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Luca 10.

Bild von Leen

10.

Sie war gerade in ihrer Einzelarbeit über den Zellaufbau einer Pflanze vertieft, als sich Jemand demonstrativ ihr direkt gegenüber setzte. Im Augenwinkel nahm sie war, wie Derjenige seinen Kopf auf seine verschränkten Unterarme legte und sie beobachtete. Sie schrieb ihren Satz zu Ende und machte einen Punkt, dann erst sah sie auf.
„Hey“, sagte der Jemand ihr gegenüber ernst. „Hallo“, antwortete sie ohne wirklich zu wissen, wie sie auf ihn reagieren sollte. Der Junge vor ihr sah sie weiterhin mit schmalen Augen an. Sie nahm an, dass er eine Jahrgangsstufe über ihr sein musste und fragte sich was er von ihr wollte.
Als er nichts weiter erwiderte, fragte sie: „Ist irgendwas?“
Er richtete sich wieder auf ohne ihren Blick los zu lassen. Dann machte er ein schnalzendes Geräusch mit der Zunge und sah ehrlich verärgert aus. „Ja es ist was! Du bist“, stellte er fest und verschränkte die Arme vor der Brust. Er trug einen grau schwarz gestreiften Pullover und sah damit wie buchstäblich aus einem Modemagazin aus.
Sie runzelte die Stirn. Irgendwie kam er ihr bekannt vor, sie konnte nur nicht sagen woher. Seine braunen Haare, das etwas kantige Gesicht..
In der Überlegung, sich bei ihm für etwas zu entschuldigen, von dem sie nicht einmal wusste was sie überhaupt getan hatte, bemerkte sie seinen musternden Blick.
Stattdessen sagte sie: „Für meine Existenz kann ich nichts.“
„Du hast meinen Nachhilfeschüler geklaut“, stellte er trocken feste.
„geklaut?“, wiederholte Luca irritiert, dann fiel es ihr wieder ein.
„Du bist Louis!“
„Tadaa.. da hat's dann auch mal klick gemacht“, meinte er ohne einen Anflug von einem Lächeln.
„Dafür das du so gut sein sollst, dass du es in mein Revier schaffst, bist du ganz schön begriffsstutzig.“
Sie war zu abgelenkt von dieser Beleidigung, dass sie nicht auf das, in diesem Zusammenhang merkwürdige Wort eingehen konnte. Revier.
„Du bist nicht besonders nett“, stellte sie fest.
„Das sagt Diejenige die klaut“, konterte er und Luca hatte das Gefühl einem schmollenden Kind gegenüber zu sitzen das sich gut beherrschen konnte.
„Wie kann man einen Menschen klauen? Ich hab nur meine Hilfe angeboten.“
„Dann hättest du das vielleicht lassen sollen“, sagte er, mit immer noch feindseliger Stimme.
Sie wusste nicht mehr was sie darauf sagen sollte. Schon lange nicht mehr, hatte sie ein Gespräch so ratlos gemacht.
„Wow.. du bist echt langweilig.“ Louis grinste sie jetzt an.
„Jetzt ist dir nichts mehr eingefallen. Hatte ich wohl ein falsches Bild von dir.“
Er machte die Nase kraus und legte den Kopf schief. Irritiert über seinen plötzlichen Stimmungswechsel von feindselig zu freundlich musterte sie ihn etwas genauer. Sein Lächeln erreichte nicht ganz seine braunen Augen und in dem spielerischen Grinsen steckte immer noch etwas Ablehnendes.
„Und dafür hast du mich angesprochen?“, fragte sie ungerührt und machte Anstalten wieder ihren Stift zur Hand zu nehmen. Für einen kurzen Augenblick bemerkte sie seine Überraschung, dann lehnte er sich zu ihr vor, legte beide Hände auf ihr Papier und hielt ihren Blick feste.
„Ich werde nicht verlieren!“ Dann zwinkerte er ihr zu und stand mit einer geschmeidigen Bewegung auf. Wie eine Katze.. registrierte sie für sich.
Erst jetzt bemerkte sie, dass sie von vielen verschiedenen Richtungen beobachtet wurden.
Als Louis ihren Platz verließ, erkannte sie aber mit Erleichterung, dass diese Blicke nur ihm galten.
Er war also tatsächlich so beliebt.
Jetzt fiel ihr auch wieder ein woher sie ihn kannte. Er war der Schokoriegel-Typ aus der Cafeteria.
Sein letzter Satz echote in ihrem Kopf und sie hatte das ungute Gefühl, dass sie diese Worte mit einer ähnlichen Bestimmtheit schon einmal zu hören bekommen hatte.
Doch noch bevor es ihr einfallen konnte erklang der Gong, der das Ende der Mittagspause einläutete und sie ärgerte sich darüber, dass sie so wenig geschafft hatte.

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