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Life is cruel {2}

Bild von DarkKairi

Ich weiß, dass es mich eigentlich nichts angehen soll. Nichts desto trotz fühle ich eine gewisse Neugierde. Seit Miyuki nach dem Gespräch mit dem Erwachsenen in der Klasse ist, umgibt sie eine traurige Aura. Obwohl die Blondhaarige dauernd lächelt, wie sie es immer tut, sehe ich Schmerz und Verletzlichkeit in ihren Augen. Und obwohl es mich nichts angehen sollte interessiert mich warum es so ist.

Nachdem Unterricht stürmen die meisten Schüler sofort raus. Nur ich packe noch ruhig meine Sachen.
"Yui wollen wir Eis essen gehen?" Aufgeregt springt sie von einem Bein auf das andere oder ist sie etwa Nervös.
Ich wende meinem Blick von ihr ab. "Tut mir Leid. Ich wollte noch trainieren", sage ich kühl, trotzdem ist die Entschuldigung ernst gemeint. Irgendwas tief in mir sagt, dass Miyuki eine Freundin braucht, jemand der für sie da ist und auf sie aufpasst. Dennoch kann ich nicht diese Person sein. Ich bin die Letzte, die so fürsorglich sein kann, wie sie es im Moment braucht.
Traurig schaut sie auf den Boden. "In Ordnung", murmelt sie und geht mit gesenktem Kopf in Richtung Tür.
Ich seufze leise und weiß das ich es nicht sagen sollte, dennoch tue ich es: "Morgen?"
Aus den Augenwinkeln sehe ich ihr strahlendes Gesicht. "Ja, gerne!", ruft sie glücklich und geht pfeifend aus der Tür.
Ich wende meinen Blick wieder zu der Schultasche und packe diese zu Ende, bevor ich sie schultere und mich auf den Weg zum Schwimmraum mache. Schnell ziehe ich mich in der Umkleidekabine um und tauche in das feuchte Nass ein. Ich bin alleine im Becken und schwimme ein paar Bahnen, während ich das Wasser auf meiner Haut spüre. Plötzliche sehe ich einen Moment von meiner Kindheit vor meinem inneren Auge.

"Yui, du bist eine richtige Badenixe", lachte eine männliche Stimme, mein Vater.
Ich lächelte in die Kamera, welche er in der Hand hielt. Ich drückte meine Arme in das Feuchte, um ihn damit abzuspritzen. Bevor ihn die Wassertropfen berührten, stolperte er nach hinten und rutschte beinahe auf dem nassen Gras aus. Ich lachte in die Kamera und legte mich wieder in dem kleinen Pool, welcher für mich mittlerweile beinahe zu groß war. Mein Bauch schaffte es nicht Unterwasser und liegend starrte ich grinsend den Himmel an.

Auch jetzt liege ich einfach im Wasser und schaue an die Decke. Ich habe das Gefühl das Meer in meinen Ohren rauschen hören zu können. Es beruhigt mich und für einen Moment kann ich alles vergessen. Die ganze Vergangenheit, was passiert ist und im Moment passiert. Jetzt gibt es nur mich und das Wasser, zwei Seelen, die zusammen gehören.
"Hey! Ist da noch jemand?", höre ich eine männliche ältere Stimme. "Ich möchte abschließen." Der Hausmeister weiß mittlerweile, dass ich sehr oft nach der Schule noch schwimmen gehe und schließt deshalb hier als letztes ab. Nachdem ich Tagelang gebraucht habe, um ihn zu überreden, dass ich noch so lange wie möglich hier bleiben darf, hat er schließlich bejaht.
Für einen Moment spiele ich mit dem Gedanken hier eingeschlossen zu werden. Dann muss ich nicht nach Hause. Jedoch zwinge ich mich aufzustehen. "Ja, ich komme", rufe ich durch den Raum und die Leere lässt meine Stimme schallen. Ich habe Verpflichtungen und muss nach Hause.
"Ich warte draußen auf dich, Yui", sagt der Hausmeister, als hätte er gewusst, dass ich hier bin. Noch immer geht er nicht in den Raum. Ich finde seinen Respekt, dass er mich nicht im Bikini sehen möchte Interessant.
Schnell habe ich mich abgetrocknet und bin schließlich angezogen, als ich mich auf den Weg nach draußen mache.
Der Hausmeister wartet wirklich schon auf mich. Ein älterer Mann, der schon etwas gebrechlich auf den Beinen ist. Trotz des blassen Lichts der untergehenden Sonne sehe ich, dass seine Haut noch heller geworden ist, als sie letzte Woche war. Innerlich mache ich mir Sorgen um ihn, doch geht es mich nichts an, weshalb ich nicht Nachfrage. "Vielen Dank", verbeuge ich mich freundlich und begebe mich zu meinem Motorroller. Ich habe wohl die Zeit vergessen, so dunkel wie es wieder geworden ist. Doch ist es mir egal. Ich liebe das Wasser zu sehr, als das ich die Zeit darin bereue.

Auf dem Weg nach Hause bin ich noch einkaufen gegangen, bevor ich die Haustür aufschließe und eintrete. Mein Weg führt sofort in die Küche, wo ich die schweren Beutel auf dem Tisch in der Mitte abstelle.
Meine Bitte, dass meine Mutter mich nicht hört, wird nicht erhört. "Wo warst du?", steht sie in der Tür und schaut mich vorwurfsvoll an, als hätte ich ein Verbrechen begangen und sie weiß es.
"Im Pool", antworte ich knapp, während ich den Einkauf in den Kühlschrank räume.
"Du weißt, dass du sofort nach Hause kommen sollst", schimpft sie weiter.
Ich verdrehe die Augen und höre ihrer Standpauke einfach zu, verdränge die Außenwelt. "Du hast Verpflichtungen. Heute bist du dran mit aufräumen und sauber machen, aber du hast es nicht getan."
Wieder verdrehe ich die Augen und schnaube genervt aus. "Und? Du hast scheinbar auch nichts getan. Ich bin Schülerin, dein Tochter und nicht deine Sklavin oder Putzfrau", sage ich mit erhobener Stimme und knalle die Tür von dem Kühlschrank zu, als ich alles eingeräumt habe.
"Wir haben eine Abmachung getroffen." Sie plustert ihre Wangen auf und streckt die Brust raus.
"Nein", sage ich energisch, als ich mich an ihr vorbei zwänge und in den Flur gehe. Ich schaue sie nicht an. Das kann ich nicht. Es tut mir weh, wenn ich sie wie ungepflegt sie aussieht mit ihren fettigen braunen Haaren und der blassen Haut, welche an einigen Stellen gerissen ist. Ich weiß dass ihre Fingernägel unsauber abgeknabbert sind. "Du hast zu mir gesagt, wie es ab sofort läuft. Ich habe niemals zugestimmt. Wenn du arbeiten würdest, würde ich dir helfen, aber du tust nicht! Du bist die ganze Zeit faul zu Hause und schaust deine Soaps und kümmerst dich um diese Frack, welches auf dem Sofa liegt." Während ich den Weg lang laufe, komme ich an dem Wohnzimmer vorbei. Demonstrativ deute ich zur linken Seite, wo man meinen Erzeuger sehen kann, wie er vor dem Fernseher auf einem Sessel sitzt. Etliche Alkohol Flaschen liegen herum und er schnarcht laut. Scheinbar ist er wieder eingeschlafen. Mit schnellem Schritt laufe ich den Flur weiterlang, um mich in meinem Zimmer einzuschließen.
"Wir haben eine Abmachung", wiederholt meine Mutter, als sie an der Tür klopft.
Mit einer Arbeitslosen, die sich keine Mühe macht ihr Leben zu ändern, werde ich keine Abmachungen treffen. Der Hunger ist mir im Moment vergangen. Ich werde später mir noch was genehmigen. Diese Familie kotzt mich einfach nur an. Aber es könnte schlimmer sein. Bis auf, dass mein Vater mir gegenüber laut werden kann, ist es erträglich. Er hebt gegen mich nicht die Hand, das macht er mit Muttern. Er lässt mich soweit in Ruhe, nur meine Mutter nervt mich das ich helfen soll. Ich war - wie sie es wollte - einkaufen, dass muss ihr reichen.

Am nächsten Tag wecken mich die Sonnenstrahlen, welche vom Fenster in mein Zimmer scheinen. Ich genieße die Zeit, wenn ich nicht zu Hause bin. Schule, Arbeit mir ist alles egal. Hauptsache ich bin nicht hier. Mein morgendlicher Alltag ist Gewohnheit. Mit schnellen Schritten gehe ich ins Bad, wo ich mich einschließe, wieder in mein Zimmer, wo ebenfalls die Tür abgeschlossen wird und in die Küche, um eine Kleinigkeit zu essen. Jedoch verschlinge ich mein Müsli, als hätte ich seit Monaten nichts mehr gegessen.
Schnell hole ich meinen gepackten Rucksack und laufe aus dem Haus. Mein Vater schläft noch immer und meine Mutter ... Keine Ahnung, ist mir egal. Ich setze mich auf meinen Roller und fahre zur Schule.

Kaum habe ich das Schulgeländer betreten, höre ich rufe. Der Tummelt befindet sich auf dem Schulhof, auf meinem Weg in den Klassenraum. Ein Kreis von Schülern hat sich um eine Person gebildet. Die eine Hälfte besteht aus Männern und die andere aus Frauen. Ich kann nicht erkennen wer in der Mitte ist und eigentlich Interessiert es mich auch nicht. "Du bist widerlich! Wie kann man nur so schreckliche Kleidung kaufen und immer bist am Lächeln. Widerlich!", höre ich ein Mädchen schimpfen.
Mein Blick geht kurz zu der Runde. In dem Moment löst sich ein Junge von der Menge und geht auf die Person in der Mitte zu. Ich hebe eine Augenbraue, als ich sehe, dass Miyuki in der Mitte ist. Sie kniet auf den Boden und hat etliche Schrammen über den Körper verteilt. Ein leichter Blutsfaden fließt ihr aus dem Mund, doch scheint es ihr egal zu sein. Noch immer Lächelt sie.
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