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Happy Doomsday 12

Bild von Lzudemenchen

Kapitel 12

Das Klirren einer zerbrechenden Glasscheibe weckt mich. Draußen ist es noch dunkel. Ich schalte meine Smartwatch an und vergewissere mich in ihrem blauen Schein ob noch alle da sind. Mike und Julian müssen auch von dem Geräusch aufgewacht sein. Sie sitzen wie paralysiert auf der Matratze, die wir ihnen gestern Abend noch geholt hatten und lauschen. Mum sitzt mit vergrabenem Gesicht in der selben Ecke wie gestern. Ich frage mich, ob sie überhaupt geschlafen hat. Leon schläft noch. Diese Schlafmütze kann auch wirklich nichts wecken! Etwas zu fest rüttle ich an seiner Schulter. Als er langsam die Augen öffnet, kann man förmlich sehen wie sein Gehirn anfängt zu arbeiten und dann Alarm schlägt. Ich stehe auf und renne die Treppe halb hinunter. Drei Infizierte kommen mir aus dem Wohnzimmer entgegen. Dort muss die Scheibe zur Terrasse nachgegeben haben. Einer der Infizierten hält einen mittelgroßen Stein in der Hand. Jetzt weiß ich warum die Scheibe zerbrochen ist. In den Filmen waren die Zombies immer strohdumm, aber diese Infizierten hier scheinen intelligenter zu sein. Das ist nicht gut! Sie haben mich gesehen und laufen nun auf mich zu. Wenigstens sind sie nicht besonders schnell. Ich renne nach oben zurück und schließe meine Zimmertür hinter mir. Mike hat das Fenster aufgemacht und schaut nach draußen. „Da unten laufen alle auf eure Terrasse! Ist dort die Scheibe kaputt?“ Ich nicke hektisch und öffne meinen Schrank. Altes Spielzeug, dass ich schon lange hätte wegwerfen können fliegt mir entgegen. Ich durchkrame es nach etwas, dass man als Waffe benutzen kann. Ich hab zwar in meinem Leben nicht viele Zombiefilme gesehen, aber dort hab ich gelernt, dass ALLES eine Waffe sein kann. Aber in meinem Schrank suche ich vergeblich. Ich denke zumindest nicht, dass ich mich mit einer einbeinigen Barbiepuppe oder einem Stofftier verteidigen kann. Ich öffne meinen Kleiderschrank. Ein Gürtel? Vielleicht könnte man sie damit erwürgen, aber wie kommt man nah genug ran ohne sich dabei zu infizieren? Und kann man sie überhaupt erwürgen? Wir wissen ja nicht einmal wie der neue Virus übertragen wird. Ich kann mich schließlich nicht auf mein Zombiefilm-wissen verlassen und davon ausgehen, dass man gebissen werden muss um sich anzustecken.
Ich greife nach einem sehr alten Kleiderbügel. Heute wird ja alles aus Plastik hergestellt, aber dieser hier ist noch von meiner Oma und aus Metall. Danke Omi! Das könnte als Waffe taugen. Ich trete mit einem Fuß darauf und versuche den Bügel irgendwie zu einem langen Draht zu formen. Stolz hebe ich das verkrüppelte Stück Metall vom Boden auf. „Soll das eine Waffe sein?“ fragt Leon und bricht mir damit mein gerade entdecktes Erfinderherz. „Besser als nichts oder?“ wirft Mike ein. Rumms. „Hier! Das hier könnte man auch als Waffe benutzen!“ Julian hält stolz ein Metall-Tischbein hoch, dessen Schrauben er gerade mit Hilfe einer Bastelschere von meinem Schreibtisch entfernt hat, der nun umgekippt mit meinen Zeichensachen am Boden liegt. Kurz kocht Wut in mir hoch. Doch dann fällt mir ein, dass ich den Schreibtisch wahrscheinlich eh nicht mehr brauche. Außerdem kann ich diesem kleinen achtjährigen Fratz, wie er stolz mit seiner gerade entdeckten Waffe in der Hand einfach nicht böse sein. Allerdings bezweifle ich, dass Tischbeine eine große Hilfe sein werden und sehe mich weiter im Raum um. Wozu brauchen wir überhaupt Waffen? Wenn wir schnell genug laufen und uns von Hecken fernhalten, dürfte uns doch nichts passieren, oder? Und wenn es doch zu einem Kampf mit einem der Infizierten kommt, bin ich eh die erste, die stirbt. Mum sitzt immer noch, zusammengekauert und ihr Gesicht in den Armen vergraben am Boden. Ich gehe vor ihr in die Hocke und hebe vorsichtig ihren Kopf. Er ist warm und sie zittert. Ihre Augen sind rot und verweint und starren auf den Boden. Das kann nicht sein! Sie kann sich nicht angesteckt haben! Da schießt es mir in den Kopf.
„Der Supermarkt!“ murmle ich. Die anderen sehen mich verwundert an.
„Mum! Was ist los?“ Mit krächzender Stimme antwortet sie: „Schatz! Ich glaube ich bin… Vorsicht, halt dich fern von mir!“ Sie stößt meine Hand weg. An ihrer Hand ist ein blauer Fleck. Leon macht einen Schritt nach hinten. „ Ist sie...?“ „Sie ist infiziert“ sage ich tonlos. Mike zieht mich am Arm nach oben. „Weg von ihr! Sie ist schon infektiös!“ An der Tür fängt es nun an zu klopfen. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Sie wusste es! Sie kannte die Symptome und hat nichts gesagt! Warum nicht?! „WARUM HAST DU NICHTS GESAGT?!!“ schreie ich meine Mutter an. Erschrocken sieht sie mich an. Ich kann mir nicht helfen und fange an zu weinen. „WEGEN DIR KÖNNTEN WIR ALLE STERBEN!“ Leon steht jetzt neben mir und zupft an meinem Ärmel. Ich begreife, was ich gerade gesagt habe und bereue es. Wie konnte ich so etwas zu meiner Mama sagen?! Ich sinke auf die Knie und sehe meiner Mutter nach Vergebung flehend in ihre glasigen Augen.
“Tut mir so leid Mama, das wollte ich nicht…”
„Dafür haben wir jetzt keine Zeit!“ Mike zieht mich wieder auf die Beine. „Wir müssen hier weg!“ er nickt Richtung Zimmertür, gegen die in unregelmäßigen Abständen ein Stein und mehrere Fäuste schlagen.


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