Interview und Verlosung: Birgit Fiolka

Birgit Fiolkas wunderbare historische Romane habe ich schon vor einigen Jahren für mich entdeckt und mich sehr gefreut, dass sie nun mit Amazonentochter und „Das Vermächtnis der Amazonen“ zwei weitere Romane geschrieben hat, die noch dazu in einer Zeit spielen, die mich sehr interessiert und über die ich ausgesprochen gerne lese.
Birgit Fiolka wurde 1974 in Duisburg geboren und absolvierte eine Ausbildung zur Justizangestellten. Einige Jahre arbeitete sie in diesem Beruf und besuchte später das Abendgymnasium.
2001 erschien mit "Bint-Anat. Tochter des Nils" ihr erster Roman, der ein Bestseller wurde, seit 2002 arbeitet sie als freie Autorin.
Mehr über sie und ihr künstlerisches Schaffen gibt es auf ihrer Homepage:
http://www.birgit-fiolka.de/
Außerdem gibt es auf ihrem Blog zurzeit eine Verlosung:
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Wie genau schreibst Du, hast Du direkt die Geschichte komplett im Kopf, planst alles vorher oder schaust Du, wie es sich beim Schreiben entwickelt?
Eine fertige Geschichte habe ich eigentlich nie im Kopf – eher eine vage Idee von der Art der Geschichte (soll es jetzt abenteuerlich werden, Kopfkino, oder eine tragische Frauengeschichte) – so etwas weiß ich vorher, auch meine Hauptperson steht vorher fest. Und ansonsten lebe ich nach dem Motto: Get into the flow! Eine Geschichte muss sich selber entwickeln, entfalten und mich als Autor in eine Richtung führen, ganz natürlich und spontan.
Birgit Fiolka
Hast Du feste Schreibzeiten?
Huch, nein!!! Dafür bin ich zu chaotisch kreativ. ;-) Es gab Romane, die ich fast ausschließlich in den Nachtstunden geschrieben habe, seit einigen Jahren bevorzuge ich den Tag. Aber das kann sich immer mal wieder ändern.
Du schreibst im Genre Historischer Roman, was stets viel Recherche erfordert. War Dir das vorher schon bewusst? Oder hat es Dich bei Deinem ersten historischen Roman dann überrascht, wie viel Du recherchieren musstest? Und wie bist Du dann vorgegangen, wie hast Du Deine Recherchequellen gesucht und gefunden?
Also eigentlich war es für mich ja so, dass ich mit den vier Ägyptenromanen direkt in eine historische Schiene eingetreten bin, die ich sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen habe – also zumindest seit meiner Kindheit. Deshalb musste ich zwar immer wieder Einzelheiten nachschlagen, aber der Recherchewust blieb eigentlich aus.
Erst mit den Amazonenromanen, bei denen ich nicht nur die Amazonenkultur, sondern auch die Hethiter und den trojanischen Krieg zusätzlich zum altägyptischen Teil recherchieren musste, hab ich bemerkt, wie ausschweifend Recherche überhaupt werden kann.
Welche historische Figur hättest Du gerne einmal getroffen?
Hatschepsut, den weiblichen Pharao. Sie war ihrer Zeit und ihren Idealen weit voraus.
Und ... hm ja, natürlich die Amazonen! J
Welche Romanfigur hat Dich am meisten beeindruckt?
Das war unbestritten Oscar Wildes „Dorian Gray“. Ich mag alle zerrissenen, unangepassten, neurotischen, unvorhersehbaren und außergewöhnlichen Charaktere, egal ob sie sympathisch rüberkommen oder nicht. Ich finde es spannend, über solche Menschen zu lesen, weil sie eben nicht alltäglich sind.
Was bedeutet das Schreiben für Dich?
Schon ein kleines bisschen Gott spielen – das gebe ich ja zu. J Welten erschaffen, die allein durch Worte voller Farben, Emotionen und Leben sind.
Das ist doch eigentlich am Schreiben das faszinierende. Man schreibt als Autor eine Geschichte, und Leser sagen: „Ich konnte alles riechen, schmecken, fühlen und sehen ... „
Als Autor hat man keinerlei Effekte für die Sinneswahrnehmungen zur Verfügung. Man muss das alles mit Worten ermöglichen. Wenn mir Leser schreiben, dass mir das gelungen ist, finde ich das schon sehr faszinierend.
Was ist Dir beim Schreiben besonders wichtig?
Das Resultat – dass ich den Lesern eine schöne Zeit mit einem Buch verschaffe, eine bildreiche, emotionale Zeit, sie aus der Realität entführe für ein paar Stunden.
Welche Deiner eigenen Romanfiguren ist Dir die liebste?
Unbestritten mein Ramses der Große aus den beiden Amazonenromanen. Ich hatte einfach genug von diesen Darstellungen der ägyptischen Pharaonen, wie sie gülden und erhaben über ihrem Volk thronen.
Mein Ramses schaut gern mal tiefer ins Glas, jammert über seine Zahnschmerzen und seine verstorbene Liebe, ist ein Macho wie er im Buche steht, meckert über den Hofstaat und die Etikette und weiß selbiges doch gleichzeitig gut zur Präsentation der eigenen Person zu nutzen.
Außerdem hat er eine Schwäche für Selina, obwohl er sie immer wieder „rausschmeißt.“ Und Selina, obwohl sie ihn für einen überheblichen, selbstgefälligen Protzer hält, mag ihn auch.
Welche Szenen schreibst Du besonders gern?
Tragische Szenen natürlich, aber was mir wohl gut liegt, sind die humorvollen Seitenhiebe. Ich kann mich so richtig schön bildlich in eine witzige Situation hereinversetzen und sie dann rüberbringen. Gott, ich lieben trockenen Humor einfach. ;-)
Was sind Dir in Deinen Büchern die Lieblingshandlungsstränge?
Das aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen oder Menschen, was mitunter schräge, seltsame und witzige Situationen hervorruft. Komik, die aus Missverständnissen herrührt z. B.
Wie fing das mit dem Schreiben bei Dir an?
Wirklich durch Zufall. Ich hatte mich einfach ohne große Hintergedanken hingesetzt und angefangen, die Bint-Anat zu schreiben. Ich war dann selbst verblüfft, dass ein ganzer Roman rauskam, gab ihn einigen Bekannten zu lesen, die ihn super, toll und ganz klasse fanden. Trotzdem ist man dann noch immer nicht unbedingt überzeugt, aber mein Vorteil war wohl, dass ich jemand bin, der ungern Arbeit in etwas steckt, was keine Früchte für die Zukunft trägt – heißt, es ist eigentlich nicht meine Art ziellos Dinge zu tun. Also kam schnell der Gedanke auf: „Wenn du dir jetzt schon die Arbeit gemacht hast, kannst du es auch mal versuchen an Verlage zu schicken.“ Und siehe da – Knaur fand die Bint-Anat toll und nahm sie unter Vertrag. So ging es los.
Wolltest Du schon immer Autorin werden oder gab es noch andere Berufswünsche?
Nein, ehrlich gesagt hatte ich lange Zeit wenig Ahnung, was ich überhaupt werden wollte, deshalb habe ich zuerst eine Ausbildung zur Justizangestellten gemacht und dann aber auch schnell festgestellt, dass ich was Kreatives brauche für mein Seelenheil. Auch Öffentlichkeitsarbeit fand ich klasse, und ein wenig Rampenlicht hat mich auch noch nie gestört. Wahrscheinlich werden solche Leute in der Regel Schauspieler oder Popstars, aber meine Talente liegen eben beim Schreiben, Lesen etc. Wobei ich gestehe, dass ich als Autorin eben gerne auch meine Amazonentänzerin mit auf Lesungen bringe, meine Künstlergruppe Art of KaRa mit einbringe und das Berufsbild des modernen (Unterhaltungs- und Belletristik-Autors auch ein wenig als Entertainer verstehe. Das war mir von Anfang an klar – dass ich keine Staubmaus hinter einem Schreibtisch sein möchte, die sich von der Welt abwendet.
Wie lange schreibst Du an einem Roman?
Das kommt darauf an – einen Ägyptenroman (bei dem ich nicht mehr so viel Recherche benötige) schaffe ich unter Umständen in einem halben Jahr, die Amazonentochter hat mit kurzen Unterbrechungen zwei Jahre gebraucht, bis sie in ihrer Endfassung stand.
Gibt es etwas, das Du gerne schreiben würdest, es bisher aber noch nicht getan hast?
Da fällt mir jetzt spontan nichts ein, weil meine Romanideen meist durch Zufall kommen, ich sozusagen darüber stolpere.
Aber die Amazonentochter war so ein Projekt – ein großer epischer historischer Abenteuerroman, der sowohl Tragik als auch Humor enthält und in den man richtig tief eintauchen kann. Das wollte ich wirklich immer schon einmal schreiben.
Wie reagieren Deine Familie und Deine Freunde auf Dein Schreiben und Deine Erfolge? Lesen sie jedes neue Buch von Dir?
Gut, denn die engsten meiner Freunde sind auch involviert – meine beste Freundin als Illustratorin, eine Tänzerin für die Amazonentänze, Art of KaRa auch für Lesungen etc. Das heißt, wir können uns alle gemeinsam freuen, und wenn ich Erfolg habe, haben sie ihn zwangsläufig auch. Das ist schön für alle Beteiligten und vermeidet Frust. Meine Familie ist natürlich auch nicht wirklich traurig darüber, dass ich schreibe, und tatsächlich läuft ein großer Teil meines Freundes- und Bekanntenkreises bei Erscheinen eines neuen Buches direkt in den Buchhandel und kauft sich das neue Buch (mittlerweile auch deren engste Familie und Freunde). Das lässt mich hoffen, dass sie es nicht nur tun, weil sie mich kennen, sondern weil ihnen meine Bücher gefallen. ;-)
Was war für Dich als Autor das schönste Erlebnis?
Puh, schwer zu sagen, es gibt so viele schöne Erlebnisse. Die Mails, in denen Leser mir schreiben, dass sie so richtig in das Buch versunken sind, Besucher bei Lesungen, die von der Stimmung mit Amazonentänzerin schwärmen etc.
Ich freue mich am meisten darüber, wenn andere sich mit mir freuen können. In diesem Sinne war es jetzt ein sehr schönes Erlebnis, dass der Hörbuchverlag Radioropa meine Amazonentänzerin „Kalizad“ für die Cover meiner Hörbücher ausgewählt hat.
Was inspiriert Dich?
Motivation durch zufriedene Leser oder auch die Genugtuung durch einen Roman Randgestalten der Geschichte ins Rampenlicht zu holen, die fast vergessen sind.
Hast Du eines oder mehrere Lieblingsbücher? Wenn ja, warum gerade diese?
Lieblingsbücher – das ist schwer, denn das typische Lieblingsbuch gibt es einfach nicht für mich. Wenn, dann würden Bücher wie „Die mit dem Wind reitet“ oder „Das Mädchen Thu und der Pharao“ auf jeden Fall dazu gehören. (bildgewaltig, emotional, abenteuerlich, sinnlich)
Gibt es Autoren, die Du bewunderst? Wofür und warum?
Pauline Gedge als Ägyptenautorin. Sie schafft es m. E. außergewöhnlich gut, das Alte Ägypten sehr atmosphärisch und plastisch in ihren Geschichten darzustellen.
Charlotte Lyne für ihren üppigen und mitreißenden Schreibstil in ihren Romanen und ihren enormen Wortschatz.
Karen Essex für ihren subtilen Humor in ihren Kleopatra-Romanen.
Ach, es gibt wahrscheinlich noch viel mehr Autoren, aber diese drei fielen mir jetzt spontan ein.
Was würdest Du gerne mal über Dich in der Zeitung lesen?
„Amazonentochter“ wird in Hollywood verfilmt! ;-)
Ja, ich gebe zu, kein besonders bescheidener Wunsch, aber die Amazonen wurden auch noch nicht für die große Leinwand entdeckt ... na ja, und wenn schon Amazonen in Hollywood, warum nicht meine. (Aber so denkt wohl jeder Autor über seine Themen oder Bücher ;-)
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