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Carrie

Bild von flügellos

Klappentext:
Carrie war schon immer anders. Wegen ihrer unbeholfenen Art ist sie in der Schule eine Außenseiterin und wird gnadenlos gehänselt. Zu Hause leidet sie unter dem religiösen Fanatismus ihrer Mutter. Nur ein einziges Mal fühlt sich Carrie so wie alle anderen Mädchen: Als sie zum Schulball eingeladen wird. Doch der Abend endet nach einem grausamen Streich in einer Katastrophe. Denn Carrie ist beseelt von einer unheimlichen Gabe. Einer Gabe, die sie ein Inferno entfesseln lässt, gegen das die Hölle wie ein lieblicher Garten Eden aussieht –

Meine Meinung:
Eine der bekanntesten urbanen Legenden der Verlagswelt besagt, dass Stephen Kings Ehefrau Tabitha das Manuskript von „Carrie“ eines Tages im Müll gefunden hat und ihren frustrierten und verzweifelten Ehemann dazu überredet hat, es doch noch einmal einem Verlag anzubieten. Diese Geschichte war auch mir vor dem Lesen des Buches bekannt und sie hat mich immer abgeschreckt. Denn kann ein Roman, den sogar der Autor für nur-Papierkorb-tauglich hält, überhaupt gut sein? Ja, kann er und ich war wirklich überrascht davon!
Vor allem davon, dass ich mich einmal nicht mit einem Zyklus von gleich mehreren 1000-Seiten Wälzer herumschlagen musste, sondern es mit einem 300-Seiten Werk zu tun hatte, das Fiktion und Pseudo-Wissenschaft auf sehr gekonnte Art und Weise miteinander verbindet und dabei immer wieder Spannung aufkommen lässt. „Carrie“ ist die Geschichte eines Mädchens, das anders ist, deshalb auf grausamste Art und Weise gehänselt wird und sich dafür noch übler rächt. Der Leser wird hineingezogen in den Sog der Ereignisse, noch bevor er sich überhaupt richtig über das grausam-fatalistische Menschenbild Kings aufregen kann und schwankt dann, genau wie viele Figuren des Romans, irgendwo zwischen Abscheu und Mitleid Carrie gegenüber.
Ein bisschen störend wirkt dabei Kings oftmals etwas überheblicher Tonfall, doch das wird doch wundervolle Beschreibungen wieder kompensiert. Die Charaktere sind fast alle grauenhaft und doch identifiziert man sich mit ihnen, vor allem mit Carrie, der man in der Mitte des Romans schmerzhaft ein Happy End wünschen würde. Apropos schmerzhaft: In ihrem religiösen Fanatismus unverständlich und fast schon gruselig wirkt Carries Mutter und der Leser kommt nicht umhin sich zu fragen, wieso ihr denn niemand dieses Kind weggenommen hat. Die Gleichgültig ihrer Mitmenschen Carries Leid gegenüber geht einem unter die Haut – doch das ist leider auch das einzige Schauerelement in diesem Erstlingswerk des „Meisters des Horrors“.
Erschrecken könnte einen auch die Zerstörung der Stadt durch Carrie – wenn diese nicht so übertrieben wirken würde. Gerade die mystische Erkenntnis vieler Zeugen, das arme Mädchen sei für all dies verantwortlich, obwohl sie nicht sagen könnten woher sie das wissen, ist für mich alles andere als glaubwürdig und fast schon lächerlich.
Besänftigt wurde ich jedoch durch den Epilog des Romans. Die Trauer, die in der zerstörten Stadt zu spüren ist, verspürt auch der Leser ein bisschen, weil er dieses kleine Meisterwerk jetzt aus der Hand geben muss und weil damit eine kleine Zeitreise endet, in eine Zeit in der es noch Plattenspieler, Pomade und Plateauschuhe gab. Ja, beim Lesen von „Carrie“ wird man ganz nostalgisch und doch ist es auch interessant zu sehen, wie wenig die Menschen sich seit den 70ern verändert haben.
Interessant ist auch das Nachwort von Willy Loderhose, das definitiv Lust macht, sich die verschiedenen Filmversionen von „Carrie“ einmal genau anzusehen.
Fazit: Das Buch ist nicht perfekt, aber in den Müll gehört es definitiv nicht.


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