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Nennen wir sie Eugenie

Bild von SonjaB

Eugenie ist eine junge Frau, die im Senegal lebt. Sie hat die Schule gerade abgeschlossen und jobbt in einem kleinen Laden, um sich ein Studium zu finanzieren. Dort lernt sie Seraba kennen, eine junge Frau, die in England zur Schule gegangen ist und studiert hat. Eugenie verliebt sich in Seraba. Dabei wissen beide, dass eine homosexuelle Beziehung im Senegal verboten ist. Sie riskieren mit ihrer Beziehung verhaftet zu werden und viele Jahre ins Gefängnis zu müssen. Beide sind sehr vorsichtig und verheimlichen ihre Beziehung vor allen.

Dann wird Eugenie eines Tages von ihren Eltern zum Essen eingeladen. Die Stimmung ist seltsam, Eugenie kann kaum etwas essen, denn ihre Eltern haben Besuch. Der junge Mann und seine Eltern begutachten Eugenie die ganze Zeit und machen merkwürdige Bemerkungen. Erst als sie weg sind, klären die Eltern Eugenie auf: Sie soll den jungen Mann heiraten, weil ihre Familie Geld braucht für das Studium ihrer Brüder und sich der Vater auch verspekuliert hat. Ohne die Heirat ist die Familie pleite.

Eugenie ist außer sich und weigert sich, in die Heirat einzuwilligen. Daraufhin wird sie eingesperrt. Ihre Brüder entdecken ihr Handy und finden darauf die SMS von und an Seraba. Es steht zwar kein Name dabei, aber sie erkennen, dass Eugenie eine Frau liebt. In einem unbeobachteten Moment kann Eugenie fliehen, wird aber von ihren Brüdern vorher noch verprügelt. Eugenie geht zurück in ihre Wohnung. Sie stellt sich vor, dass sie Gras über die Sache wachsen lassen kann, dass sich mit der Zeit alles beruhigen wird und sie bis dahin zumindest ihr gewohntes Leben weiter leben kann. Sie geht deshalb am nächsten Morgen wie gewohnt zur Arbeit. Dort trifft sie jedoch auf ihre Mutter. Und sie erfährt, dass bei der Polizei Anzeige gegen sie erstattet wurde. Eugenie gibt Seraba Bescheid und flieht dann mit allem, was in ihren Rucksack passt, an einen Ort, wo sie sich ungefährlich mit Seraba treffen kann.

Seraba und Eugenie diskutieren hin und her, was sie machen sollen. Doch der Senegal ist nicht mehr sicher für Eugenie. Die Polizei sucht sie inzwischen mit Steckbriefen, die an alle Hotels und Pensionen geschickt worden sind. Wird sie gefasst, droht ihr mindestens ein Jahr Gefängnis. Deshalb entscheiden sie, dass Eugenie nach Deutschland flüchten und dort um Asyl bitten soll. Für Deutschland entscheiden sie sich eher zufällig, Hauptsache ein Land, wo Homosexualität nicht verboten ist.

Eugenie kommt schließlich in Deutschland an und beantragt Asyl. Das ganze Aufnahmeverfahren rauscht an ihr vorbei, sie versteht nichts. Sie fühlt sich wie im Nebel. Dann wird sie umverteilt, um in einer alten, baufälligen Kaserne auf die Entscheidung ihres Antrages zu warten. Dort erwacht sie wieder aus dem Nebel. Sie will nun eigentlich schnell Deutsch lernen und eine Arbeit finden, aber dann erkennt sie, dass sie gar nicht arbeiten darf. Und sie darf sich auch nicht weit von der Kaserne weg bewegen. Sie darf eigentlich nichts, außer sich in der Kaserne langweilen. Erst als Jeff kommt, eine deutsche Aktivistin, lernt sie ein bisschen mehr kennen und schafft es mit ihrer Hilfe, eine Anwältin für ihr Asylverfahren zu finden.

Meine Meinung
Wir alle kennen spätestens aus den Medien die deutsche Sichtweise auf die Asylbewerber und das Asylverfahren. Vielen Gemeinden, die überhaupt nicht die Möglichkeit zur Unterbringung haben, werden diese Menschen einfach aufs Auge gedrückt. Wir stecken alle Asylsuchenden einfach in eine Schublade, nehmen die einzelnen Menschen und ihre Schicksale kaum noch zur Kenntnis. Doch hier können wir einmal die andere Sichtweise kennen lernen. Wir können lesen, wie ein Asylsuchender das Verfahren wahr nimmt und wie er sich fühlt, wenn er die Sprache nicht spricht, einmal die Woche ein paar Lebensmittel bekommt, die er nicht kennt und mit denen er nichts anfangen kann, das Asylverfahren nicht versteht und in dem er unmöglich zu beschaffende Papiere und Beweise besorgen soll.

Dieses Buch drückt nicht auf die Tränendrüse. Es wird ein ganz einfaches Schicksal geschildert, wo ein Mensch einfach nur ein Mensch sein möchte, der lieben möchte, wen er mag und nicht den Menschen, den die Umwelt an seiner Seite sehen möchte. Eugenie liebt nun mal keinen Mann, sondern eine Frau. Warum will man ihr also vorschreiben, dass sie einen Mann zu heíraten hat bzw. zumindest mit einem Mann leben muss? Und auch wenn ihr das im Asylverfahren nicht vorgeschrieben wird, so droht ihr doch jederzeit die Abschiebung zurück in den Senegal, wo man es ihr vorschreibt. Die deutsche Begründung in der Verwaltungslogik: Sie müsse ihre Sexualität ja nicht offen ausleben, könne es heimlich oder eben gar nicht tun. Allerdings berücksichtigt diese Logik nicht, dass im Senegal auch die Bevölkerung absolut gegen Homosexualität eingestellt ist. Eugenie ist etwa von ihren Brüdern verprügelt worden, ihr Fahrrad wurde zerstört, sie verlor ihre Arbeit und die Polizei suchte sie überall. Seraba hörte später noch, wie sich die Leute den Mund über sie zerreißen.

Dieses Buch geht dann aber auch nicht in alle Einzelheiten. Es ist mir manchmal sogar ein wenig zu oberflächlich gehalten. Ich finde, Eugenies Hilflosigkeit und ihre Handlungsunfähigkeit in diesem Asylverfahren kommt nicht immer so deutlich zum Ausdruck, wie ich es mir gewünscht hätte. Andererseits finde ich diesen Schreibstil auch gerade gut, weil zumindest ich dadurch mehr über das Asylverfahren insgesamt nachgedacht habe und nicht nur über das Einzelschicksal von Eugenie. Dürfen wir so, wie wir es bisher tun, über andere urteilen? Ich bin zwar auch nicht dafür, dass jeder einreisen und vom deutschen Sozialstaat profitieren darf, aber es muss doch eine andere Möglichkeit geben als das Verfahren, was derzeit praktiziert wird und monate- oder jahrelang dauert, und keinem nutzt.

Zusätzlich zur Geschichte gibt es in dem Buch an den Stellen, wo es gerade hin passt, einige Informationsboxen mit einigen Informationen dazu, was etwa eine Umverteilung ist oder was die Residenzpflicht bedeutet. Die Möglichkeit zum Deutsch lernen bekommen die Asylsuchenden erst, wenn sie anerkannt sind. Vorher haben sie etwa keine Chance zum Lernen der fremden Sprache, denn in den Unterkünften gibt es kaum jemanden, von dem sie lernen können. Ich fand diese Boxen sehr gut, denn ich wusste bisher recht wenig vom Asylverfahren.

Insgesamt ist es wieder ein Buch, das mich nachdenklich stimmt und das mich zu der Überzeugung bringt, dass sich etwas ändern muss. So, wie es derzeit ist, kann es mit den Asylverfahren in Deutschland nicht weiter gehen. Und auch das Ende des Buches lässt mich nachdenklich zurück, ohne dass ich viel mehr verraten will. Aber das Ende passt zur gesamten Geschichte.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Und das Autorenhonorar für dieses Buch geht an den Verein Exil e.V. - Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge. Mit dem Kauf dieses Buches tut man somit auch noch etwas Gutes.

Fazit
Asylverfahren mal aus dem anderen Blickwinkel


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