GAME OVER

GAME OVER
Als ich die Augen aufschlage, finde ich mich in einer geschützten Bucht nahe der Bastion wieder. Die blauen Wellen umspülen meine Stiefel auf Höhe der Knöchel etwas zu regelmäßig und jedes Mal verspüre ich dieses unverwechselbare Kribbeln, wie eine elektrische Wolke von Millionen Pixel, die meine Beine durchströmen.
Im Gegensatz zu vielen Menschen, über die man sagt, für sie stelle die Suche nach dem Sinn ihrer Existenz nicht selten ein größeres Problem dar, bin ich mir meiner Bestimmung völlig bewusst. Ich habe eine Mission! Und keinen Grund, daran zu Zweifeln.
An die Vergangenheit erinnere ich mich kaum, doch der Tag an dem ich sie zum ersten Mal erblickte, wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Wie sie ihr schimmerndes, blondes Haar mit einer kaum wahrnehmbaren Spur Verlegenheit hinter die spitzen Ohren strich. Ihr fragender Blick – ihr kindliches Erstaunen und ihre Hoffnung zerflossen darin zu einem Ausdruck, der mich noch heute erröten lässt, wenn ich nur daran denke.
Meine Faust schließt sich fester um den Griff meines Schwerts. Denn dieser unvergessliche Augenblick war zugleich der letzte, in dem unsere zaghaften Blicke einander begegneten. Ich ertrage den Gedanken nicht, sie ihn den blutbefleckten Händen dieses skrupellosen Monsters zu wissen. Ich wünschte, ihr sagen zu können, dass ich auf dem Weg zu ihr bin, sie schon bald in meinen Armen halten werde.
Ich werfe einen letzten beunruhigten Blick auf die futuristisch anmutende Skulptur, in deren Nähe ich grundsätzlich aufwache. Es muss einen einflussreichen Künstler geben, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, Replikate dieser leuchtenden Säulen in der ganzen Welt zu verteilen. Ein beeindruckendes Werk. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, woher diese Anziehungskraft rührt, die mich mit diesen Skulpturen zu verbinden scheint, wo diese Gebilde doch so untypisch für meine restliche Welt sind – Ich habe weite, grüne Prärien gesehen, stolze Tempel im tiefsten Dschungel, belebte Marktplätze, auf denen die lachenden Händler ihre Ware anpreisen und die geheimnisvolle Unterwelt, wo dunkle Magier die unheilvollen Geister, die sie heraufbeschworen zum Tausch anbieten – doch sie sind überall, diese futuristischen Glitzersäulen. Und jedes Mal wenn ich sie betrachte, beschleicht mich der beklemmende Verdacht, dass eine gewisse Verbindung zwischen diesem Künstler und mir besteht. Geht das etwa nur mir so?
Eine unbezwingbare Stimme in meinem Kopf erinnert mich an die Mission, und ohne zu zögern renne ich los. Bahne mir meinen Weg durch die Dünen. Meine Stiefel knirschen im Sand, doch ich bin voller Energie, spüre keinen Widerstand. Das holde Antlitz meiner Prinzessin leuchtet vor meinem inneren Auge auf – es ist, als würde ich über Wolken gehen. Wobei, das ist eigentlich immer so.
Dann tauchen die ersten Monster auf. Ich bin gut trainiert und schlage sie, ohne selbst auch nur einen Kratzer abzubekommen. Mein Schwert wird geführt von einer höheren Macht, in die ich mein ganzes Vertrauen lege. Amen.
Heute fallen keine verwertbaren Items für mich ab. Nicht mal eine handvoll Munition. Aber das stört mich nicht, ich glühe vor Euphorie! In den vergangenen Stunden ist das Ziel meiner Mission in beachtliche Nähe gerückt. Mein Blick schweift hinauf zur Bastion, im selben Augenblick erlebe ich ein kurzes Deja-Vu. Ist das möglich? War ich schon einmal hier? Unwahrscheinlich.
Der Weg hinauf erscheint mir beschwerlich. Ich frage mich, ob mein bisheriges Training sich hier bezahlt machen wird, doch wieder ergreift die unbezwingbare Stimme besitz von mir, lässt keinen Zweifel zu, zwingt mich weiterzugehen.
Ich stürme den schmalen Pfad hinauf, schiebe mich an einer Wand aus kaltem grauen Schieferstein entlang, als diese plötzlich durchsichtig wird. Ich kann Dinge dahinter erkennen, die keinen Sinn ergeben. Eine Art verzerrtes Gerüst schimmert wackelig durch das Loch, gegen das ich mich lehne und mir einzureden versuche, dass dies noch immer eine Wand ist. Als ich den Blick abwende, ist es auch schon verschwunden. Eine Kombination aus Erleichterung und Wahnsinn entlockt mir ein schräges Lachen, womit ich prompt die Aufmerksamkeit meiner Gegner auf mich ziehe. Damit habe ich nicht gerechnet und für einen Augenblick bin ich wie gelähmt. Ich stecke einige Treffer ein, bevor ich das Feuer erwidere. Die hundeartigen Wesen reißen ihre spitzbezahnten Mäuler auf, sodass der zähe Speichel mir entgegenspritzt. Obwohl mein Schwert die Kehle der Kreatur mit einem sauberen Schnitt durchtrennt, spritzt kein Tropfen Blut. Das muss mit einem gewissen FSK zu tun haben. Getroffen habe ich den aber noch nie.
Die Stimme in meinem Kopf wird wütend. Verständlicherweise, denn diese Verletzung habe ich meinem eigenen Leichtsinn zu verdanken. Hastig sehe ich mich nach einer Truhe um. Ich fass mir auch jedes Mal wieder ans Hirn, aber hier gibt es tatsächlich Leute, die so bescheuert sind, ihre Schatztruhen mitten auf der Straße zu verstecken. Darin findet man nicht selten Medikamente, Waffen oder sogar Geld! Und das beste daran ist: Niemand würde an Diebstahl denken, wenn er den Inhalt dieser Truhen in seine eigenen Taschen befördert.
Ich bin keine zwei Schritte weit gelaufen, als mit einem fiesen Piepsen die Stimme meiner Navigatorin beinahe mein Innenohr sprengt.
„Pass auf, Creime Brûlay!“ Tatsächlich, das ist mein Name. Noch so eines der vielen Dinge, die ich nie verstehen werde. Waren meine Eltern die größten Geeks in unserem schönen Universum, oder haben sie nur das falsche Kraut geraucht, als sie mich auf diesen Namen tauften? Meine Navigatorin ist so tolerant, keine abschätzige Bemerkung darüber zum Besten zu geben. Stattdessen fährt sie unbeirrt fort: „Dieses Areal wird von den Wächtern des dunklen Hexenmeisters kontrolliert!“
Als hätte ich selbst keine Augen im Kopf, als wäre ich nicht gerade eben von einem Rudel tollwütiger Köter überrannt worden. Ich würde sie gerne darum bitten, mich nächstes Mal früher zu warnen. Aber für Nebensächlichkeiten ist keine Zeit. Ich erinnere mich an meine Mission. Es wird Zeit, die Sonne geht bereits unter. Jeden Abend der selbe Anblick. Falls es in dieser Welt einen Gott gibt, sollte er Gimp heißen! Oder drücken wir es nüchterner aus: Einfallslose Pfeife.
Ich investiere einige Minuten, um meine Karte zu studieren. Obwohl ich zuversichtlich bin, es da hinaufzuschaffen, macht sich eine unbeschreibliche Nervosität in mir breit. Das muss an dieser ätzenden Musik liegen. Woher kommt die überhaupt? Es klingt, als würde ein erbärmlicher Penner versuchen, meiner Prinzessin mit seiner vermeintlich musikalischen Begabung auf der Orgel zu imponieren.
Es zeugt von nicht mehr als seinem missgebildeten Ego. Diese Erkenntnis gibt mir Mut zum nächsten Schritt. Ich muss einen haarstäubenden Parcours aus schmalen Balken und herabhängenden Seilen überwinden. Und der führt geradewegs über die Steilkante des Felsens, den ich zu erklimmen versuche. Unter mir – weit unter mir! – ist nur das Meer.
Ich vermeide den Blick in den Abgrund und bewältige den Parcours problemlos. Als hätte ich das schon mindestens zehnmal gemacht. Ein selbstgefälliges Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus – und erstarrt in dem Moment, als sieben bläuliche Puddings mit einem feuchten Klatschen vor meinen Füßen landen und mich augenblicklich mit einem Geschwader pfeilspitzer Nadeln bombardieren.
Im letzten Augenblick finde ich Deckung hinter meinem Schild. Sobald die erste Angriffswelle abgeklungen ist, zücke ich meinen Bogen. Ich find mich schon ein bisschen toll, wie ich so mit vier Pfeilen vier der Puddings erledige, und die restlichen drei mit einer perfekt platzierten Bombe flambiere. Meine Eltern wären stolz auf mich – könnten sie nur sehen, wie ich meinem Namen alle Ehre mache.
Nun trennt mich nur noch eine schmale Hängebrücke von der Tür, hinter der das widerliche Schwein glaubt, sich ungeniert an meiner wundervollen, zarten Prinzessin vergreifen zu können. Keine Sekunde länger kann ich diesen Gedanken dulden! Ich sprinte über die Hängebrücke, ohne auch nur an einen versteckten Fallenmechanismus zu denken. Ich bin bereits auf der anderen Seite angelangt, als die Brücke hinter mir abreißt und lautlos in die schwarze Tiefe gleitet.
Nun kann mich nichts mehr halten. Wutentbrannt stürme ich durch die letzte Türe – und stehe ihm direkt gegenüber.
Er begrüßt mich mit seinem selbstgefälligen Lachen, fährt sich lässig über die rabenschwarze, steife Haarpracht. Als hätte er seit Jahren auf mich gewartet und erhebt sich von dem samtbespannten Sitz vor seiner Orgel. Dahinter ragen die stolzen Register der Pfeifen empor – und einige Meter über dem Boden schwebend, in einem schimmernden, doch unnachgiebigen Kristall entdecke ich sie. Ihr schmerzlicher Blick fleht mich an, sie zu befreien. Aus den Klauen dieses widerwärtigen Monsters. Mein Puls schnellt im Bruchteil einer Sekunde auf 180. Ich ziehe mein Schwert, um nicht nur dem Dreckschwein zu zeigen, dass ich es vernichten werde, sondern auch dem Mädchen meiner Träume, dass die Zeit ihrer Angst nun eine Ende finden wird!
Noch bevor ich meinen sehnsüchtigen Blick von ihr abwenden kann, wird mir der gravierende Fehler bewusst, den ich ein weiteres Mal begangen habe. Und der schwarze Energieball meines Gegners trifft mich mit voller Wucht an der Brust, direkt über meinem Herzen.
Ich schreie, bis alles schwarz wird. Schreie, schreie. Und als ich die Augen öffne, finde ich mich in einer geschützten Bucht nahe der Bastion wieder. Am linken Rand meines Sichtfelds nehme ich ein vertrautes, bläuliches Schimmern wahr. Es stammt von einer dieser futuristisch anmutenden Skulpturen, in deren Nähe ich grundsätzlich aufwache.
Türkisblaue Wellen umspülen meine Stiefel auf Höhe der Knöchel etwas zu regelmäßig und jedes Mal verspüre ich dieses unverwechselbare Kribbeln, wie eine elektrische Wolke von Millionen Pixel, die meine Beine durchströmen.
Ich kann mir meine Atemlosigkeit nicht erklären. Genauso wenig, wie meinen astronomischen überhöhten Herzschlag. Ich weiß nur eins: Ich habe eine Mission!
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Für alle, die was damit anfangen können:
Zwei wundervolle Remix-Songs, die mich inspiriert haben =)
Salias Song Remix
Kokiri Forest Remix
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