die Hand entgegen.
Cossette öffnete Abigails Kette, die sie der leuchtenden Gestalt überreichte. Ich kniff die Augen zusammen, als die Frau knapp nickte und sich an ihre Begleiter wandte. Ohne noch ein Wort zu sagen verschwanden die Engel wieder. „Ich verstehe immer noch nicht, warum die Götter dieses dämliche Amulett nicht selbst überreichen konnten.“, brummte Jem und rieb sich die Schläfen.
„Weil nur die Engel es seinem rechtmäßigen Hüter geben können.“, erklärte Abigail ungeduldig. Ah ja.
Ein merkwürdiges Kribeln fuhr durch meinen Körper. Und das bedeutete nichts Gutes. "Seid ihr euch sicher, dass wir das richtige Amulett übergeben haben?"
Abigail sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. "Natürlich! Außerdem hätten sie es uns schon gesagt, wenn wir...," Ich winkte ab. Schon gut. Trotzdem wurde dieses merkwürdige Gefühl immer stärker. Was, wenn doch...
Cossettes wildes Fluchen unterbrach meinen Gedankengang. Fragend hob ich eine Augenbraue. „Mein Amulett ist weg.“
„Ähm.. ich will ja jetzt nichts sagen, aber wir hatten die Fälschung.“
Sie brachte mich mit einem warnenden Blick zum Schweigen.
„Das war ein original Rubin!“
Weiber!
„Also, was machen wir jetzt mit der angefangenen Nacht?“, wollte Abigail schnell wissen.
Ich griff nach der Hand meiner Partnerin.
„Ich glaube es soll ein turbulenter Maskenball in der Stadt stattfinden. Würdest du mich begleiten?“
Sie seufzte und setzte ihre Maske auf. „Mit dem größten Vergnügen. Es ist an der Zeit, etwas zu feiern.“
Vorsichtig hob das Mädchen in den zerlumpten Kleider und der einfachen Schmetterlingsmaske, den Anhänger von dem schmutzigen Kopfsteinpflaster auf. Er war erstaunlich klein. Vielleicht wie die Faust eines Kleinkinds. Vorsichtig strich sie mit dem Daumen über den dunkelroten Rubin in der reich verzierten, schon etwas dunkel angelaufenen Silberfassung. Der Stein war warm, fast so, als hätte ihn vor wenigen Augenblicken noch jemand am Körper getragen. Etwas Merkwürdiges, Mysteriöses schien an dieser matt glänzenden Oberflache zu haften, auch wenn sie nicht genau sagen konnte, was es war…
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