Die Therapie

Bild von Nazena

Der Starpsychiater Viktor Larenz hat eine 12jährige Tochter namens Josy, die an einer seltsamen, unerklärlichen Krankheit leidet. Eines Tages verschwindet sie spurlos aus einer Arztpraxis. Larenz erleidet einen Nervenzusammenbruch. 4 Jahre später ist er in einer Psychiatrie an einen Tisch gefesselt und erst seit 9 Tagen wieder bei Bewusstsein (vorher war er durch Medikamente komplett ruhiggestellt). Abends sollen Anwälte kommen, die endlich mit dem "vernehmungsfähigen" Patienten reden wollen. Der behandelnde Arzt, Dr. Roth, hat die Medikamente abgesetzt und will wissen, was genau damals eigentlich passiert ist. Larenz sagt, dass die Anwälte wissen wollen, ob und wie er zum Mörder wurde, und wenn Roth erst die ganze grauenvolle Wahrheit wisse, dann würde er Larenz verstehen. Im Gegenzug für seine Geschichte bittet er Roth um einen endgültigen Gefallen...

Von Fitzek bin ich nervenzerfetzende Spannung gewöhnt; die Art, bei der man herzrasend mit den Fingernägeln im Mund fieberhaft die Seiten umblättert und gar nicht schnell genug lesen kann. "Die Therapie" war sein Erstling, und mit späteren Werken verglichen, merkt man das auch. Zum einen habe ich schon sehr früh gewusst, woran die Tochter leidet, da ich die Symptome kenne; und zum anderen war mir ungefähr nach dem ersten Drittel klar, welche geistige Störung genau vorliegt. Allerdings habe ich mich aus Interesse schon näher mit diesem seltenen Syndrom beschäftigt, dem Autor sei also verziehen. Man kennt von Fitzek Irrungen und Wirrungen bis zum letzten Satz, und wenn man den Clou schon vorher errät, macht es irgendwie nicht mehr so viel Spaß. Normalerweise denkt man, die einzige Auflösung seiner Bücher können nur die Illuminaten oder "alles nur geträumt" sein. Es ist sehr faszinierend, wie Herr Fitzek es immer wieder schafft, selbst die abstrusesten Dinge logisch und plausibel erscheinen zu lassen. In diesem Fall war die Auflösung allerdings tatsächlich ein solches Schlupfloch, und keine "Realität". Das hat mich schon ein wenig enttäuscht. Auch wurden einige kleine Details (zB die Münze am Kamin) fallen gelassen, während Fitzek später bis ins kleinste Detail durchgeplante Romane vorlegt. Das Buch ist sehr spannend und im Vergleich zum normalen 08/15-Thriller allemal 5 Sterne wert, nur kommt es eben noch nicht auf die gleiche Höhe wie seine späteren Werke. Sein genialer Schreibstil ist allerdings schon gut zu erkennen. Wenn man noch keinen Fitzek kennt, würde ich vorschlagen mit diesem zu beginnen; denn wenn man erst den Augensammler oder Splitter liest, könnten die hohen Erwartungen ein bisschen enttäuscht werden.


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