2. Fragwürdige Erziehung eines Stadtbekannten Forschers

Bild von Tinkerbell91

WILD-Zeitung, 06.06.2008

FRAGWÜRDIGE ERZIEHUNG EINES STADTBEKANNTEN FORSCHERS

ii Dass die heutige Jugend statt in der Schule lieber in der Psychiatrie oder Strafvollzugsanstalt sitzen sollte, ist unseren aufmerksamen Lesern sicher nicht entgangen. Dass jedoch auch Kindern von hohen Mitgliedern der Gesellschaft dabei nicht ausgenommen werden können, musste eine unserer Reporterinnen gestern mit Entsetzen feststellen.
Ben Büb B., der Sohn eines stadtbekannten Forschers, fiel unserer Redaktion durch einen seltsamen Beitrag für den Malwettbewerb der WILD-Zeitung auf: das dunkle Motiv, das er sich ausgesucht hatte, war nur undeutlich auf dem pechschwarzen Hintergrund zu erkennen und deswegen schwer zu identifizieren. Ein Kunstexperte, der kurzerhand hinzugezogen wurde, bestätigte jedoch den Verdacht unserer Mitarbeiterin: der 10-jährige hatte ein ziemlich naturgetreues Abbild einer Hanfplantage bei Dunkelheit geschaffen!
Und damit nicht genug! Um dies zu vertuschen, verletzte das Kind sogar das Urheberrecht eines Spielhügelfilms! Seinen Angaben nach, handle es sich bei dem Motiv seines Bildes um Schattenwesen, die niemand außer ihm sehen könne – ganz genau so, wie im neusten Streifen des Amerikaners!
Auch nutzte er sofort die Gelegenheit, seine anderen Vergehen, auf diese mysteriösen „Schattenwesen“ zu schieben. Es muss zum Beispiel höchstwahrscheinlich davon ausgegangen werden, dass der 10-jährige für die fehlenden Autoreifen an zahlreichen älteren Autos zur Verantwortung gezogen werden muss! Für welche teuflischen Pläne er die Fahrzeuge hunderter Autofahrer fahruntüchtig machen musste, war bis Redaktionsschluss leider noch nicht bekannt…
Klar ist jedoch, dass auch hier gilt: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Statt harmlosen Versuchen mit Ameisen, muss wohl im geheimen Kellerlabor von der Züchtung blauen Hanfs ausgegangen werden…

06.06.08

Verehrte Frau Indiskretiona,

wenn ich doch sonst ein großer Fan Ihrer Artikel bin, so muss ich nun Einspruch einlegen was den heutigen betrifft. Mein Sohn wird darin als verwirrter Urheberrechtsverletzter dargestellt und auch ich selbst komme nicht gut weg. Ich möchte Ihnen versichern, dass meine Experimente alle ehrlicher Natur sind und ich keinesfalls mit Drogen zu tun habe.
Wenn Sie möchten, können Sie sich gerne selbst ein Bild davon machen, ich würde mich freuen, Sie in meinem Haus empfangen zu dürfen.

Hochachtungsvoll,
Prof. Dr. Bernhard B. Billerbeck

Isabella Indiskretiona:
Guten Tag, Herr Professor! Isabella Indiskretiona von der WILD-Zeitung. Sie hatten mich in Ihr Labor eingeladen...

Bernhard Bilius Billerbeck:
Ja, richtig! Guten Tag Frau Indiskretiona! Ich bin so froh Sie zu sehen!! Folgen Sie mir bitte in den Keller, dort können Sie sich meine Experimente anschauen. Im Moment forsche ich, wie mein Sohn Ihnen schon erzählt hat, an der Wirkung von blauem Gras. Ich vermute, dass sich Insekten davon abgestoßen fühlen, dass wäre natürlich ein Durchbruch, man könnte beispielsweise blauen Salat züchten, um so die Kaninchen davon abzuhalten.

Isabella Indiskretiona:
Haben Sie keine Angst, dass das Blau auch Menschen abstoßen könnte? Welche Schädlinge müssen Sie bei Ihrem Hanf fürchten?

Bernhard Bilius Billerbeck:
Meiner Meinung nach können die Menschen ruhig auch Abstriche machen, wenn es um das Optische beim Essen geht. Ah, gut das Sie auf die Sache mit dem Hanf zu sprechen kommen. Das ist ein furchtbares Missverständnis! Mein Sohn kann keine Hanfplantage gemalt haben! Ich baue doch keine Drogen an!!

Isabella Indiskretiona:
Aber wie kommt es dann, dass Ihr Sohn diese Pflanzen so täuschend echt malen kann? Wie ist Ihre Einstellung zu Gummienten? Sind Sie vorbestraft?

Bernhard Bilius Billerbeck:
Ich… ich weiß auch nicht… vielleicht hat er sowas mal im Fernsehen gesehen… oder in einer Zeitung… Gummienten? Ich weiß nicht…über solch banale Dinge machen sich große Forscher keine Gedanken. Vorbestraft? Ich…? Nein!!

Isabella Indiskretiona:
Natürlich... die Medien mal wieder...
Dürfte ich kurz Ihre Toilette benutzen?

Bernhard Bilius Billerbeck:
Natürlich doch, direkt dort hinten links. Ich warte hier auf Sie. Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause.

Isabella Indiskretiona:
Dankeschön! Das ist sehr freundlich! Könnten Sie bitte kurz meine Tasche halten?

Bernhard Bilius Billerbeck:
Natürlich, mit dem größten Vergnügen!