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Happy Doomsday 14

Bild von Lzudemenchen

Kapitel 14

Ich lande auf den Kissen und Mike hilft mir auf. „Wir haben unsere Waffen oben liegen lassen!“ bemerkt Julian aufgeregt. „Egal, jetzt können wir sie nicht mehr holen.“ antwortet Mike. „Wohin jetzt?“ frage ich in die Runde und bemerke, dass die Infizierten auf uns aufmerksam geworden sind. „Erstmal weg hier! Am besten wir halten uns von bewohnten Gegenden fern und suchen uns einen Unterschlupf irgendwo abseits!“ Mike ist voll in seinem Element. Er ist der geborene Anführer… Oder kommt es mir nur so vor, weil er gerade der einzige hier ist, der überhaupt einen Plan hat? Ich frage mich ob er sich sein Leben lang auf solche Szenarien vorbereitet hat, aber wahrscheinlich hat er nur ziemlich viele Survival-games gezockt und alle möglichen Zombiefilme gesehen. Mike deutet die Straße hinunter in Richtung einer kleinen Gasse, die direkt in einen Feldweg mündet. Früher haben wir dort alle zusammen mal ein Lager aus Ästen und Paletten gebaut. Und auch später noch sind mein Bruder und ich dort öfters mit unserem Nachbarshund spazieren gegangen. Damals war alles noch so unbeschwert und einfach…
Schnurstracks läuft Mike die Straße entlang und sein kleiner Bruder dackelt ihm hinterher. Ich nehme Leon an der Hand. Er weint und starrt in Richtung des Fensters, durch das wir gerade gesprungen sind. „Komm Leon. Wir müssen gehen.“ Ich ziehe ihn mit und er folgt. Kurz bevor wir hinter einer Hecke verschwinden drehe ich mich um und sehe zu dem Fenster. Ein blutverschmierter Infizierter lehnt aus dem Fenster und streckt ihre Arme nach uns aus. Dann verliert sie das Gleichgewicht und fällt kopfüber aus dem Fenster. Ich schaue weg. Ich möchte nicht wissen, ob er tot ist oder noch lebt.
Nachdem wir durch die kleine Gasse gelaufen sind stehen wir auf dem offenen Feld. In der Ferne sieht man die Autobahn, auf der noch immer Autos stehen. Nur bezweifle ich, dass in ihnen noch Menschen sind. Aus Richtung Stadt laufen vereinzelt Infizierte über die Ebene. Wir laufen in dieselbe Richtung, nämlich von der Stadt weg. Weg von der Zivilisation. Weg von der Gefahr. Weg von unserem alten Leben.
Wir sind ungefähr zwei Kilometer gelaufen, als unsere Smartwatches vibrieren. Wir halten inne und ich drücke auf ´abspielen´. Eine Nachrichtensprecherin ist zu sehen. Ihre Wimperntusche ist verschmiert und ihre Frisur zerzaust. Um eine ruhige Stimme bemüht fängt sie an zu sprechen. „Liebe Zuschauer. Das hier ist die letzte Meldung. Wir bitten alle Zuschauer sich in Sicherheit zu bringen. In den Häusern ist es nicht sicher. Ich verabschiede mich hiermit im Namen des Gesamten Nachrichten-teams. Viel Glück.”
Man hört Glas splittern und einen Schrei. Dann ist das Video vorbei. Niemand sagt etwas. Wir laufen einfach weiter als wäre nichts gewesen. Die Stimmung war ohnehin nicht besonders gut und bis auf Mikes Monologe über die Möglichkeiten die wir haben, sagt keiner auch nur ein Wort.
Ohne etwas zu trinken laufen wir immer weiter in eine unbestimmte Richtung, umgehen Dörfer großräumig und halten stets die Augen und Ohren offen.
Die Sonne scheint uns aus zu lachen, so fröhlich wie sie der Hölle auf Erden hier unten ihre geballte Hitze spendet. Früher hätte ich das hier schönes Wetter genannt, aber jetzt gerade würde ich mich über Regen freuen, das würde auch viel besser zur Stimmung passen. Wenigstens brennt mir der lodernde Feuerball am Himmel meine Gedanken soweit aus dem Kopf, dass ich mich nurnoch aufs Laufen und aufs durst haben konzentrieren kann. Den anderen scheint es nicht anders zu gehen und selbst Mike hat inzwischen aufgehört zu reden.
Als es endlich zu dämmern beginnt laufen wir gerade durch einen Wald. Unübersichtliche Gebiete wie Wälder hatten wir bis hier vermieden, da wir nicht überrascht werden wollten, jedoch war es uns irgendwann lieber geworden von einem Zombie gefressen zu werden als noch länger in der prallen Sonne zu laufen. Hier ist es erfrischend kühl und inzwischen hatten wir uns sogar ein wenig unterhalten. Mike und ich redeten über früher, als wir Kinder waren und sogar Julian konnte sich noch an einige Dinge erinnern, obwohl er damals noch so klein gewesen war. Nur Leon schwieg immer noch.
„Wo sollen wir eigentlich schlafen?“ fragt Julian und reißt mich damit aus meinen schönen Gedanken. „Am besten irgendwo oben. Auf nem Dach oder in nem Baumhaus oder so...“ schlägt Mike vor und streicht sich dabei über sein stoppelig werdendes Kinn.
Wir suchen vergeblich nach einem geeigneten Schlafplatz bis das Sonnenlicht vollkommen in das kühle Licht des Vollmondes übergegangen ist.
Auf einem Waldweg sind wir drei Infizierten begegnet, die sich gerade über eine tote alte Dame hermachten, sodass wir umdrehen und einen anderen Weg nehmen mussten, aber ansonsten war es sehr ruhig hier. Auch wenn ich nach dieser Begegnung hinter jedem Rascheln einen Infizierten vermutete fühlte ich mich hier im Wald mit den anderen relativ wohl. Ich liebe den Wald, dort fühle ich mich ein bisschen zuhause und habe das Gefühl, dass die großen Bäume auf mich aufpassen. Ich weiß, ich bin verrückt...
Am Ende entschieden wir uns auf einem alten Hochsitz zu schlafen und die Leiter abzureißen und hochzuziehen. Nicht besonders bequem und ziemlich eng, aber zumindest ein wenig sicher.
Ich liege, wenn man das so nennen kann, eingequetscht zwischen meinem Bruder und Mike und kann nicht schlafen. Alles was passiert ist, prasselt jetzt in meinen Kopf wie ein wüstender Hagelschauer und zertrümmert das letzte bisschen Hoffnung, dass ich mir bis jetzt noch bewahrt hatte. Ob die anderen wohl schlafen können? Ich sehe es nicht, weil es dunkel ist und ich mich nicht zu sehr bewegen will, um niemanden zu wecken. Leon hatte seitdem wir losgegangen waren keine Miene verzogen und kein Wort gesagt. Ich mache mir echt Sorgen um ihn. Ihn muss das alles noch viel mehr treffen als mich, er ist doch noch so jung...

Zu Kapitel 14,5: http://www.hierschreibenwir.de/node/129096


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