Interview: Gerd Scherm

Bild von Morgaine

Der Autor Gerd Scherm war so nett, mir einige Fragen zu beantworten. Außerdem hat er mir für dieses Interview auch noch einige Fotos zur Verfügung gestellt, so dass der Autor selbst ebenso betrachtet werden kann, wie das Earth Healing Zeichen und ein Eindruck vom Berg, den der Autor in Kanada besuchte und diese Eindrücke mit in seine Bücher fließen lässt.
Gerd SchermGerd Scherm

Gerd Scherm wurde 1950 in Fürth geboren und wuchs dort auch auf. Seit 1996 lebt er in einem alten Fachwerkgehöft in Binzwangen bei Colmberg.
Er ist als Schriftsteller und bildender Künstler tätig. So entstanden neben mehreren Romanen auch Theaterstücke, Lyrikbände und Erzählungen.
Gerd Scherm war u.a. Gastdozent an der Universität St. Gallen und an der Freien Universität Berlin im Fachbereich Kultur- und Religionssoziologie.
Seine Nomadengott-Trilogie erzählt die Abenteuer von dem altägyptischen Schreiber Seshmosis und ist ein Leckerbissen für alle Leser humorvoller Fantasy. Doch auch im Jugendbuchbereich hat Gerd Scherm mit Schamanenkind bereits ein sehr lesenswertes Werk abgeliefert.
Auf der Homepage des Autors finden sich weitere Infos über ihn, seine Werke und noch einiges mehr:
http://www.scherm.de/

Hast Du eines oder mehrere Lieblingsbücher? Wenn ja, warum gerade diese?
Lieblingsbücher wechseln bei mir im Lauf der Zeit. Seit einigen Monaten ist es „Der schwedische Reiter“ von Leo Perutz (1882 – 1957). Das ist eine so tolle, fantastische Geschichte, ohne Fantasy zu sein, spannend, überraschend, packend, einfach wahnsinnig gut geschrieben.

Gibt es Autoren, die Du bewunderst? Wofür und Warum?
Viele! Und natürlich bewundere ich sie für ihr Schreiben – den eben genannten Leo Perutz, dazu Umberto Eco, ETA Hoffmann, Edgar Allan Poe, Terry Pratchett, Douglas Adams, Arto Paasilinna, Tom Sharpe, Walter Moers. Glücklicherweise gibt es viele gute Autoren, so dass ich immer wieder guten Lesestoff finde.

Wie genau schreibst Du, hast Du direkt die Geschichte komplett im Kopf, planst alles vorher oder schaust Du, wie es sich beim Schreiben entwickelt?
Ich habe ein Grundkonzept, einen sog. Plot, an dem ich entlang schreibe. Ich lasse der Geschichte aber auch die Freiheit, sich zu entwickeln. Manche Figuren nutzen das schamlos aus, wie z.B. das Eichhörnchen Ratatöskr (Nagezahn) in meinem Roman „Die Weltenbaumler“. Das war als Nebendarsteller geplant und hat sich immer mehr in den Vordergrund gespielt, bis es auf einmal eine der Hauptfiguren war.

Hast Du feste Schreibzeiten?
Ja, ich brauche als freier Schriftsteller feste Strukturen. Morgens schreibe ich in der Regel von neun bis zwölf, dann Mittagsessen, Korrespondenz, Management usw. Ab ungefähr 16 Uhr beginnt dann die zweite Schreibabteilung des Tages mit offenem Ende, sprich meist bis gegen Mitternacht, zur Geisterstunde.

Du bist in verschiedenen Genres unterwegs und Dein Roman Der Nomadengott weist gleich die Elemente mehrerer Genres auf, da er ja sowohl historisch ist, als auch sehr humorvoll und ein wenig Fantasy hat sich auch darunter geschlichen. Wie kam es dazu, hattest Du das von Anfang an genau so geplant oder hat sich das beim Schreiben dann ergeben?
Ich bin oft als „Grenzgänger“ unterwegs und vermische gerne die Genres. Das gibt mir mehr Freiheiten. Wenn ich Götter agieren lasse, funktioniert das nur mit einem Schuss Fantasy. Und der Humor kommt bei mir meist von selbst ins Spiel. Blick vom BergBlick vom Berg

Welche historische Figur hättest Du gerne einmal getroffen?
Leonardo da Vinci und den Vater meines Vaters, den ich leider nie kennenlernen durfte.

Welche Romanfigur hat Dich am meisten beeindruckt?
Als Kind war es Tom Sawyer von Mark Twain; derzeit ist es Hildegunst von Mythenmetz von Walter Moers. Ein schreibender, hypersensibler Lindwurm – das ist für mich die wundervollste Parodie auf einen Schriftsteller.

Was bedeutet das Schreiben für Dich?
Es ist für mich Beruf, Leidenschaft, Qual, Freude, einfach das Wichtigste in meinem Leben.

Was ist Dir beim Schreiben besonders wichtig?
Saubere Recherche und präzises Schreiben.

Welche Deiner eigenen Romanfiguren ist Dir die Liebste?
Ich habe zwei Lieblinge: In meiner Nomadengott-Trilogie ist es der Schreiber Seshmosis und in meinem Jugendroman „Schamanenkind“ der zwölfjährige Falko.

Was würdest Du gerne mal über Dich in der Zeitung lesen?
Dass es mir wieder gelungen ist, einen spannenden, unterhaltsamen Roman zu schreiben.

Wie fing das mit dem Schreiben bei Dir an?
Mit 16 Jahren experimentelle Literatur – Lyrik und kleine Prosatexte.

Wolltest Du schon immer Autor werden oder gab es noch andere Berufswünsche?
Ab 16 waren alle anderen Berufswünsche wie weggeblasen.

Wie lange schreibst Du an einem Roman?
Ein halbes Jahr und ein halbes Leben. Das halbe Jahr für die spezielle Recherche und das Schreiben; das halbe Leben, weil ich ohne meine Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse nicht in der Lage wäre, so zu schreiben, wie ich schreibe.

Gibt es etwas, das Du gerne schreiben würdest, es bisher aber noch nicht getan hast?
Ja, ich würde liebend gern einen Krimi schreiben. Ich denke, der wäre dann auch wieder so ein „Grenzfall“ aus Krimi, Historie, Fantasy und Satire.

Was war für Dich als Autor das schönste Erlebnis?
Das war 2006 die Verleihung des Literaturpreises der Bayerischen Akademie der Schönen Künste im Stadtschloss in Lichtenfels. Es ist das ständige Feedback meiner Leserinnen und Leser.

Was inspiriert Dich?
Das Leben.

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