Fieber

So, da ist mein Beitrag ;)
Bin gespannt, wie ihr es findet^^
Weiches Weiß unter mir, um mich herum. Ich bin eingehüllt in einen Kokon aus flauschigem Weiß. Mir ist warm, nein heiß, mir ist heiß. Vielleicht stehe ich ja in Flammen!
Ach, ich zittere ja, also ist mir kalt. Da kann ich nicht gleichzeitig brennen. Erleichtert atme ich tief durch. Die Folge ist ein Hustenanfall. Warum vergesse ich das nur immer wieder?
Ich schließe die Augen. Erschöpfung. Aber schlafen kann ich nicht.
Die Frau schreit. Ich sehe ihr erschrockenes Gesicht, während sie schreit, schrecklich verzerrt von einem unvorstellbaren Schmerz. Ihr Körper vibriert. Sie läuft rot an, sie schreit. Ich spüre Feuer, spüre, wie es an meiner Haut leckt. Es ist hungrig, will mich und will alles an mir verschlingen, es braucht Nahrung, es braucht mich. Die Frau windet sich in schrecklichen Qualen, die Flammen scheinen sie nur vorsichtig zu berühren, um sie möglichst lange am Leben zu erhalten, um sich den Genuss möglichst lange zu erhalten. Es ist unerträglich heiß und schwül, und die Frau scheint jeden Moment ohnmächtig zu werden wegen der Hitze, aber irgendetwas hält sie fern von der rettenden Schwärze. Sie spürt, wie sich ihre Haut langsam schält, langsam und qualvoll, unendlich, ohne Erlösung, auf ewig gefangen in ihrem dahin schmelzenden Körper. Sie war einst schön, war einst verliebt, lebte einst. Jetzt ist da, wo ihr Geist, ihre Seele, ihre Liebe, ihr Leben und ihre Schönheit waren nur noch Feuer, Feuer und Schmerz. Sie war vom Feuer fasziniert gewesen, hatte es geliebt, hatte es verehrt, hatte seine Göttin angebetet. Am Anfang sah sie ihren Fehler, sah, wie falsch sie das Feuer eingeschätzt hatte, doch jetzt sah sie gar nichts mehr, dachte nichts mehr, war einfach nur noch Feuer, Feuer und Schmerz. Jetzt wagt es sich an mich heran, kommt näher, leckt an mir. Jetzt will es auch meine Seele, will auch mich verschlingen! Ich bin verloren…
Ich keuche, atme, huste, bekomme keine Luft mehr. Mein ganzer Körper glüht vor Hitze. Ich versuche, das Weiß um mich herum abzuschütteln, aber ich bin zu schwach, ich kann mich kaum bewegen. „Hilfe“, stoße ich zwischen zwei Hustanfällen hervor, aber meine Stimme ist viel zu rau und kratzig, fast unhörbar.
Schließlich schaffe ich es doch, meine Hand zu bewegen, meine Finger auf den roten Knopf neben meinem Bett zu legen und leicht zuzudrücken. Wieder werde ich von Hustanfällen geschüttelt. Dann ist erst einmal alles ruhig.
Während ich auf dem Wind reite, kommt die Welt mir trostlos vor. Es ist, als würde ich durch mich selbst hindurch fallen, als wäre tief in mir ein schwarzes Loch, das mich einsaugt, ganz langsam. Ich kann den Ritt durch den Himmel nicht genießen. Meine Arme werden taub vor Kälte, meine Finger sind zu steif, um sich irgendwo festzuhalten. Das Lachen der Menschen unter mir, die Küsse der Liebenden, die Liebkosungen der Mütter für ihre Kinder, das alles kommt mir so leer vor. Ich bin leer, ich habe keine Angst mehr, spüre aber auch keine Freude. Es fühlt sich verrückt an, seltsam, ungewohnt und irgendwie schrecklich. Es macht mir Angst, die ich nicht empfinde. Es ist, als wäre das Innere gestorben, nur der Körper würde ewig leben. Auch Liebe empfinde ich nicht mehr. Jetzt erst weiß ich, was es wirklich heißt, einsam zu sein, aber ich fühle die Einsamkeit nicht einmal. Was ist mit mir geschehen? Der Ritt hat abrupt aufgehört, unter mir nur noch Schwärze. Und dann falle ich. Die Schwärze ist dumpf. Ich spüre sie überall um mich herum, wie ein Korsett, das zu eng geschnürt wurde und mir keinen Raum zum Atmen lässt. Ich sehe die Dunkelheit. Es ist anders als sonst. Es ist nicht so, dass ich nichts sehe, wie in normalen, dunklen Nächten oder wenn ich die Augen schließe. Ich sehe keine Schemen. Ich sehe den Kern der Dunkelheit. Es ist unbeschreiblich. Ich höre die Dunkelheit. Es ist ein schmatzendes, schlürfendes, saugendes Geräusch, als würde die Dunkelheit ständig etwas aufnehmen, als würde etwas ihre Substanz durchdringen. Ja ich bin mir mittlerweile sicher: Dunkelheit hat eine Substanz, ein eigenes Wesen. Sie ist körperlos, aber trotzdem da. Ein scharfer, stechender Geschmack macht sich in meinen Mund breit, die Dunkelheit spüre ich mit allen Sinnen. Ihr Geruch ist leicht modrig, sie stinkt nach Verwesung, nach Ewigkeit, ganz schwach, aber trotzdem seltsam intensiv. Ich falle und falle und falle, einer anderen Zeit, einer anderen Dimension entgegen…
Ich schreie, versuche es zumindest, auch wenn nur ein leises Röcheln meine Kehle verlässt. Ich reiße die Augen auf, blinzel, erkenne nichts. Weiß ist es hier.
Etwas Kaltes berührt meine Stirn, und ich zucke zusammen, aber dann merke ich, dass es mir zumindest ein wenig Linderung verschafft. Eine Stimme dringt zu mir durch wie durch Watte, holt mich endgültig in die Realität zurück. „Sie hat Fieber und fantasiert, aber das Schlimmste ist überstanden. In ein paar Tagen können Sie sie wieder mit nach Hause nehmen.“
Ich weiß wieder, wo ich bin. Im Krankenhaus, in einem weißen Kokon aus Decken und Kissen.
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