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Happy Doomsday 11

Bild von Lzudemenchen

Kapitel 11

Wir verhalten uns ruhig. Schon seit mehreren Stunden sitzen wir nun schon hier und sind mucksmäuschenstill. Ich traue mich nicht einmal etwas zu Essen zu holen, dabei habe ich inzwischen echt Hunger. Unsere Mum hat sich inzwischen wieder etwas beruhigt. Es ist als wäre ihre Psyche aus dünnem Glas. Man kann direkt hineinschauen, jedes Gefühl erkennen, und sie ist so zerbrechlich, ein kleiner Stoß könnte genügen um sie in tausende kleine Teile zu zerschmettern. Leon sitzt neben mir. Er ist unruhig und kaut die ganze Zeit an seinen Nägeln herum. Ich versuche zu verstehen, was gerade auf dieser Welt geschieht. Es ist offensichtlich, dass es nie wieder so sein wird wie früher. Und dieser maskierte Typ ist schuld daran. Wut kocht in mir hoch. Was meint dieser Kerl eigentlich wer er ist?! Warum meint er hier Gott spielen zu müssen? Sich selbst auszulöschen hätte die Menschheit früher oder später auch selber geschafft! Dazu hätte sie keine Hilfe gebraucht! Ich verspüre einen tiefen Hass. Erst auf diesen Psychopath, weil er die Menschheit auslöscht, dann auf die Menschheit selbst, weil sie es auch ohne ihn geschafft hätte und zu guter Letzt auf mich selbst, weil ich kein bisschen besser bin als alle anderen! Und eigentlich will ich doch gar niemanden Hassen! Hass bringt mich doch nicht weiter...
Aber jetzt ist es eh egal. Ich stehe auf und sehe aus dem Fenster. Um das Haus des Nachbarn steht die Horde Infizierter. Sie schlagen gegen Fenster. Ich frage mich wie es Mike gerade geht. Mit ihm habe ich als Kind immer gespielt. Sein großer Bruder ist schon ausgezogen und sein kleiner ist ein Jahr jünger als Leon. Er muss gerade mega Angst haben... Ich versinke in Gedanken um Leute, von denen ich nicht weiß ob sie zu diesem Zeitpunkt noch am Leben sind. Was ist mit meinen Klassenkameraden, Lehrern und unseren Nachbarn? Was ist mit all den Menschen, die ich kannte? Was ist mit Mina? Ob es ihr gut geht? Ich hätte im Bus netter zu ihr sein sollen, wer weiß ob ich sie nochmal wiedersehe.
Ich schreibe ihr eine Nachricht, aber sie war schon seit Stunden nicht mehr online. Ich hoffe sie ist in Sicherheit...
Inzwischen ist es schon wieder dämmrig draußen, als drüben eine Scheibe zerbricht. Ich schaue wieder aus dem Fenster. Die Infizierten dringen jetzt in das Haus unserer Nachbarn ein. Einen Moment später öffnet sich die Haustür und Mike rennt mit seinem kleinen Bruder an der Hand auf die Straße. Er dreht sich nochmal um und schreit etwas auf rumänisch, dann rennt er auf unser Haus zu. Ohne lange nachzudenken springe ich auf und renne zur Haustür und öffne sie. Die beiden stürmen ins Haus und ich schließe schnell hinter ihnen die Tür. Ich schaue durch das kleine Fenster das sich gerade auf der Höhe der Tür befindet, dass ich mich bücken muss um hindurch zu schauen.
Die Infizierten haben die Flucht der beiden Jungen bemerkt und steuern jetzt auf unser Haus zu. Ich sehe Mike fragend an. Er sieht angsterfüllt aus und hat Tränen in den geröteten Augen. Der Anblick kommt mir befremdlich vor. Er war immer der harte Typ, der sich nie etwas anmerken ließ, nie Gefühle zeigte. „Wo ist eure Mutter?“ fragte ich vorsichtig. „Sie wollte nicht mitkommen...“ sagt Mike mit brüchiger Stimme und schüttelt verzweifelt den Kopf. Einige Sekunden stehen wir stumm da. Dann setzt das Klopfen an der Tür ein. Ich nehme ihn am Handgelenk und ziehe ihn mit seinem Bruder im Schlepptau die Treppe nach oben dorthin wo Leon und Mum sitzen. Leon mustert die beiden Jungen, aber keiner sagt ein Wort. Mike und sein Bruder nicken nur meiner Mutter zu und setzen sich dann auf den Boden an die Wand gegenüber von meinem Bett. Die Stunden fühlen sich an wie eine Ewigkeit. Ich habe immernoch Hunger und muss eigentlich auf die Toilette, aber ich habe Angst, dass wenn ich auf dem Klo sitze plötzlich die Zombies ins Haus stürmen und die anderen ohne mich fliehen müssen… Das wäre ein ziemlich lächerlicher Tod, deswegen versuche ich es mir zu verdrücken.
Irgendwann halte ich es nichtmehr aus und gehe auf die Toilette und hole danach aus der Speisekammer eine Tüte Chips, ein Glas Einmachobst und eine Flasche Wasser. Die Infizierten, die überall im Erdgeschoss an die Scheiben klopfen machen mir eine verdammte Angst. Ich mache alle Türen zu, die es gibt, in der Hoffnung, dass diese sie aufhalten, falls sie durch ein Fenster brechen. Leider haben meine Eltern sehr offen gebaut und die Infizierten, die gegen die großen Wohnzimmerfenster schlagen starren mich an, als ich die Treppe hinauf stolpere. Ich lege meine Beute aufs Bett und alle, bis auf meine Mutter fangen an sich daran zu bedienen. Anscheinend war ich nicht, die einzige, die Hunger hatte. “Mama, willst du nichts?” frage ich besorgt, aber sie antwortet nicht. Ich weiß nicht, was mir ihr los ist. Ist sie so traumatisiert von Papas Tod, oder ist es etwas anderes? Ich weiß nicht, was ich tun oder denken soll, also versuche ich wieder an etwas anderes zu denken und stopfe währenddessen gedankenverloren Chips in mich hinein. Keiner sagt etwas, alle sind mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Das klopfen wurde noch lauter nachdem ich im Erdgeschoss gewesen war. Und während es draußen langsam dunkel wird scrolle ich mal wieder durch den Newsfeed. Ich kann nicht aufhören, da ich das Gefühl habe etwas wichtiges zu verpassen, wenn ich es nicht täte. Ich frage mich, wer zum jetzigen Zeitpunkt noch in den Nachrichtenredaktionen sitzt und nach neuen Informationen recherchiert. Diese Menschen müssen langsam aber sicher ihren Verstand verlieren, wenn doch sogar ich beim lesen schon um meine geistige Gesundheit bange. Mehr schreckliche Bilder, noch mehr schreckliche Nachrichten, noch mehr Leid, noch mehr dunkle Gedanken. So viele schreckliche Gedanken. Sie wuchern in meinem Gehirn wie eine schnell wachsende giftige Pflanze, doch noch bevor sie ihre Blüten öffnen kann bin ich eingeschlafen.

Zu Kapitel 12: http://www.hierschreibenwir.de/node/129076


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