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Luca 13.

Bild von Leen

Josh

„Hey Josh.. Joosh! Joshi.. Joooooshi.. Halloo Erde an Josh!“
Es dauerte einen Moment bis er bemerkte, dass er gemeint war.
Erst als Finn die Titelmelodie von Super Mario in sein Ohr trötete und dabei mit der Hand vor seinem Gesicht auf und ab hüpfte, holte ihn das aus den Tiefen seiner Gedanken.
„Hör schon auf.“ Er drückte Finn's Hand weg und sah ihn an „Was denn?“
„Nao und ich haben uns nur gefragt in welchen Welten du gerade bist.“
Er lachte. Nao der sich, die Deutschlektüre in der Hand, entspannt zurück gelehnt hatte, grinste nur ohne von den Seiten auf zu blicken. „Wie kannst du bloß dabei lesen?“, fragte Robin mit gedämpfter Stimme, da sein Kopf auf dem Tisch, mit dem Gesicht zwischen zwei Seiten steckte.
„Ich hab Kopfschmerzen..“
„Macht das überhaupt Sinn für dich, jetzt noch auf Luca zu warten? Du kriegst doch eh nichts gebacken“, fragte Nao und ließ seinen Stuhl aus der Kipplage wieder nach Vorne fallen.
„Och maan...“, stöhnte Robin.
„Alter, Hör auf zu jammern und schmeiß dir ne Schmerztablette, oder geh nach Hause und schlaf“, fuhr Josh ihn an.
„Was ist'n mit dir los? Hast du nicht gefrühstückt oder was?“, fragte Finn erstaunt. Robin sah ihn ernst an, immer noch mit dem Kopf auf der Seite, drehte ihn dann aber wieder von ihm weg. Er wusste selbst nicht was mit ihm los war. Seine Gedanken drehten sich immer noch um den Vorfall mit dem Brief und Melina. Er war noch immer enttäuscht von sich Selbst. Er hätte noch viel mehr sagen sollen, doch am Ende war es doch wieder so gewesen wie immer. Er hatte seinen Mund nicht auf bekommen. Zumindest hatte er es geschafft ihr ins Gesicht zu sagen, dass es mit ihnen vorbei war. Doch alles was er sich zurecht gelegt hatte, alles was er hatte sagen wollen, war wie weg gepustet. Sie war es gewesen die am meisten gesprochen hatte, hatte Fragen gestellt, es ihm leicht gemacht. Sie hatte sich sogar in dieser Situation für ihn Mühe gegeben.
Er schämte sich dafür.
Er war kein Stück besser geworden, hatte sich kein bisschen verändert.
Damals war es genauso gewesen. Er erinnerte sich noch genau an das Gefühl.
Wie er ihnen allen gegenüber gestanden hatte. Als Verräter beschuldigt.„Gib es zu!“ „Du warst es doch der die Idee hatte!“
„Feigling!“
echote es in seinem Kopf.
Und genauso wie damals wurde er gerettet.
„Ich bin nicht sauer. Ich will es nur zurück.“
Das Gesicht mit diesen großen Augen, die ihn ausdruckslos ansahen, so vertraut und voller gemeinsamer Erinnerungen kam auf ihn zu.
Es dauerte einen Moment bis das Gesicht, dass in seinen Gedanken einem kleinen Mädchen gehörte, sich dem Jetzigen anpasste, dass gerade auf ihn zu kam.
Luca stellte ihre Tasche auf den freien Stuhl neben Finn und grüßte in die Runde.
„Hey. Tut mir leid. Habt ihr lange gewartet?“
„Nee alles gut.“ „Hast du ne Schmerztablette?“
Robin hob seinen Kopf aus der Lektüre und sah sie an. Josh sah, dass er ziemlich fertig aussah und es tat ihm plötzlich leid, dass er ihn eben so angefahren hatte.
Luca wühlte in ihrer Tasche und kramte tatsächlich eine Packung Kopfschmerztabletten hervor.
Sie kam um den Tisch herum und setzte sich neben ihn.
„Du siehst nicht aus als solltest du hier sein“, stellte sie fest und berührte ohne zu zögern seine Stirn mit der Rückseite ihrer Hand. „mmh..“, nickte sie, sich selbst zustimmend.
„Geh lieber nach Hause. Du hast Fieber.“
Sie zog ihre Hand wieder weg und Robins rote Strähnen fielen ihm zurück auf die Stirn.
Josh war überrascht wie zwanglos sie sich verhielt. Oft genug benahm sie sich verkrampfter und ziemlich verkorkst. Finn starrte sie mit leicht geöffnetem Mund an, Nao hob eine Augenbraue und Robin blickte sie an als wäre er bereits im Fiebertrance.
Sie alle hatten Luca vor ein paar Tagen erst richtig kennen gelernt, auch wenn sie gewusst hatten, dass sie eine Kindheitsfreundin von ihm war. Zuvor, war sie nur das stille, unscheinbare Mädchen gewesen, dass nichts anderes tat als zu lernen.
So wie er sie jetzt gerade sah, ähnelte sie ihrer Mutter um ein Vielfaches mehr als sonst.
„Hier, nimm die mit“, sagte sie und drückte Robin die Tabletten in die Hand.
„Ich kann jetzt nicht gehen. Ich muss dabei sein. Ich muss die Klausur schaffen“, jammerte Robin und starrte die Packung an. „Dabei zu sein wird dir nicht helfen, wenn du deshalb am Prüfungstermin krank im Bett liegst“, sagte sie und sah ihm direkt in die Augen.
Josh war froh, dass dieser Blick nicht ihm galt.
Sie sah einen manchmal so durchdringend an, dass es einem einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Robin gab auf und packte seinen Kram ein. „Ich werde so was von durchfallen“, nuschelte er vor sich hin, knackte eine Tablette aus einer Blisterpackung und ließ sie in seinen Mund fallen.
„Warum denkst du das?“, fragte Luca und stand ebenfalls auf.
„Weil ich zu wenig gelernt habe. Ich weiß nichts! Nichts!“ Er schob seinen Stuhl ran.
Hilfesuchend sah Luca sich um und fing Josh's Blick ein. Er konnte nicht umhin, sich mal wieder zu wundern wie sich von einer zur nächsten Sekunde ihre tendenziell ausdruckslose Miene sich doch so schnell verändern konnte. „Natürlich weißt du was. Wir haben doch schon was wiederholt. Ansonsten machst du halt extra Stunden drauf, wir haben doch jetzt bald frei.“ ermutigte er Robin.
„das ist doch zu wenig Zeit..“ jammerte er weiter und Josh hätte ihm fast einen weiteren genervten Spruch gedrückt.
„Ich hab die ganzen Ferien über nichts anderes vor als lernen. Hier, schreib mir einfach.“ Sie nahm den einsamen Bleistift der zwischen ihnen auf dem Tisch lag, schrieb auf einen abgerissenen Zettel ihre Handynummer und drückte sie ihm in die Hand. Jetzt war selbst er etwas sprachlos und Finn sprach aus, was er dachte: „Also ich weiß jetzt nicht, ob ich mich wundern soll auf welche Art und Weise Robin, sich mal eben deine Nummer klärt oder, ob du es tatsächlich ernst meinst wenn du sagst, dass du in den Ferien nur lernst..“
Es dauerte einen Moment, doch dann erschien ein Hauch Rosa auf ihren Wangen.
Er wusste es.
Sie hatte überhaupt nicht bemerkt, was für einen Eindruck sie auf ihr Umfeld machte.
„Hey.. gibst du mir auch deine Nummer? Ich würde mich wohl anschließen.“ Josh sah sich zu Nao um, der ihr völlig gelassen sein Handy hinhielt, damit sie ihre Nummer eintippen konnte.
„Ich mach dann wohl auch mit..“, sprang er mit ein und stützte das Kinn auf seine linke Hand.
Interessiert blickte er zu Nao. Er wirkte zwar oft ziemlich großspurig, doch im Grunde sagte er nur etwas, wenn er etwas zu sagen hatte. Er war die Art Mensch die Andere rettete.
„Äh.. echt jetzt? In den Ferien?“ Finn sah von einem zum Andern.
„Krass man, ja also.. sagt mir einfach mal Bescheid, vielleicht bin ich dann auch dabei.“
„Wo ist eigentlich Mika?“, fragte Luca, sah sich um und wechselte damit das Thema.
„Der wollte noch irgendwas erledigen.. ich bin dann jetzt weg. Ciau Leute.“, antwortete Robin, zog den Reißverschluss seiner Jacke nach oben und winkte zum Abschied in die Runde.
„gute Besserung!“, wünschte Luca noch, dann verschwand er in Richtung Ausgang.
Schon kurz danach stand Mika bei ihnen.
„Hey Mick. Du siehst irgendwie scheiße aus.“, begrüßte ihn Finn.
Mika antwortete nicht, warf ihm aber einen genervten Blick zu.
„Nein echt jetzt. Bist du auch krank? Setzt dich nicht neben mich.“
„Sei mal ein bisschen netter“, meinte Josh. Er sah dass Mika irgendwie nicht beisammen war.
„Sagt der Richtige, du hast doch eben Robin angekackt er soll nach Hause gehen“
Nao nahm seine Tasche von dem Stuhl neben sich und deutete darauf, als Mika um den Tisch herum ging. „Rob ist krank?“, fragte er und legte seinen Kram neben ihm ab.
„Jap, hast ihn gerade verpasst. Er hat noch Kopfschmerztabletten von Luca abgestaubt“, antwortete Finn und ließ damit von Josh ab. „Wenn du schnell bist, kriegst du ihn vielleicht noch.“
Mika winkte ab. „Mir geht’s gut.“
„Okay, dann..“, setzte Luca an und hielt ihre Lektüre hoch. „Habt ihr's durch?“
Josh wusste, dass sie wusste, dass er nicht der Einzige war der es noch nicht durch gelesen hatte, als sie in die Runde sah und bewunderte mal wieder, wie nicht einmal ein Hauch von Missgunst ihre Mine verdüsterte.

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