Vorhang-Schnur

Vorhang Schnur
Jani berührt es immer wieder zu tiefst, wenn ihr Baby zufrieden im Schlaf gluckst. Das feine blonde Haar schimmerte in der Deckenbeleuchtung, man mochte meinen der kleine Marius war ein Engel. Nur der Schein trog. Er war eher ein Schreibaby und hatte Jani schon kurze Zeit nach der Entbindung aus jeglichem rosigen Muttertraum gerissen. Keine süße Illusion durfte übrig bleiben, das Kinder haben toll wäre.
Aus Wut hätte die junge Mutter damals gerne etwas kaputt gemacht, selbst wenn es nur die Blumen von ihrem Ehemann gewesen wären, um etwas "ganzes" zu zerstören.
Nichts dergleichen war je passiert. Sie hatte nur selbst geweint, wenn Marius ewig weinte und in der Zeit, in denen sie einen Babysitter organisiert haben konnte, schlief sie meistens.
Vorher hatte sie sich noch vorgenommen, mal wieder in Ruhe die Küche zu putzen oder ähnliches,
aber ihr Körper forderte das Tribut. Sie fühlte sich mit ihrem Kind alleine gelassen, Wut heraufbeschwor. Wie konnte man sie nur so sitzen lassen?
In einer Ehe, mit dem eigenen Nachwuchs?
An das Bild einer glücklichen, harmonischen Familie glaubte Jani bald nicht mehr. Sie sah ihr zunächst so geliebtes Baby als Problem an, ja als Bestrafung!
Hatte sie vielleicht sich den falschen Mann aus gesucht und deshalb solch ein Kind bekommen, das sie lediglich unglücklich machte?
Ständig umsorgte sie ihren Nachwuchs und hatte bald kaum noch Kontakte zur Außenwelt, wie sie es nannte. Kein Mensch war da, mit dem sie über ihre riesigen Probleme sprechen konnte.
So war es zu den Depressionen kein weiter Weg gewessen.
In der Ehe hatte es gebröckelt, eine Annäherung des Paares hatte einen steinigen Kurs gehabt.
Doch jetzt schaute sie wieder zur Deckenbeleuchtung des Krankenhauses, die sich in der Zwischenzeit absolut nicht verändert hatte.
Würden es wieder blonde Haare werden? Voller Vorfreude strich sich Jani über den gewölbten Bauch, flüsterte im Innern mit dem Baby darin. "Nein, Kleines, du wirst nicht schreien. Du weißt, das Mama dich lieb hat und du weißt, wie du ihre Liebe erwidern kannst."
Dieser Gedanke blieb auch bei der nächsten Wehe konstant im Kopf der werdenden Mutter.
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