Advent, Advent mein Herzlein brennt...!

Bild von LeNnY

"Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gahaben!"
Bianca grinst wie ein Honigkuchenpferd und fährt fort : " Eine schöne Puppe mir, Zottelbär und Pantertier und den Pfefferkuchenmann, möcht ich gerne hahaben!" Oma klatscht begeistert in die Hände. "Jasowas, hat die kleine Maja, eine schöne Singstimme bekommen."
"Ich bin aber Bianca, Oma!", schreit Bianca beleidigt.
Ratet mal, wo ich bin?
Im selbstgestrickten rosa Pullover, auf der abgescharbten, kratzenden Couch meiner Oma, zwischen meinem alten schnarchenden Onkel und meiner Oma eingeklemmt, und meine Schwester steht vor dem frühzeitig geschmückten Weihnachtsbaum und singt. Toll. Gäääääähn. "Jaja, die kleine Bianca. Ist ja schon so lange her, dass ich meine kleine Maja gesehen habe." Jetzt zieht meine Schwester eine Schnute. Ich winke gähnend ab. "Lass gut sein, Omi." Oma- Lisbeth grinst breit. "Es ist ja schon heilig Abend.", sagt sie verwundert. "Ich sollte mal eure Geschenke holen." "Omaaa, morgen ist erst heilig Abend.", wehre ich ab und drücke sie wieder aufs Sofa. "Achjaaa.", lacht sie und drückt meine Hand mit ihrem knorrigen , harten Arm, nach unten. "Wie wäre es mit ein bisschen Chrisstollen?" Ich verziehe das Gesichtn und springe auf. "Nachher, Oma! Nachher." Sie hat uns erst vor fünf Minuten mit diesem ekelhaften steinalten, schimmeligen Zeug voll gestopft.
Dieses Jahr sind meine Eltern nämlich damit beschäftigt, sich um verschiedene Möbelstücke zu streiten und haben Bianca und mich zu unserer Oma aufs Land geschickt. Und Oma ist so ziemlich die tollpatschigste, trödeligste alte Dame, die ich kenne. Aber wirklich sehr liebenswert- abgsehen davon, dass sie mir jedes Jahr zu Weihnachten, den selben kratzigen rosanen Pullover schenkt. Naja... Mein Handy vibriiert in meiner Hosentasche. "Ich muss mal kurz-", sage ich und sprinte ins Bad. Mum hat mir eigentlich verboten, mein Handy mit zunehmen- aber bitte- wie soll ich es fünf Tage, ganz abgeschieden auf dem Land aushalten. Ab zehn Uhr, wird hier sowieso der Strom abgezapft.
" Hey, Mona.", flüstere ich begeistert. "Hey, na wie ist es so?", fragt sie mich mitleidig. "Schön.", presse ich hervor. "Hat sich irgendwas wegen Daniel und Adrian ereignet?" Mona denkt nach. "Hm, eigentlich nicht. Doch warte, ich hab Adrians Handynummer.", sagt sie stolz. Dann rauscht es furchtbar in der Leitung. "Daniel hat gesagt er fährt übers Wochenende mit seiner Familie in die Berge.", höre ich es von Mona unter dauer Rauschen. "Der hats gut. Skifahren und Nobelhotel." Mona lacht und dann ist die Leitung tot. Klasse auch. Wofür habe ich den extra mein Akkugeladenes Handy mitgenommen?
So lange, wie ich mit Mona befreundet bin, bin ich auch in Daniel verliebt. Er ist ein Jahr älter als ich, aber er ist einmal sitzen geblieben und in meine Klasse gekommen. Ich gehe in mein Zimmer und ziehe mir das alte rosane Teil, was Mum und Oma Hemd nennen über den Kopf und schlüpfe in meine Fleecejacke. Viel besser. Bianca stürmt ins Zimmer. Ihre blauen Augen sind mit Tränen gefüllt. "Was hast du?", frage ich besorgt. "Onkel Dietmund, meint das es den Weihnachtsmann nicht gibt.", heult sie. "Doch den Weihnachtsmann gibt es.", beruhige ich sie und knirsche mit den Zähnen. Das klingt alles wirklich viel versprechend. Oma kriegt nichts mehr auf die Reihe, Onkel Dietmund klärt ausgerechnet jetzt meine Schwester auf und ich bin abgeschieden von alles und jedem vernünftigen- perfekt. Ich ziehe über meine Fleecejacke, noch einen blaukarierten Poncho und meine dicken schwarzen Winterstiefel, die schon seit 1956 aus der Mode waren an und begebe mich nach draußen. Ich schnappe erstmal wie ein Fisch auf dem Trockenen, als mir die eisige Bergluft ins Gesicht knallt, doch dann gehe ich weiter. Hier sind nur Berge und Schnee. Nichts anderes. Kann man eigentlich an sowas verrückt werden? Na egal, der Schnee liegt mindestens fünfzig Zentimeter tief und man könnte prima Skifahren- nur habe ich weder Skier noch kann ich Skifahren, oder Snowboarden. Das einzige was ich halbwegs kann ist mit dem Schlitten einen kleinen Berg runter zu fahren, aber schon bei einem kleinen Huckel quiecke ich auf, wie Schweinchen Babe. Und vom Schlittschuhlaufen, wollen wir gar nicht erst anfangen!
Irgendwann komme ich zu Omas Nachbran. Eine kleine glückliche Familie, und ihr kleiner Bauernhof mit dem kleinen Schafstall. Die Tür des Hauses fliegt auf und die Bäuerin mit einem selbstgemachten Schafsoverall kommt mir entgegen. "Was machst du denn noch hier, Bianca?! Geh schnell nach Hause, da ist es warm." Danke, nur weil ich 1,63m mit vierzehn Jahren bin, sehe ich doch nicht gleich aus, wie meine kleine Schwester! Liebengern hätte ich Fräulein Bäuerin jetzt die Zunge rausgestreckt, aber dann hätte sie sich noch mehr bestätigt gefühlt, dass ich Bianca sein könnte. "Ich bin Maja.", pampe ich und laufe einfach schnurstracks weiter. Dann komme ich an einen Skilift. Hey, ist ja lustig. Daniel fährt doch Ski, nicht wahr? Ich schaue mich um und entdecke einen schwarzen BMW. Ach, du heiliges Nickolaushelferlein.
Ich drehe mich abrupt um und will in Richtung vertraute Omaheimat rennen,doch zuerst trifft mich ein Schneeball am Kopf. Daniel, der Handballprofispieler. Wer hätte es gedacht.
Ich nicht, ehrlich. Ich drehe mich ganz langsam um. "Hi, Maja. Geiler Zufall, oder?", er sieht blendend aus. Wie in meinen schönsten Träumen, ein Engel aus dem Himmel, Danke, Gott für diesen Zufall, ab heute werde ich immer beten und niemals mehr ungläubig sein!
"H-H-H-H-H-H-Hallo.", wunderbar, Maja Koller, du hast auch mal geschafft irgendwas zu sagen. Wenigstens sieht es in der Kälte so aus, als wäre ich steif gefrohren und hätte deswegen, soviele "H"'s gestammelt. "Was machst du hier?", fragt Daniel und kommt näher. Ahhh, wie geht das nochmal: Atmen? Mund auf- Luft rein. "Oma, besuchen.Weihnachten.", stottere ich und lächle oberdämlich. Ich schaue an ihm runter, woow stylische Sachen, schaue mit schrecknsgeweiteten Augen an mir runter. Wie konnte ich nur so eine be...-okay ich wollte nicht mehr fluchen..Kluft an. Lieber Gott, soviel dazu, dass du mir mal hilfst. Daniel lächelt nochmal. Er ächelt mich an,lächelt wegen mir. Er mag mich, erliebt mich, wir heiraten und werden...Stooop, Maj, jetzt tritt mal auf die Bremse, er lächelt mich nämlich nicht an,sondern aus. Öhm...okay, auslächeln gibts nicht, also lächelt er mich doch an. Vor Tagen, noch unerreibar fern, und jetzt so nah. Toll!
"Wie feierst du denn Weihnachten?Bei deiner Oma?" Ich nicke automatisch. "Toll,sollen wir dann mal was zusammen machen.", ich nicke wieder.
Danke, Oma, ich werde niemals wieder stöhnen, wenn ich Weihnachten über zu dir muss!!!!!
Und vielleicht,vielleicht ĂĽbe ich dann auchmal Skifahren, aber erst wenn Daniel weg ist, denn ich will nicht wissen wie ich beim ersten fahren rum quietsche, dass ist dann nicht mehr Schweinchen Babe, sondern eine kalbende Kuh!
"Soll ich dir Ski fahren bei bringen? Meine Schwester ist gestern krank geworden, und wir können ja erstmal an einem kleinen Hang üben...Okay?" Ich schaue verlegen auf den Boden. "Das wäre wirklich cool.", fügt Daniel hinzu. "Ja, gut. Okay, klasse...", murmle ich. "Super.", freut sich Daniel. "Bis bald."
Muh...