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Stine

Bild von warmerSommerregen

Sehr interessanter und beeindruckender Roman, der mich sprachlich jedoch nicht überzeugen konnte...

Es ist ein ganz gewöhnlicher Tag in der Berliner Invalidenstraße, als die brünette Witwe Pittelkow wieder einmal einen Brief erhält, der sie in helle Aufregung versetzt. Vorbereitungen müssen getroffen und Gäste eingeladen werden. Denn wieder einmal kommt sie der Graf Haldern besuchen. Dieser verlangt von ihr, dass sie ihn in einer kleinen Runde unterhält… In seinen Augen ist sie ein Spielzeug, das er, in der Sprache gekonnt spielerisch und in den Ausdrücken vulgär, in Verlegenheit zu bringen versucht. Für ihre lockere Liebschaft finanziert er der kleinbürgerlichen Schönheit schließlich den Lebensunterhalt, richtet ihre Wohnung ein und sorgt dafür, dass es ihr und ihrer kleinen Tochter Olga gut geht.
Wie sonst auch bringt der Graf noch weitere Gäste mit, die sich auch amüsieren wollen, darunter erstmals seinen romantisch veranlagten Neffen Waldemar. Als dieser bei dem Treffen auf die ebenso kränkliche, zerbrechliche und freundliche jüngere Schwester der Pittelkow, Ernestine Rehbein, trifft, verliebt er sich sofort in sie.
Es scheint, als sei dies der Beginn einer Liaison, wie bei dem Grafen Sarastro Haldern und Pauline Pittelkow, doch zwischen den beiden entsteht etwas vollkommen anderes. Doch muss dies aufgehalten werden, da Adel und Kleinbürgertum nicht für ein Miteinander bestimmt sind, lediglich für Liebschaften sind sie einander gut genug.
Doch kann die Liebe zweier Menschen nicht die Hindernisse ihrer Stände überwinden?

Die Charaktere in diesem Roman sind sehr interessant, da kaum einer mit seiner Situation zufrieden zu sein scheint und jedem die Ständegesellschaft einige Einschränkungen aufgibt. Auch das unmoralische Verhalten wird hier verdeutlicht, so gibt es bei dem den Adel repräsentierenden Grafen Sarastro einen großen Unterschied zwischen dem Gesagten und dem Ausgeführten. Es wird moralisch gesprochen aber unmoralisch gehandelt, ganz nach dem Prinzip der freien Theorie und befangenen Praxis.
Darüber hinaus wird die Doppelmoral des Adels verdeutlicht, da die innere und brüchige Welt des Adels der Welt, die er den Anderen zeigt, nicht gleicht. Die Werte, die nach außen hin propagiert werden, werden nach innen nicht gelebt.
Auch sehr interessant ist, dass man die Ansichten beider Seiten, die des Adels und des Kleinbürgertums, kennen lernt. So erfährt man von den Unterschieden und Gemeinsamkeiten, solche wie den Stolz.
Aber auch die Nachbarn, die nichts anderes mit ihrer Zeit anzufangen wissen, als andere zu beobachten und zu belauschen um etwas Interessantes zum Darübertratschen zu erfahren, sind spannende Charaktere.

Jedoch, und das ist an diesem Buch mein großer Kritikpunkt, ist die Sprache wirklich sehr gewöhnungsbedürftig. Theodor Fontane schreibt sehr detailverliebt und genau. So beschlich mich beim Lesen immer wieder das Gefühl, die Zeit im Roman würde stehen bleiben, da die Beschreibungen so viel Zeit in Anspruch nahmen, dass man die eben vorangegangene Handlung schon wieder aus den Augen verloren hat. Dies ist zwar typisch für Fontane, an einigen Stellen auch angenehm und interessant, um sich Situationen besser vorstellen zu können, an den meisten Stellen allerdings war es mir einfach zu viel. So wurde das Lesen anstrengend und ich musste immer wieder Pausen einlegen oder Abschnitte mehrfach lesen, um mir die beschriebene Handlung als Ganzes noch einmal vor Augen führen zu können.
Der verwendete Berliner Dialekt sorgte manchmal für Abwechslung, aber auch immer wieder für ein wenig Unverständnis, welches sich aber nach einem erneuten Durchlesen wieder nehmen ließ.

Alles in allem ist dieser Roman, in dem die Grenzen, die die Ständegesellschaft zieht, aufgewiesen werden, inhaltlich sehr beeindruckend und absolut empfehlenswert. Man erfährt einiges über die Berliner Gesellschaft um 1890, jedoch ist die Sprache gewöhnungsbedürftig und sicherlich nicht für jeden ansprechend. Mir hat sie den Lesespaß leider etwas genommen.


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