Advent, Advent, ein Herzlein brennt

Bild von SchokoTina

„Hey Mum, wie findest du den denn?“, grinse ich und deute verstohlen auf einen jungen Schönling.
„Na, na, na! Man zeigt nicht mit dem Finger auf andere Leute“, tadelt Mum mich gespielt entsetzt, kneift aber dann angestrengt die Augen zusammen und folgt meinem nackten Finger.
„Also, dem geb ich ne 2“, überlege ich laut und beiße in meinen Reibekuchen.
„Na gut, eine tschwei plusch“, bemerke ich gnädig. „Wegen den Locken.“
„Was hast du nur für einen Geschmack, Amy“, lacht Mum. „Nee, für mich ist der nix, viel zu jung… 3. Jetzt bin ich dran!“ Mum reibt sich die Hände und lässt ihren Blick über die Menschenmassen schweifen.
„Nehmen wir den“, murmelt sie mir dann zu. „Den mit der rot-weiß karierten Kluft.“
Ich fange schallend an zu lachen.
„Also einen Sinn für Mode hat er ja“, grinse ich und Mum stimmt in mein Lachen ein.
„Hm… und er hat lange Haare“, bemerkt Mum. „Das ist verdammt sexy!“
„2- .“ Ich.
„1- .“ Mum.
Ach, ich liebe es mit Mum dieses Spiel zu spielen.
Immer wenn wir in der Stadt sind, machen wir uns einen Spaß daraus, vorbeigehende männliche Wesen nach ihrem Aussehen zu bewerten. Dad hat davon Gott sei Dank keinen blassen Schimmer, aber was Dad nicht weiß, macht ihn ja bekanntlich nicht heiß!
„Da, da ist einer für dich!“, ruft Mum laut, worauf sich die Leute in unserer Nähe neugierig umdrehen.
„Mum, ich bin dran“, entrüste ich mich lachend, folge aber trotzdem ihrem Blick und erstarre. Längere braune Haare, ein Billabong-cap und eine lässige Parkerjacke. Ich muss gar nicht genauer hinsehen, ich weiß wer er ist.
„Hey, und ich glaube, er ist genau dein Typ! Braune längere Haar und ich wette, er hat sogar noch Schoko-Augen, genau wie du es magst, Amy!“, lacht Mum. „Na, los. Den krallst du dir und…“
Doch schon packe ich sie am Ärmel und schleife sie hinter eine Süßigkeitenbude des Weihnachtsmarktes.
„Mum, zieh mal die Bremse. Ich…hab plötzlich so furchtbare Bauchschmerzen“, flunkere ich wild drauf los.
„Aber du hast doch erst 7 Reibekuchen gegessen! Normalerweise wird dir doch erst bei 13 schlecht“, erinnert mich Mum. Auf ihrem Gesicht kann ich Enttäuschung ablesen, wofür ich vollstes Verständnis habe, denn immerhin sind wir erst 3 Mal Kinderkarussel gefahren und haben noch keine Modenschau in unserer Lieblingsboutique gemacht.
Ich unterdrücke einen Seufzer, schaue nichts Böses ahnend nach links und blicke sofort wieder nach rechts. Der Junge von eben, steht kaum 5 Meter weiter und beobachtet uns.
Doch bevor ich handeln kann, hat auch Mum ihn schon gesichtet. Forschend blickt sie mir ins Gesicht. Pah, ihr Röntgen-blick hilft ihr jetzt auch nicht weiter.
Doch sie zieht mich unauffällig etwas weiter weg von der Bude.
„Was?“, frage ich Mum betont locker und setze eine Unschuldsmiene auf.
„Du magst ihn.“ Sie fragt nicht, sie stellt fest.
„Nein.“ Wir wissen beide, von wem wir sprechen.
„Doch, du magst ihn.“ Jetzt grinst sie siegessicher. „Deine Ohren sind klatschmohnrot.“
Verdammt, noch nicht mal mein eigener Körper ist auf meiner Seite. Verräter!
Doch anstatt dass Mum mich in Ruhe lässt, schlägt sie die Hände vor’s Gesicht.
„Ach du meine Güte! Du magst ihn nicht. Du liebst ihn!“
„Mum, hör auf wieder grenzenlos zu übertreiben! Lieben nun nicht gerade, er geht auf meine Schule, ich kenne ja noch nicht einmal seinen Namen und…“ Bestürzt schließe ich schnell den Mund: Ich habe mich selbst verraten. Na wunderbar, jetzt kann ich meinen Mund auch schon zu meinen Feinden zählen.
Mum fängt an zu lachen. „Na, dann nichts wie ran an den Burschen!“
Ich lächele gequält. „Ach, ich weiß nicht… vielleicht kann er mich ja noch nicht einmal leiden“, gebe ich zu bedenken.
„Dann wirst du es jetzt herausfinden.“
„Mum, du hast echt keinen Funken Einfühlungsvermögen“, fauche ich.
„Nein, aber dafür ein gutes Gespür für Männer“, zwinkert sie mir zu und hebt die Hand. „Schaffen wir das?“, ruft sie.
Ich seufze und schlage dann ein. „Jo, wir schaffen das!“
Vielleicht sollte ich den KIKA abbestellen: Wir gucken eindeutig zu viel „Bob der Baumeister“.

„Er steht an dem Kitschstand“, stelle ich fest und kann nicht verhindern, dass ich entsetzt klinge.
„Na dann, nichts wie hin“, ermuntert mich Mum und drückt mich in die dichten Menschenmassen.
Zügig marschiere ich auf die Bude zu, die mit ihrem ganzen Geblinke und Geglitzer nicht zu übersehen ist. Scheinbar äußerst interessiert beäuge ich ein Porzellankätzchen und schiele aus den Augenwinkeln zu meinem Opfer, das gerade nach einer glitzernden Fee greift.
„Oh, magst du gerne diese süßen Feen? Ich auch.“ Ich strahle den verdutzten Jungen an.
„Ähm, nein, eigentlich ist die nur für meine kleine Schwester“, klärt er mich nach einigen Sekunden auf und betrachtet mich, als zweifle er an meiner geistlichen Gesundheit.
Ich nicke verständnisvoll und murmele dann: „Im Grunde genommen… mag ich sie auch nicht!“
Er fängt an zu lachen, sodass ich zusammen zucke. Es ist das schönste Lachen, das ich je gehört habe. Wie verzaubert lausche ich und als er verstummt, dränge ich: „Nochmal!“
„Was?“
„Du sollst noch mal… vergiss es!“ Ich fange mich gerade noch rechtzeitig. Oh man, Amy! Er soll dich doch mögen und nicht für ballaballa halten.
„Tja, man sieht sich.“ Und schon ist er verschwunden.
Seufzend schleppe ich mich wieder fort zu Mum.
„Und?“, drängt Mum, als ich mich auf den Boden plumpsen lasse.
„Außer dass er jetzt wahrscheinlich denkt, dass ich auf Glitzerzeug stehe, total durchgeknallt bin und er weg ist, ist alles bestens verlaufen“, stöhne ich.
„Na, dann ist ja gut.“ Mum’s Antwort hört sich ein wenig an, als hätte sie mit noch schlimmerem gerechnet. „Aber du darfst jetzt bloß nicht aufgeben. Los, lass uns zu den Fressständen gehen, vielleicht ist er ja dort.“

Doch von meinem Traumboy ist nirgendwo die geringste Spur.
„Schätzchen, wir finden ihn schon noch. Warte mal kurz hier, ja?“ Mum streicht mir kurz über den Kopf wie einem Dackel und ist verschwunden.
Resigniert lehne ich mich gegen einen Laternenpfahl und schlieĂźe die Augen.
Plötzlich zupft mich etwas an meiner Jacke und ich schlage erschrocken die Augen auf. Doch da spielt kein streunender Kater mit meinen Jackenbömmeln, sondern da steht ein kleines, weinendes Kind vor mir und sieht mich mit großen Augen an.
„Sch-hh, sch-hh“, mache ich schnell und beuge mich zu dem kleinen Zwerg hinunter, denn ein paar ältere Damen werfen mir schon ziemlich missbilligende Blicke zu.
„Was ist denn? Hat dir eine Taube auf den Kopf gekackt oder ein böser Mann umgerannt?“
Wenn ich damit gedacht hätte, dass das kleine Geschöpf anfängt zu lachen, liege ich locker 10 Weihnachtsmärkte daneben. Es fängt nur noch lauter an zu plärren und zieht mich in den unangenehmen Mittelpunkt der Umstehenden.
„Hör mal, wenn du mir nicht antwortest, dann kann ich dir auch nicht helfen“, stelle ich verärgert fest.
Daraufhin sieht mich das kleine Mädchen mit ihren verquollenen Augen an und schluchzt:
„Ich habe meinen Bruder verloren! Hast du ihn gesehen?“
„Wie sieht er denn aus?“
„I-ich weiß nicht“, schnieft sie und legt dann ihre kleine Patschehand in meine.
„Hilfst du mir suchen?“
„Klar“, seufze ich, als ich bemerke, dass die älteren Damen mich immer noch mit Adleraugen beobachten.

Habt ihr schon mal jemanden gesucht, von dem ihr nicht wisst, wie er aussieht?
Ich jedenfalls nicht. Und ich muss euch sagen, es macht keinen groĂźen SpaĂź.
Denn nach dem 34-ten Mal „Der da?“ werde ich langsam müde und launisch.
„Vany, ich muss je-.“
„Da, ist ja Sören!“, schreit Vany plötzlich, lässt meine Hand los und stürmt los.
„Na wunderbar“, murmele ich und laufe ihr hinterher.
„Sören, du muss nächstes Mal echt besser auf deine-.“ Ich stocke.
Ich blicke in flüssige Schokolade, die gefangen ist in den wunderschönsten Augen, die ich je gesehen habe.
„Hallo“, begrüßt mich eben der Junge, dem auch schon das schönste Lachen auf Erden gehört.
Ach, was ist die Welt doch klein!
„Hallo“, säusele ich, immer noch benommen, von diesem flüssigen Milkaberg.
„Sören, das ist…“ Vany dreht sich stirnrunzelnd zu mir um.
„Amy“, antworte ich, ohne den Blick von diesem jungen Gott abzuwenden.
„Also du bist also die jenige, die mit meiner Schwester bis in den Abend hinein über den Weihnachtsmarkt gelaufen ist“, grinst er und ich gleich mit.
Ach du Gott, ist er jetzt auch noch Hypnotiseur? Es scheint so.
„Das tut mir Leid! Ist sie dir auf die Nerven gegangen?“, fragt er mit einem Mal wieder ernst.
Ich winke ab. „Ach, iwo! Es hat total Spaß gemacht, nicht wahr Vany?“ Ich strahle sie an und könnte sie abknutschen! Als Sörens Schwester steht sie doch schon gleich in einem ganz anderen Licht.
„Naja…“, bemerkt sie.
Ich strafe sie mit einem strengen Blick.
„Könnte ich dich vielleicht auf ein paar Reibekuchen einladen?“, grinst er mich plötzlich verboten hinreißend an.
„Aber klar“, hauche ich und folge ihm stolpernd zur nächst besten Bude.
Während Vany sich wie ein kleines Äffchen auf Sörens Schoß angelt (ich hätte jetzt nur zu gerne mit ihr die Plätze getauscht), quatschen Sören und ich über Gott und die Welt.
„Nun ja, noch mal danke, dass du es so lange mit meiner Schwester ausgehalten hast“, sagt er schließlich noch einmal.
Ich kann in dem Moment nur nicken, denn an der Pommesbude habe ich gerade Mum gesichtet, die beide Daumen anerkennend in die Höhe reckt.
Doch dann ĂĽberkommt mich mit einem Schlag grenzenlose Ăśbelkeit und ich merke wie ich immer blasser werde.
„Amy, was hast du?“, ruft Sören erschrocken.
„Vielleicht hat sie Schimmel gegessen“, kichert Vany und ich würde sie am liebsten kopfüber in den nächsten Mülleimer stecken.
„Nein, ich habe nur…zu viele Reibekuchen gegessen“, stöhne ich und rechne in Gedanken mit. Auch wenn meine Mathekenntnisse nicht vorhanden sind, selbst ich weiß, dass 6 und 7 13 ergeben.
Plötzlich streckt Sören seine Hand über den Tisch und streicht ganz sanft über meine.
„Kann ich vielleicht irgendetwas tun?“, fragt er und sein besorgter Blick lässt mein Herz schneller schlagen.
„Ja, lad mich doch einfach mal auf ein Date ein.“ Bevor ich den Satz zu Ende gedacht habe, ist er mir auch schon entschlüpft.
Doch er grinst mich nur unverschämt frech an.
„Du glaubst es nicht, aber genau das hatte ich gerade vor.“

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Protokoll:
Puuuh, Leute!
Das hier ist mein bestimmt sechster Text, aber ich denke er ist dennoch mit mein Bester ;)
Ich hoffem das seht ihr auch so o.O
Tja, ich bin leider 3 Zeichen drĂĽber und vor lauter KĂĽrzen total depirmiert :D
Naja, schriebt mir einfach alles, was euch einfällt!!! :)
Liebe GrĂĽtzel, SchokoTina x)