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Biss in alle Ewigkeit

Bild von flügellos

Klappentext:
Beaufort Swans Leben ändert sich von Grund auf, als er der geheimnisvollen Edythe Cullen begegnet. Gerade erst ist er in die düstere Kleinstadt Forks gezogen und hätte nie gedacht, jemanden wie sie hier zu treffen. Edythes goldene Augen, ihre Haut wie Elfenbein und ihre übernatürlichen Fähigkeiten faszinieren ihn und ziehen ihn unwiderstehlich an.
Beaufort sucht ihre Nähe. Erst nach und nach begreift er, in welche Gefahr er sich damit begibt. Doch da ist es fast schon zu spät…

Meine Meinung:
Der Gedanke sämtliche Geschlechterrollen einer Geschichte umzudrehen hat mich gleichermaßen fasziniert, wie abgestoßen. Doch ich muss sagen, das Experiment ist aufgegangen, zumindest zu 80%.
Die Geschichte bleibt dieselbe: Ein Mensch und ein Vampir, die sich gegen sämtliche Widerstände ineinander verlieben. Die Charaktere hingegen nicht. Edythe Cullen wirkt zum Beispiel um einiges nahbarer und viel weniger suisch, als Edward es tut. Und Beau ist angenehmerweise nicht so naiv, wie Bella. Aber das hat auch seine Nachteile: Ich fand es manchmal äußerst verwirrend die neuen Charaktere mit ihren Vorbildern vergleichen zu müssen, auch weil viele der Nebencharaktere im Vergleich zum Original sehr blass wirken. So wird Beaus Freunden viel weniger Raum gegeben, als Bellas Freunden im Original, sie wirken beinahe wie Statisten. Und auch die Cullens haben mich manchmal verwirrt. Insbesondere Archie, das männliche Pedant zu Alice, wirkt als Figur noch nicht ganz ausgereift und ein bisschen seltsam.
Positiv hat mich in Bezug auf die Figuren aber Stephenie Meyers Fähigkeit zum Tabubruch überrascht. Beau putzt und kocht, was uns bei Bella ganz normal erschien, wirkt bei Beau im ersten Moment etwas seltsam. Bei den Quileute verwandeln sich nur die Frauen in Werwölfe. Auch da musste ich einen Moment überlegen, bevor ich es nachvollziehbar fand. Schließlich gibt es gerade bei den indianischen Ureinwohnern auch Stämme, die das Matriarchat gelebt haben. Die Figur, die mich aber am meisten fasziniert hat, war Jules Black, die weibliche Version von Jacob. Ein Mädchen, das an Autos herumschraubt, auch im 21. Jahrhundert noch ein Konzept, das man nicht oft sieht. Ich fand es gut, dass die Autorin nicht in Geschlechterklischees verharrt ist, sondern durchaus auch ein paar Sachen gewagt hat, nur hätte ich mir gewünscht, dass sie gerade Jules öfter vorkommen lässt.
Genau wie bei den Charakteren, durchziehen aber auch was den Inhalt betrifft, Licht und Schatten das Buch. Manche Szenen sind wie schon im Original sehr gut gelungen und haben den Geschlechtertausch schlüssig und fast unverändert überstanden. Die Löwe-und-Lamm-Szene wäre hierfür ein gutes Beispiel. Bei anderen Szenen musste ich schlucken, vielleicht, weil ich selbst immer noch viel zu sehr in Genderstereotypen denke, zum Beispiel als Beau im Biounterricht ohnmächtig geworden ist. Aber ja, auch ein Junge kann vielleicht kein Blut sehen, warum auch nicht. Drittens ist mir aufgefallen, dass in manchen Szenen Beau viel zu stark Bella gleicht. Während Edythe immer wieder so etwas wie eine eigene Persönlichkeit aufblitzen lässt, die sie deutlich von Edward unterscheidet, stimmt Beau abgesehen von unterschiedlichen literarischen Vorlieben und Duschgewohnheiten fast genau mit Bella überein. Das hat mich ein bisschen gestört. Und zu guter Letzt kommen wir zu den Szenen, die in meinen Augen überhaupt nicht funktioniert haben. Das sind vor allem die Szenen, in denen des im Original um Bellas Freunde geht, oder auch um ihre Gedanken. Oder Szenen, die einfach für das Vorankommen der Geschichte entscheidend waren. Über erstere scheint die Autorin bei der Umarbeitung nur einfach so hindurchgerauscht zu sein. Szenen, die im Original ganze Absätze einnehmen, sind in der Neuerzählung oft nur ein paar Sätze lang, was ich sehr schade fand. Unbedingt nötige Szenen wirkten auf mich oft ein wenig konstruiert, insbesondere die Szene, in der Bella im Original in Port Angeles in Gefahr gerät und Edward sie rettet. Während es durchaus plausibel ist, dass ein junges Mädchen nachts in einer fremden Stadt Gefahr läuft, dass ihr Gewalt angetan wird, fand ich es nicht sonderlich logisch, dass ein Junge in derselben fremden Stadt fast von Verbrechern getötet wird, weil er fälschlicherweise für einen Polizisten gehalten wird.
Was mir aber an der Neuerzählung am meisten sauer aufgestoßen ist, ist das Ende. Die Autorin verpackt hier die restlichen drei Romane der Reihe in knapp fünfzig Seiten und dadurch gehen einige Sachen, die im Original sehr gut funktioniert haben, einfach unwiederbringlich verloren. Genauere charakterliche Ausarbeitung einiger Nebencharaktere zum Beispiel, oder auch Bellas Freundschaft mit Jakob, die einen Großteil der Geschichte ausmacht. So wirkt das Ende auch weniger rund und schön, als das Ende des Originals. Das fand ich wahnsinnig schade, denn so nimmt sich die Autorin auch die Möglichkeit einer Fortsetzung.

Fazit:
Die Geschichte ist natürlich ein Muss für alle wahren „Twilight“-Fans. Sie ist, wie schon fast von Stephenie Meyer zu erwarten, vom Schreibstil her sehr gut und fesselt einen trotz des schon bekannten Inhalts genauso sehr, wie das Original. Der Geschlechtertausch ist ebenfalls sehr gut gelungen, auch wenn manche Charaktere dadurch blass und etwas seltsam wirken. Nur ist, die Geschichte eben oft ein bisschen zu sehr an das Original angelehnt, sie kann sich dadurch nicht richtig entfalten, fließt insgesamt nicht so gut wie das Original. Größtes Manko ist wahrscheinlich das Ende, das eben sehr stark von „Twilight“ abweicht. Ich bereue es trotzdem nicht Geld für dieses Buch ausgegeben zu haben, denn es ist alles in Allem ein faszinierendes literarisches Experiment und eine gelungene Ergänzung zur Geschichte. Ich bin gespannt, was sich die Autorin für das 20-Jahr-Jubiläum ausdenken wird.


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