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Luca 14.

Bild von Leen

Luca

Sie stand an der Ampel, an der Straße gegenüber der Schule und lauschte auf das regelmäßige Klick-geräusch als ihr Jemand mit Schwung einen Arm über die Schulter warf, so dass sie stolperte und von der Kraft ein bisschen in die Knie sank. „Heeey Roboter. Na?“
„Hey Josh“, antwortete sie nachdem sie sich etwas von dem Schock erholt hatte.
„Komm schon, es ist grün“, meinte er und ging bereits über die Straße. Sie beeilte sich um wieder zu ihm auf zu schließen. „Wie läuft dein Imagewechsel so?“, fragte er und riss die Verpackung eines Müsliriegels mit den Zähnen auf.
Sie grub ihre Hände tiefer in ihre Taschen und antwortete nicht.
„Hey? Schmollst du?“ Er grinste und biss dann in seinen Riegel. Sie schüttelte den Kopf und ging weiter schweigend neben ihm her.
„Wenns irgendwas gib wo ich helfen kann, sag Bescheid“, meinte er dann und kaute genüsslich vor sich hin. Sie überlegte eine Weile ob sie tatsächlich sagen sollte, was sie gerade dachte. Einerseits war es ihr peinlich, andererseits hatte sie auch Niemanden mit dem sie sonst darüber sprechen konnte. „Ich..“, begann sie und Josh drehte sich zu ihr um. Er stopfte sich den letzten Rest seines Müsliriegels in den Mund, dann sah er sie erschrocken an. „Oh..wollfe auf waf?“
Irritiert sah sie ihn an. „Hieor“, machte er und öffnete den Mund so dass sie die zerkauten Stückchen sehen konnte.
„Baaah, Josh!“ Sie schlug ihm gegen die Schulter, doch er lachte nur und versprühte dabei ein paar Krümel. Was sie ebenfalls zum grinsen brachte. „Du bist bescheuert.. und eklig!“
Ziemlich zufrieden reichte er ihr einen noch eingepackten Riegel, während er noch immer kaute.
„Die isst du immer noch gerne was?“, meinte sie und nahm ihn an. „Klar, dass sind auch die Geilsten. Da sind getrocknete Crawnberries drin. Richtig gut.“
„Aber die mit weißer Schoko produzieren die garnicht mehr oder? Ich hab die letztens mal gesucht.“ „Die will ja auch keiner.“ „Doch ich!“, widersprach sie. Josh lachte wieder.
„Ich weiß nicht worüber ich mit Anderen reden soll“, sagte sie nach einem Moment.
„Mit Anderen?“, fragte Josh und wirkte, als wüsste er nicht wirklich wie sie jetzt darauf kam.
„Ja.. Mit dir geht das leicht“, stellte sie fest und stieg die ersten Treppenstufen hinunter.
„Mit dir rede ich über Müsliriegel und das ist normal.“ „Was soll diese Betonung auf Müsliriegel? Die sind super ja?“, meinte er und spielte beleidigt.
„Nein.. ich meine, dass völlig sinnfreie Gespräche mit dir sich normal anfühlen..“, versuchte sie zu erklären, merkte aber sofort an Josh's Augenbraue die zu seinem Haaransatz wanderte, dass es nicht die richtigen Worte waren.
„Sinnfrei also.. aha“ „Nein, also.. och Josh du weißt doch was ich meine. Ich weiß einfach nicht wie..“ „Du ein Gespräch führen sollst, mit jemand Anderem außer mir, dass über Informationsaustausch hinaus geht?“ beendete er ihren Satz. „Ja genau!“ stimmte sie zu.
„Quatsch. Mit Jedem kann man ganz normal reden“, widersprach er ihr dann.
„Was heißt denn bitte normal?“, fragte sie und spürte wie sie sich etwas ärgerte.
„Na Smalltalk. Jedes Gespräch kannst du so beginnen. Komm wir machen das jetzt“, sagte er und stupste sie mit dem Ellenbogen an während sie in ihre Siedlung einbogen. „Hey.. schönes Wetter heute“, fing er an und deutete in den grau bewölkten Himmel. „Es ist 8 Grad und es soll gleich regnen“, antwortete sie und blickte ebenfalls nach oben. Josh stöhnte. „Bist du jetzt beim Fernsehen? Wenn ich den Wetterbericht hören will, schau ich auf mein Handy. Nochmal! Jetzt fängst du an.“
„Äh...Schönes Wetter heute?“, wiederholte sie unsicher und fühlte sich ziemlich dumm.
„Findest du? Sieht mir eher nach Regen aus. Hoffentlich werden wir nicht noch nass.“
Josh beäugte besorgt den grauen Himmel und wirkte dabei ziemlich überzeugend.
„Jetzt musst du wieder was antworten.. sonst wird das kein Dialog du Superbrain“, flüsterte er ihr zu und spähte weiterhin nach Oben. „Oh.. äh ja.. hoffentlich nicht. Ich hab keinen Schirm“, sagte sie wahrheitsgemäß, doch waren sie nun nur noch eine Straßenecke von zu Hause entfernt, weshalb sie sich keine wirklichen Sorgen machte. „Ich auch nicht“, antwortete er. Nach einem Moment des Schweigens sagte er dann: „Okay.. dass war ein blödes Beispiel. Aber völlig normal, dass man mal in Gesprächen solche Lücken hat. Dann spricht man halt irgendwas anderes an. Was hörst du so für Musik, zum Beispiel. Kennst du das neue Lied von So und So oder hast du schon den neuen Kinofilm XY gesehen?“ Sie sah ihn an und obwohl er ihr so vertraut war, fühlte sie sich plötzlich fremd. Er war in einer ganz anderen Welt als sie.
„Apropos.. was hörst du eigentlich für Musik? Das weiß ich tatsächlich nicht.“
„Nichts besonderes..“, murmelte sie und biss sich dann auf die Unterlippe.
„Das heißt?“ Er grinste sie an. „Nichts halt.“ Sie fühlte sich ertappt.
Er brauchte einen Moment. „Warte mal.. du hörst keine Musik?“, fragte er dann und sah sie fassungslos an. Sie antwortete nicht mehr und ging stattdessen einen Schritt schneller. Das schien Josh allerdings garnicht zu bemerken, mit seinen langen Beinen hielt er auf gerader Ebene locker mit ihr Schritt.
„Aber du kennst ein paar Interpreten? Ja auf jeden Fall. Musst du!“, beantwortete er sich selbst seine Frage. „Beatles, Stones, Jimi Hendrix, Eric Clapton.. von den ganzen Musiklegenden musst du wenigstens irgendwo in deinen Büchern gelesen haben!“
„Natürlich“, antwortete sie knapp und steuerte auf das Gartentor ihres Hauses zu.
„Hey..“ er fasste sie am Arm und blieb stehen. „Komm später vorbei! Du kriegst heute Musiknachhilfe! Und zwar die Beste! Also.. bring einen Stick mit oder noch besser einen Mp3-Player. Hast du überhaupt einen?“
„Ja hab ich“, antwortete sie verblüfft. Sie hatte wirklich Einen. Ihre Mutter hatte ihn ihr mal geschenkt, als sie das Laufen im Park angefangen hatte. Doch sie hatte ihn nie benutzt.
„Gut. Dann komm einfach gleich rüber. Ich muss nur noch mit dem Hund raus, bevor es anfängt zu pissen. Dann bis gleich.“ Er ließ sie los, grinste, hob flüchtig die Hand und lief dann die Hecke entlang ein Haus weiter. „..Okay“, sagte Luca noch, doch Josh war bereits außer Reichweite.

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