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Noch so eine Tatsache über die Welt

Bild von warmerSommerregen

Nicht mein Fall.. Skurrile Charaktere, unlogische Handlungen und seltsame Metaphern und Vergleiche..

Mit sieben Jahren findet Millie ihren Hund Rambo im Garten. Er ist das erste tote Ding, das sie findet. Kurz darauf beginnt sie ein Buch über die toten Dinge zu schreiben, in das sie einträgt, welches tote Ding sie gefunden hat. Immer mehr tote Dinge umgeben sie. Sie trägt Spinnen oder Fliegen ein. Und dann auch ihren eigenen Vater.
Drei Monate später ist sie mit ihrer Mutter in einem Kaufhaus. Sie soll auf ihre Mutter warten, die nur kurz weggehen will. Millie ist siebeneinhalb, fast acht, Jahre alt, als sie auch ihre Mutter verliert. Denn auch wenn sie tagelang in dem Kaufhaus auf ihre Mutter wartet und überall nicht zu übersehende Vorkehrungen trifft, damit ihre Mutter weiß, wo sie Millie zu suchen hat, bleibt ihre Mutter fort.
Als sie dann doch noch im Kaufhaus bemerkt wird, soll sie neuen Eltern vermittelt werden. Doch das kleine Mädchen nimmt einfach reißaus und flieht nach Hause- wo niemand nach ihr sucht..
Karl ist der Tasttipper. Er sammelt Bindestriche von Tastaturen und wenn er spricht tippt er das Gesagte in der Luft. Er lernt Millie in dem Kaufhaus-Café kennen.
Agatha, die nachdem sie ihren Mann geheiratet hat, keinem anderen Mann mehr in die Augen sehen konnte, da sie immer dachte, dass das gegenüber ja auch einen Penis habe, wohnt gegenüber von Millie. Seitdem ihr Mann verstorben ist, verlässt sie ihr Haus nichtmehr. Stattdessen hat sie einen klar strukturierten Tagesablauf. Morgens führt sie zum Beispiel ihr Buch des Alters, in dem sie ihre Armschabbelstärke einträgt, die von Tag zu Tag zunimmt.
Was sie denkt und unternimmt ruft sie laut aus, außerdem beobachtet und kommentiert sie von ihrem Stuhl der Begutachtung aus die vorbeilaufenden Menschen, die Straße, die Gärten und auch die Tiere. Dabei ruft sie Dinge wie “Zu schmale Lippen!” oder “Zu asiatisch!”.
Doch wird ihr Tagesablauf durcheinander gebracht, als Millie zu ihr rüberkommt, um sie zu fragen, was ein Reiseplan ist. Schnell steht fest, dass Millies Mutter nach Melbourne gereist ist. Also holt Agatha nach ein paar weiteren Tagen Millie drüben ab, um mit dem Mädchen ihrer Mutter hinterher zu reisen.

Und an dieser Stelle auf Seite 80 habe ich das Buch abgebrochen.

Zunächst einmal sind die Personen alle extrem seltsam und mir nicht gerade sympathisch. Millie scheint mit ihren siebeneinhalb Jahren doch sehr zurückgeblieben.. So glaubt sie, dass Menschen schwanger werden, wenn der Mann der Frau einen Fisch schenkt, der seine Eier in ihr legt. Darum schaut Millie auch nach dem Baden im Meer immer nach, ob sich in ihrem Pipi kleine Babys finden lassen. Im Alter von fast acht Jahren..
Ein Grund dafür könnte durchaus in ihrer Erziehung liegen, die auch nicht optimal verlaufen zu sein scheint. Kaum stellt Millie ihren Eltern eine Frage, erhält sie Antworten, die vielleicht den Leser zum Lachen bringen sollen, mich aber nur genervt haben.. etwas wie:
Wohin kommt man, wenn man tot ist? –
“In den Himmel oder in die Hölle. In die Hölle kommen alle bösen Menschen, zum Beispiel Verbrecher, Betrüger, oder Verkehrspolizisten, die Parksünder aufschreiben. In den Himmel kommen alle guten Menschen, so wie du und ich oder die hübsche Blondine aus der Kochshow.
Und was passiert, wenn man da hinkommt?
In der Hölle muss man, ähm… Macarena tanzen. Die ganze Zeit, für immer. Zu diesem Megamix aus Grease.
Und wohin kommt man, wenn man gut und böse zugleich ist?
Was? Keine Ahnung. Ikea?
Hilfst du mir, ein Raumschiff zu bauen?” (S. 11)
Außerdem redet Millie mit Gegenständen und hat auch sonst eine blühende Fantasie, die mir manchmal Grund zu der Vermutung war, dass sie irgendeine psychische Störung hat..
Dann ist da noch Karl. Der Tasttipper. Auch wenn er schon älter ist benimmt er sich extrem kindlich. Ob es nun ist, dass er in dem Kaufhaus laut “God save the Queen” singt oder alleine die Tatsache, dass er Bindestrichtasten sammelt. Oder seine Ausdrucksweise allein. Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass er aus einem Altersheim geflohen ist und die Autorin vermitteln wollte, er sei wieder zum Kind geworden.
Agatha ist mir allerdings am furchtbarsten.. Diese seitenlange Ausführung weswegen sie Männer nicht mehr ansehen konnte nervte mich ehrlich gesagt an. Ihre Lieblingstemen scheinen Sex, die Verfehlungen anderer, ihr Altern und der Untergang der Kultur zu sein. Auch, dass sie alles was sie macht oder denkt laut ausrufen muss, macht auf mich keinen gesunden Eindruck..

Dann störte mich noch die Logik.. Ob es nun war, dass Millie sich Spielzeugautos unter die Gummistiefel klebte und dann im Kaufhaus inline-skatete oder dass sie tagelang im Kaufhaus unbemerkt blieb. Dabei hat sie doch alle Spielzeuge und Figuren so ausgerichtet, dass sie auf ihr Geheimversteck unter XXL-Unterwäsche zeigten, an die Kaufhaustüren mit Farbe geschrieben “Ich bin hier, Mum”, Spiele ausgeräumt und Inhalte ausgetauscht, Süßigkeiten gegessen und Verpackungen rumliegen lassen oder Kosmetikprodukte benutzt und wieder weggelegt. Fällt so etwas denn gar nicht auf??
Und dann, als es endlich doch noch bemerkt wird, nach dem sie einen Security-Beamten in seinem Büro eingesperrt hat, kann sie einfach nach Hause fliehen, wo natürlich niemand vorbeischaut, wenn sie sie doch so dringend finden wollen..

Dann wäre da noch der Schreibstil. Der ist wahrhaftig etwas besonderes.. Zum Beispiel Metaphern wie “rosa Cupcakes mit Kirsch-Brustwarzen obendrauf” (S.64) sind sehr häufig anzufinden. Bei den meisten sind mir die Zusammenhänge jedoch gänzlich unverständlich, zum Beispiel bei der Häuserfront, die wie eine Pupille aussieht.. Es mag sicherlich Leser geben, denen ein solch kreativer Schreibstil gefällt, ich persönlich zähle mich nicht dazu. Es war für mich hier einfach nicht stimmig.
Dann ist der Text für mich sehr verwirrend gewesen, da es zum einen gar keine Anführungszeichen oder ein “sagte Millie” oder Ähnliches gab, sondern bei einer Unterhaltung einfach alles durchgeschrieben wurde, sodass ich oft nicht wusste, wer was gesagt hat.
Außerdem weiß man auch nie, wann Millie etwas denkt oder sagt, sich erinnert, die Jetzt-Zeit beschreibt oder ihren zukunftsvisionen nachhängt, denn auch hier wird kein Unterschied gemacht..
Auch die Groß-und Kleinschreibung wird hier kreativ angewandt.. Genauso wie die Zeichensetzung.

Die Autorin Brooke Davis erklärte in einem Interview, dass sie,nachdem sie sich von dem mysteriösen Tod ihrer Mutter erholt hatte, ein Buch darüber schreiben wollte, wie natürlich und unausweichlich der Tod ist und darüber, dass man auch das baldige Dahinscheiden von geliebten Menschen akzeptiert.
Dieses Buch wurde von vielen Lesern sehr gelobt, weswegen ich es auch anfing zu lesen. Mich konnte es jedoch nicht überzeugen..

Ich denke aber, dass sich jeder selbst ein Bild zu diesem Buch machen sollte, denn schließlich kann es nicht von ungefähr kommen, dass es so viele Leser begeistert.


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