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Weltengänger

Bild von Sandsturm

In dem Fantasy-Roman des russischen Kultautors geht es um einen jungen Mann namens Kirill, der in Moskau lebt. Eines unheilvollen Tages bekommt er keinen Zutritt mehr zu seiner eigenen Wohnung, seine gesamten Dokumente lösen sich in Luft auf und seine Bekannten, Freunde, seine Familie beginnen ihn zu vergessen. Nach einer Weile findet Kirill heraus, dass er von nun an ein sogenanntes Funktional ist. Seine Aufgabe, seine Funktion, ist es, als Zöllner den Übergang zwischen verschiedenen Welten des Multiversums zu überwachen. Damit einher gehen besondere körperliche und kognitive Fähigkeiten, die ihn zu einer Art Superheldenversion seiner selbst machen. Kirill trifft bald andere Funktionale, vom Restaurantleiter über eine Ärztin bis hin zu einem Polizisten, alle mit ganz besonderen Fähigkeiten auf ihrem jeweiligen Gebiet. Er schließt neue Freundschaften in den anderen Welten und macht sich ebenso einige Feinde, weil er nicht nach den Regeln der Funktionale spielen will.
Mehr will ich gar nicht verraten, denn ich möchte ja niemandem die Spannung nehmen, aber mehr gibt es über den Inhalt auch fast gar nicht zu sagen, selbst wenn man die gesamte Geschichte des Romans erzählen würde. Das ist meiner Meinung nach auch die größte Schwäche des Buches. Doch bevor ich hier direkt anfange zu kritisieren, erst mal ein paar Punkte, die mir wirklich gut gefallen haben.
Größte Stärke Lukianenkos ist auf alle Fälle sein großartiger Schreibstil. „Weltengänger“ ist das erste Buch, das ich von ihm gelesen haben und ich war von der ersten Seite an begeistert von seinem Stil, der gleichzeitig mitreißend und leicht zu lesen ist, aber auch tiefe, philosophische Einblicke in die Gedanken des Protagonisten erlaubt. Vor allem die völlig aus dem Konzept des restlichen Romanes fallenden Kapitelanfänge habe ich wirklich genossen. Kirill (Lukianenko) philosophiert auf eine so nachvollziehbare Art und Weise über ganz alltäglich Dinge, dass man fast Lust bekommt, ganze Abhandlungen von ihm über so simple Dinge wie das Aufwachen oder das Halten von Vorträgen zu lesen. Auch die übrige Gedankenwelt von Kirill wird so anschaulich beschrieben, dass man sich gut mit ihm identifizieren kann, obwohl man selbst kein 26-jähriger, zu jedem kleinsten Anlass Alkohol konsumierender Moskauer ist.
Während man von der Hauptfigur einen sehr genauen Eindruck bekommt, kommen die übrigen Charaktere leider etwas zu kurz. Da „Weltengänger“ noch einen Nachfolger, „Weltenträumer“, hat, habe ich die Hoffnung, dass man im zweiten Teil noch etwas mehr über die anderen Figuren erfährt.

Was die Handlung betrifft, muss ich leider nochmal auf meine Aussage von oben zurückkommen. Nach einem wirklich guten Anfang, verläuft sich der rote Faden nach der Hälfte des Buches leider im Sand. Während ich das Buch gelesen habe, habe ich immer darauf gewartet, dass die Haupthandlung endlich einsetzt und als dann endlich etwas Aufregendes passiert ist, war ich schon auf Seite 500 von 580. Und selbst dann gab es keinen besonders spannenden Showdown, höchstens eine kleine überraschende Wendung. Da es ja mit dem zweiten Teil noch weitergeht, ist das Ende entsprechend offen.
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich „Weltenträumer“ ebenfalls lesen werde. Normalerweise kann ich es gar nicht ausstehen, nur einen Teil einer Buchreihe gelesen zu haben, zumal es ja in diesem Fall nur einen weiteren Teil gibt. Da die allgemeinen Bewertungen des zweiten Bandes allerdings schlechter sind als die von „Weltengänger“, müsste ich mich erst selbst überzeugen, dass Lukianenkos Schreibstil es wert ist, eine schwache Handlung zu ignorieren. Vielleicht versuche ich es eher mit einem seiner anderen Bücher als mit der Fortsetzung dieses Romans.


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