Canis Argentarius - Kapitel 12

XII
Ruhig und konzentriert lag Phlegethons Blick auf den Lederzelten, Feuerstellen und schlafenden Hunden. Mit jedem Atemzug weitete sich ihre Brust langsam, um Sekunden spaeter wieder in ihre urspruengliche Form zurueckzukehren. Der scharfe Duft der domestizierten Woelfe schmerzte ihr in der Nase, doch weniger wegen des eigentlichen Geruchs als wegen des Wissens, dass die Vorfahren dieser Kreaturen Blutschaender und Verraeter gewesen waren. Beinahe leidtun konnten einem diese kleinen, verkuemmerten Wesen, die niemals das kribbelnde Gefuehl der Freiheit von der Lunge in die Krallen schießen gespuert hatten, die niemals ein Beutetier eingekreist und auf Kommando zugeschlagen hatten; die niemals den Kopf in den Nacken geworfen und geheult hatten, ohne sofort von den penetranten Stimmen der Zweibeiner zurechtgestutzt zu werden.
Phlegethon hasste sie. Die Hunde, die anschlugen, wenn sie, die Woelfe, deren eigene Vorfahren, sich den Lagern der Menschen naeherten. Doch noch viel mehr hasste sie die Menschen selbst. Es war ein Hass, der sich tief in ihre Organe gefressen hatte, der dort wie ein Geschwuer saß und sie langsam von innen heraus zernagte, und der mit jedem Mal, wenn ihr dieser Geruch in die Nase stieg, auf die dreifache Groeße anschwoll. Nur ein einziges Heilmittel gegen dieses Geschwuer war Phlegethon bekannt: Der eiskalte, verbitterte Kampf. Und an diesem Abend wuerde es wieder einmal Zeit sein, ihr Geschwuer auf Tannensamengroeße schrumpfen zu lassen.
Zephyrus, Boreas und Apeliotes hatten sich wortwoertlich in alle Winde zerstreut, Notus kauerte neben Phlegethon suedlich des Lagers im Dickicht, worauf der Feuerstrom bestanden hatte, der vierte Alpha-Wolf der Lupi Ventorum war einfach zu weich, um alleine seine Himmelsrichtung zu kontrollieren.
Bestimmt zwei Stunden lang harrten sie so aus, Apeliotes mit Scammonia, Turben, Crinis und Stella-Bella im Osten, Zephyrus mit Etesiae, Custos, Fides und Sternax im Westen, Boreas mit Smilax, Flamen, Ignis Albus und Tenebrae im Norden, und schließlich Phlegethon und Notus mit Diligens, Unguo und Reflatus suedlich der Lichtung.
Keiner der Hunde hatte etwas bemerkt, zu abgestumpft hatte die Gefangenschaft ihre ehemals hervorragenden Nasen. Ruhig konnte man ihre Koerper im Schlaf atmen und sich waelzen sehen, mal schnippten die Ohren gen Osten, mal gen Westen, jedes Mal verkrampften die dort liegenden Werwoelfe jegliche Muskeln und entspannten sie erst wieder, als sicher war, dass das Tier nur getraeumt hatte.
Sternenklar war die Nacht, es hatte aufgehoert zu schneien, der Mond warf sein halb geschlossenes Auge herab auf seinen Liebling und dessen Gefolge, erzaehlte seinen Sternenkindern von Phlegethons Taten, ihrer Kraft, ihrer Klugheit, ihrer Ausdauer, und jeder der kleinen, funkelnden Puenktchen lauschte gespannt den Geschichten. Nur der Polarstern hielt Ausschau nach seinem Schuetzling, der viele Meilen weiter oestlich in einem unterirdischen Bunker fieberhaft an den Waenden kratzte und die Nase in der Hoffnung auf ein winziges Fuenkchen Freiheit in den Spalt presste.
*°*°*
„Oeffne die Augen, junger Wolf, oder sie werden fuer immer verschlossen bleiben.“
Wie durch eine Eisschicht vernahm Frons-Astris die Worte, gedaempft, ruhig, besaenftigend. Zu muede war er, um der Anweisung zu folgen, bis sie erneut an sein Ohr drang:
„Oeffne die Augen, junger Wolf, oder sie werden fuer immer verschlossen bleiben.“
Langsam waelzte er sich auf die andere Seite und schnupperte. Er roch ein Lager, Waerme, Geborgenheit. Holz, Leder, frisches Fleisch. Und Werwoelfe. Lupi Ventorum.
Mit einem Satz war Frons-Astris auf den Pfoten und riss die Augen auf. Verschwommen konnte er die Umrisse einer Woelfin ausmachen, deren silbergraues Fell im Mondlicht schimmerte wie die Oberflaeche eines Flusses mit seinen unzaehligen, winzigen Wellen. Den Kopf hatte sie schiefgelegt um ihn aus sanften, beinahe muetterlichen Augen zu betrachten. Jetzt erst erkannte er den weichen Duft, den ihr Pelz verstroemte. Es war der Duft von frischen Lavendelblueten.
*°*°*
Es musste kurz vor Mitternacht gewesen sein, als Notus unruhig wurde. Das alles dauerte ihm zu lange, die Spannung war zu viel fuer den unbelastbaren Windwolf.
„Sie muessten doch schon laengst ein Zeichen gegeben haben!“, jammerte er. „Vielleicht ist etwas passiert!“
Genervt zog Phlegethon die Lefzen zurueck.
„Hoer zu!“, wies sie ihn zurecht. „Ich weiß nicht, wie du es bis in die Alpha-Position geschafft hast, und ich will es auch gar nicht wissen! Aber deine Ungeduld und deine ewige Zappelei toeten mir noch den letzten meiner Nerven, von denen ich bei solchen Aktionen normalerweise eine Menge benoetige. Du haeltst dich jetzt also entweder in drei Teufels Namen endlich still, oder ich erzaehle deinen anderen drei Anfuehrerkollegen jedes noch so kleine Detail ueber dein Verhalten in der heutigen Nacht, verstanden?“
Gerade, als der Wolf antworten wollte, zersplitterte die Nacht in tausende von schwarzen Scherben, die lautlos niederrieselten, um Boreas Jagdgesang Platz zu machen.
“Estuans interius
ira vehementi
in amaritudine
loquor mee menti:
factus de materia,
cinis elementi
similis sum folio,
de quo ludunt venti.”
Unter einem wohligen Schauer legte sich Phlegethons Fell wieder zurueck und schmiegte sich eng an ihr Genick. Grauenhaft schoen wob sich das Geheul zwischen die Nadeln, wurde von den Winden ergriffen und schlaengelte sich in duennen Klangfaeden durch das Lager.
Sie schloss die Augen und lauschte, als im Osten Apeliotes in den Gesang einstimmte und ihre Stimme zwischen die Toene flocht:
Cum sit enim proprium
viro sapienti
supra petram ponere
sedem fundamenti,
stultus ego comparor
fluvio labenti,
sub eodem tramite
nunquam permanenti.
Beinahe schmerzte die Werwoelfin diese Melodie, so leicht, wie sie sich zum Himmel hob, von den vier Winden getragen. Laecherlich klang das Jagdgeheul ihres eigenen Rudels dagegen, wie ein Chor aus einem Dutzend Kraehen, die von tollwuetigen Eichhoernchen gebissen worden waren. Als sie gerade einmal wieder der Gedanke beschleichen wollte, dass ihr eigenes Rudel weit unter ihrem Niveau lag, warf Notus neben ihr den Kopf zurueck und stieß seinen Anteil des Liedes gegen den Himmel:
Feror ego veluti
sine nauta navis,
ut per vias aeris
vaga fertur avis;
non me tenent vincula,
non me tenet clavis,
quero mihi similes
et adiungor pravis.
Nun endlich kam Leben in das Lager. Die Maenner sprangen auf, die Hunde klaefften, die Kinder kreischten und gluehende Funken stoben durch die Luft, als die Krieger Stoecke und Fackeln in die Lagerfeuer tauchten um das Licht in alle Richtungen zu schwenken.
Mitten in die Aufregung heulte Zephyrus aus dem Westen die vierte Strophe:
Quicquid Venus imperat,
labor est suavis,
que nunquam in cordibus
habitat ignavis.
Via lata gradior
more iuventutis
inplicor et vitiis
immemor virtutis.
Phlegethon sprang auf. In alle Richtungen stob der Schnee, als die Woelfin die Boeschung hinunterpreschte, dicht gefolgt von Notus und den drei anderen Jaegern. Ihr direkt entgegen hetzte Boreas, von links und rechts sah sie Zephyrus und Apeliotes mit ihrer Gefolgschaft kommen.
Wie Blitze schlugen die Woelfe in das Lager ein. Mit kraftvollen Saetzen, wendig und schnell mischten sie sich unter die Menschen, die in blanker Panik kreischten und versuchten, den von weißen Wolken umgebenen Feind zu erkennen.
Mit den Vorderlaeufen sprang Phlegethon einem mittelgroßen, kraeftigen Mann gegen die Brust, stieß ihn um und blieb knurrend auf ihm stehen. Hektisch tastete er nach einer Waffe, als die Woelfin ihre blanken Zaehne tief in sein Handgelenk grub und im naechsten Moment von dem vor Schmerz Aufheulenden sprang, um ueber ihm in Menschengestalt stehen zu bleiben.
„Wo ist dein Anfuehrer?!“, schrie sie ihm ins Gesicht.
Unglaeubig und panisch versuchte der Mann, sich mithilfe seiner Arme am Boden zurueckzuschieben, da stuerzte sich die Rudelfuehrerin auf ihn und presste ihren Unterarm auf seinen Hals, dass er nach Luft rang.
„Ubi est dux tuus? Et ubi est Lupa nostra? Si non responderis, te capite deorsum in arbe figitiam capillosque tui incendam!”*
Als er nur ein gequaeltes Roecheln zustande brachte und Phlegethon im Begriff war, ihre Drohung wahrzumachen, peitschte Boreas’ Stimme durch die Nacht:
„Sie ist nicht hier! Phlegethon, sie ist nicht hier!“
Ruckartig fuhr die Frau herum und jagte auf allen Vieren auf die Windwoelfin zu.
„Sie haben sie nach Flavia Solva gebracht!“, rief diese aufgeregt. „Um sie zur Schau zu stellen!“ - „Hoelle!“
Die Alpha-Woelfin zerbiss die Luft, zerfetzte den Wind wie ein Stueck Hasenfleisch. Die nach ihr wichtigste Woelfin ihres Rudels sollte in einer Stadt ausgestellt werden. Nicht, solange der Feuerstrom es verhindern konnte, das schwor sie sich.
„Zurueck!“, befahl sie schrill. „Alle zurueck, zurueck!“
Gerade als ihre Jaeger von ihren Opfern abließen und auf sie zulaufen wollten, schritt Zephyrus ein: „Phlegethon! Denk an dein Versprechen!“
Das Geschwuer im Bauch der Woelfin pochte, als sie herumfuhr und wutentbrannt durch eines der Lagerfeuer sprang. Er hatte recht! Diese Madenkocher waren es nicht wert, ungeschoren davonzukommen! Hoch flogen die Funken, verloren sich in der Dunkelheit, im Schnee, zwischen den Fichten. Und auf den Lederzelten.
Ehe sich die Woelfe versahen, schlugen die Flammen baumhoch in die Luft, pressten ihren Rauch- und Kohlegestank in die Lungen und ihr knisterndes Krachen in die empfindlichen Ohren. Wieder kreischten die Kinder auf, Muetter rannten weinend und mit schwarzverschmierten Gesichtern ueber die Lichtung, stuerzten, fielen schreiend in die Flammen, rappelten sich wieder hoch um in den Schnee kippend diesen rot zu faerben. Leuchtende Koerper stolperten durch das Lager, die Nacht hatte sich mit einem Mal in einen blendend hellen Tag verwandelt, dessen Licht jeden verschluckte, dessen Pfoten ihn nicht schnell genug in sichere Entfernung trugen.
Mitten in dem Szenario stand ein Wolf. Starr hatte er die Laeufe in den Boden gestemmt, panisch hetzte sein Blick in alle Richtungen. Seit der lebensgefaehrlichen Verbrennung in seiner Kindheit fuerchtete Crinis das Feuer mehr als jedes andere Element der Erde, wie es lodernd und vernichtend ueber ihm zusammenschlug und den Wald mit Todesgeruch uebergoss.
Er warf den Kopf nach links. Brand, ueberall Brand. Gerade als er herumwirbelte und nach rechts zu fliehen versuchte, schoss direkt vor ihm eine Stichflamme in die Luft wie ein verkehrter Blitz. Benommen wankte der Wolf zurueck und schuettelte sein gluehendes Fell.
Er konnte nicht entkommen. Er wuerde hier von dieser maechtigen Naturgewalt zerrissen werden, die ihn schon einmal zu holen versucht hatte. Damals war er ihr entkommen, doch nun wollte sie die Dinge zu Ende bringen und den Wolf mit der weißen Wirbelsaeule fuer sich haben.
Mit einem letzten, verzweifelten Jaulen baeumte sich Crinis auf, drehte sich auf den Hinterlaufen herum und setzte ueber einen brennenden, umgefallenen Baumstamm hinweg, obgleich er wusste, dass ihn dahinter wieder nichts als Feuer erwartete. Sein Koerper stuerzte in den Schnee, die angesengten Haarspitzen zischten in der ploetzlichen Naesse, seine Augen brannten von Rauch und Ruß.
So wuerde er nicht sterben! Er wuerde nicht zulassen, dass er hier, in einem Menschenlager, von diesem stinkenden, qualmenden Element vernichtet wuerde, waehrend in irgendeiner Stadt gedankenlose Maenner und Frauen seine schwarze Woelfin begafften!
Wieder sprang Crinis auf die Pfoten, und diesmal entdeckte er einen schmalen, schwarzen Spalt, hinter dem ihm die rettende Nacht zuwinkte. Er rannte los. Noch nie in seinem Leben, dessen war er sich sicher, war der Wolf so durch den Schnee geflogen, der mittlerweile in der Hitze zerschmolzen war und sich in einen rutschigen, braunen Matsch verwandelt hatte. Seine Krallen gruben sich haltsuchend in die Erde, mit jedem Satz kam die Oeffnung ein kleines Stueckchen naeher auf ihn zu, in wenigen Sekunden wuerde er es geschafft haben –
„Mater! Mater!“**
In einem Reflex fuhr er herum, als das Kind hinter ihm aufkreischte. Heulend irrte es durch den Schlamm, rutschte aus, fiel der Laenge nach hin und blieb mit dem Gesicht in der braunen Masse liegen. Aus dem Augenwinkel sah Crinis eine Frau auf das zappelnde Etwas am Boden zustolpern, ihre Kleidung brannte, ihre Beine waren zwei einzige, rote Klumpen, aus denen die blanken Muskeln hervortraten, die Haut war vollkommen heruntergebrannt. Zwei Schritte noch bis zu ihrem Kind – Da stuerzte sie um und verschwand mit einem schmerzvollen Seufzer in der lodernden Wand. Crinis zuckte zusammen und presste die Augen fest zu, als das Feuer an dieser Stelle aufleuchtete und knackend eine schwarze Rauchwolke gen Himmel stieß. Seine Beine zitterten, er war nicht imstande, einen einzigen Muskel zu ruehren.
„Mater!“
In seiner Wolfsbrust explodierte die Panik. Wie tausend gluehende Fetzen rieselte sie in seine Adern, schrie ihn innerlich an. Lauf!, kreischte sie. Bei Diabolus, lauf! Gerade, als er sich wieder dem schwarzen Spalt zuwenden wollte, verpasste das Mitgefuehl seiner Angst einen Prankenhieb. Bist du verrueckt? Dieses kleine, vielleicht vier Sommer alte Wesen stirbt! Ein zorniges Knurren war die Antwort: Es ist ein Mensch! Ein widerlicher, stinkender Mensch! Wieder wollte Crinis loslaufen, da schaltete sich die Sanftmut ein. Feuerschweif!, hauchte sie. Du kannst nicht verantworten, dass das Feuer eines weiteren Kindes Leben zerstoert, so, wie es beinahe mit deinem eigenen geschehen waere.
Crinis wusste nicht, wie. Er rannte einfach. Rannte auf dieses Etwas zu, wie es im Matsch lag, schmutzig und heulend. Schloss seine Faenge behutsam um dessen Genick, hob es auf und drehte sich um – Der Spalt war verschwunden.
„Nein!“, keuchte er nur. „Nein!“
Ein Schatten schoss aus dem Nichts, packte ihn am Nackenfell und zog ihn nach rechts. Unertraegliche Hitze schlug ihm ins Gesicht, als der Wolf die Feuerwand durchbrach, die Flammen schmiegten sich um seine Rippen, zerrten an seinem Fell, zerkratzten seine Augen. Dann der Aufprall im Schnee, das ohrenbetaubende Zischen in seinem Haar…
Bestimmt eine halbe Minute lang lag Crinis einfach nur in der feuchten Kaelte, hechelte, keuchte, rang nach Luft. Sein Brustkorb hob und senkte sich mit solcher Geschwindigkeit, dass jeder Atemzug beißenden Schmerz verursachte. Er verstand nicht, was geschehen war, und er hatte auch nicht die Kraft, sich darueber Gedanken zu machen.
Neben ihm rappelte sich eine Woelfin hoch, schuettelte sich, und kraechzte schließlich atemlos:
„Was treibst du bloß, bei Luzifers Rute?“
Auf wackeligen Pfoten beugte sich Smilax ueber den immer noch benommenen Feuerschweif, der nun langsam die Augen oeffnete und die fuchsfarbene Schoenheit mit den grauen Haarspitzen betrachtete. Haette ihm Phlegethon nicht zeit seines Lebens die Theorie von Hoelle und Diabolus eingetrichtert, er haette sie fuer einen Engel im Wolfspelz gehalten. Diese langen, duennen, kraeftigen Laeufe; diese Anmut, mit der sie ihr Haupt nun hob und in den Wind schnupperte! Die kalte Brise streichelte ihr Haar, das wie ein glattes Baechlein ueber ihren Koerper floss. Doch das Atemberaubendste an ihr waren ihre Augen. In Form zweier Edelsteine lagen sie in ihrem Gesicht, pechschwarz und glaenzend.
„Ich…“, stammelte Crinis nur, dann fiel sein Blick auf das Kind neben ihm. Sein Haar war abgebrannt, die Haut geschwaerzt, bis auf ein paar helle, von den Augen ausgehenden Striche, dort, wo ihm die Traenen uebers Gesicht liefen.
Auch Smilax wandte sich nun dem kleinen Wesen zu, das auch ihr Mitleid geweckt haben musste.
„Quid nomen est tibi?“***, fragte sie, sich der Tatsache bewusst, dass das Maedchen nur diese Sprache verstehen wuerde.
Nur noch schwach atmete dieses. Das heiße Blut traenkte den Schnee, der es gierig aufsaugte und mit dem Gefrieren in sich einschloss.
„Sie stirbt.“, fluesterte Crinis schwach. „Ich glaube, sie stirbt.“
Wieder rieselten stumm die Schneeflocken vom Himmel, legten sich ueber die Gluten des Lagers, welche zischend und qualmend erloschen.
„Sol“, hauchte das Maedchen schließlich, zitternd, sterbend. „Mihi nomen est Sol.“****
Und waehrend die letzten Flammen unter den weißen Flocken verschwanden, waehrend das Maedchen seinen letzten Atemzug tat, hoerte Smilax den Werwolf zu ihren Pfoten fluestern: „Numquam confringes ardentem, solum ardens confringit ipsum cum splendorem amittit sol.“ Mit der alten Weissagung auf den Lefzen fiel Crinis nun endgueltig in eine tiefe, ruhige Ohnmacht.
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* "Wo ist dein Anführer? Und wo ist unsere Wölfin? Wenn du mir nicht antwortest, hänge ich dich kopfüber an einen Baum und zünde dein Haar an!"
** "Mami! Mami!"
*** "Wie heißt du?"
**** "Ich heiße Sonne."
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